Freizeit Feiern in Natur und Gemeinschaft in Langenau

Stimmungsvoll haben die Naturfreunde die Sonnwendfeier begangen, im rechten Bild ist der Vorsitzende Wolfgang Faul zu sehen.
Stimmungsvoll haben die Naturfreunde die Sonnwendfeier begangen, im rechten Bild ist der Vorsitzende Wolfgang Faul zu sehen. © Foto: Thomas Bunk
Langenau / Michael Seefelder 25.06.2018
Viele Besucher haben bei der Sonnwendfeier in Langenau ein launiges Wochenende erlebt. Zwei Tage lang gab es Musik, Lagerfeuer und Aktionen.

Parken auf dem Stoppelfeld inmitten freier Natur, Essens- und Getränkestände, satte Rockklänge auf der Bühne: Die Sonnwendfeier der Naturfreunde Langenau hat Festival-Charakter. Jedes Jahr treffen sich auf dem Gelände der Ortsgruppe am Nau-Ursprung hunderte Besucher, um zwei Tage lang gemeinsam ausgelassen Musik, Gespräche und die Natur zu genießen. Menschen aller Altersklassen sind dort zu finden. Kinder sausen eine große Rutsche hinab, lassen sich schminken und die älteren Semester schwelgen beim Bier in Erinnerungen.

Für Wolfgang Faul, den Vorsitzenden der örtlichen Naturfreunde, ist „der schönste Biergarten Deutschlands“, wie er das Anwesen nennt, seit Kindertagen ein Sehnsuchtsort. Der 53-jährige Langenauer war schon als Fünfjähriger Mitglied der Naturfreunde, die alljährliche Sonnwendfeier ist für ihn stets ein Höhepunkt des Jahres. „Man kommt zur Ruhe, wenn man vor dem Feuer steht, in die Glut schaut und sich Gedanken macht, was das Leben eigentlich ist“, sagt er.

Noch nie ausgefallen

Wegen des Wetters müssten die Mitglieder jedes Jahr zittern, doch die Naturfreunde ließen sich auch von Wind und Regen nicht abschrecken. Deshalb sei die Sonnwendfeier bisher auch noch nie ausgefallen.

60 Ehrenamtliche sind für Organisation und Bewirtung im Einsatz, den Anfang auf der Bühne macht die Band „Foal House Sessions“ mit bekannten Rockmelodien. Das Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Schweden wird im Naturfreunde-Haus gezeigt und „Pig Ass and the Hoodlums“ sorgen mit Rock‘n‘Roll und Rockabilly für Stimmung. Nach dem WM-Spiel wird die „Familienfeier ohne Eintritt“, so Wolfgang Faul, dann brechend voll. Auch der Frühschoppen am Sonntag ist gut besucht. „Alle unsere Wünsche wurden erfüllt“, lautet die freudige Bilanz des Vorsitzenden. Was Faul jedoch ärgert, ist, dass die Sonnwendfeiern in Verruf geraten sind, weil Rechtsradikale den angeblich altgermanischen Brauch zelebrieren. „Hier bei uns geht es nur um die Natur“, betont der Vorsitzende.

Ein langjähriger Besucher des Festes ist auch Reiner Genz, der sofort ins Schwärmen gerät, wenn er von den Naturfreunden und der Sonnwendfeier erzählt. „Es sind lauter musikverrückte Leute hier.“ Das gefällt dem 60-jährigen Mit-Organisator des Festivals Nau-Rock besonders. Die Musik verbindet, aber auch der Spaß, den alle jedes Jahr miteinander haben. „Ich habe noch keine Sonnwendfeier erlebt, bei der es nicht lustig war“, erzählt Reiner Genz. Dort fühle sich jeder zugehörig und angenommen. Als Langenauer müsse man solche Feste unterstützen, ist Genz überzeugt, der selbst als Vorstandsvorsitzender des TSV Langenau in der Vereinsarbeit aktiv ist.

Nachwuchs bleibt aus

Für viele Ortsgruppen der Naturfreunde sind die Zeiten schwerer geworden. Auch in Langenau fehlt der Nachwuchs. Seit fünf Jahren gibt es keine Kindergruppe mehr. Dem Vorsitzenden Wolfgang Faul macht das „große Sorgen“, jedoch sei die Ortsgruppe nicht in ihrer Existenz gefährdet.

Die Sonnwendfeier dient daher auch der Mitgliederwerbung. „Das ist das Fest im Jahr, bei dem wir versuchen, Leute zu gewinnen und auf uns aufmerksam zu machen“, sagt Faul. Die zahlreichen Kinder und Jugendlichen, die bei der Feier dabei sind, stimmen ihn und seine Freunde optimistisch für die Zukunft.

257 Mitglieder in der Ortsgruppe

International Der Naturfreunde-Verband hat den Zweck, Umweltschutz, sanften Tourismus, Sport und Kultur zu fördern. In Europa gibt es an die 1000 Naturfreundehäuser. Der Ursprung liegt im 19. Jahrhundert in der Arbeiterbewegung. Die Idee ist, der Stadtbevölkerung den Zugang zur Natur zu ermöglichen. Die Naturfreunde sind eine Nichtregierungsorganisation (die Abkürzung des englischen Wortes dafür ist NGO) und bekennen sich in ihrer Satzung zum demokratischen Sozialismus.

Gründung Die Langenauer Naturfreunde wurden im Jahr 1923 gegründet, in der NS-Diktatur verboten und 1947 dann wiedergegründet. Das Haus der Ortsgruppe, sie hat heute 257 Mitglieder, wurde im Jahr 1960 erbaut und 1982 vergrößert.

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