Astronomie Sternengucker in Wippingen bewundern Blutmond

Hunderte von Wanderern haben sich in Wippingen mit Pfarrer Ernst Burmann (Mitte, weißes Hemd) aufgemacht, um gemeinsam die Mondfinsternis zu erleben.
Hunderte von Wanderern haben sich in Wippingen mit Pfarrer Ernst Burmann (Mitte, weißes Hemd) aufgemacht, um gemeinsam die Mondfinsternis zu erleben. © Foto: Margot Autenrieth-Kronenthaler
Wippingen / Margot Autenrieth-Kronenthaler 29.07.2018

Was für ein Ereignis. Zur Sternennacht des Jahres mit totaler Mondfinsternis, Blutmond und Mars hat Ernst Burmann, Pfarrer im Ruhestand, am Samstagabend nach Wippingen zur Mondwanderung eingeladen. Mehrere hundert Sternengucker versammelten sich auf freiem Feld, um dem Naturschauspiel beizuwohnen.

Zunächst wollte sich der rote Mond im Dunst nicht so recht zeigen. Kein Problem für den ehemaligen Wippinger Pfarrer, der mit sonorer Stimme Psalm 8 rezitierte, der die Schöpfung Gottes preist. „Wenn ich sehe die Himmel, deiner Finger Werk, den Mond und die Sterne, die du bereitet hast: was ist der Mensch, dass du seiner gedenkst?“, heißt es da überaus passend. Die Teilnehmer konnten in das Lied „Der Mond ist aufgegangen“ einstimmen. Was, um im Bild zu bleiben, eine schöne Atmosphäre schuf. Und tatsächlich ließ sich der braunrot gefärbte Himmelstrabant immer besser erkennen.

Ganz anschaulich erklärt

Burmann hatte allerlei astronomische Erläuterungen zum Mond. „Er hat eine beruhigende Wirkung auf die Erde, er sorgt für Stabilität und die Jahreszeiten. Es ist wie in einer guten Partnerschaft, er ist das Gegenüber zur Erde“, führte der Wahl-Neu-Ulmer aus. Um die Mondfinsternis richtig erklären zu können, ging er ganz anschaulich vor. Der Kopf einer Besucherin wurde von ihm kurzerhand zur Erde erklärt und ihre  Haare  zur Erdatmosphäre, während er selbst die Sonne darstellte.

Viele Zahlen

Nur ein Fünftel der sonstigen Leuchtkraft habe der Blutmond, weil er im Erdschatten läge, erläuterte Burmann, der mit unglaublich vielen Zahlen beeindruckte. Die Planeten Venus, Jupiter, Saturn und schließlich auch der Mars wurden gesichtet. Letzterer leuchtete unterhalb des Mondes ganz rötlich und hatte an diesem Abend 58.000 Kilometer Entfernung zur Erde. Eine solche Konstellation gebe es erst wieder in 105.000 Jahren.

Sternenbilder

Also, eine absolut einmalige Angelegenheit. Viele Besucher waren mit einem Fernglas bewaffnet. Der rote Mond wirkte in der Vergrößerung ungleich plastischer als mit dem bloßen Auge. Es gab noch allerlei an Sternenbildern und Himmelskörpern zu entdecken, vom Großen Wagen über den Polarstern bis zum Kreuz des Nordens.

Ernst Burmanns Wissen scheint unerschöpflich. Pfarrer sind ja sozusagen von Amts wegen für den Himmel zuständig, aber woher rührt diese Leidenschaft für Sterne? „Ich hatte ein Initialerlebnis auf einer Jordanreise. Ich lag im Beduinenzelt und schaute in den samtschwarzen Himmel hinauf. Da sah ich ein liegendes Kreuz aufgehen, das Sternbild Schwan. Seitdem bin ich von den Sternen infiziert, das war 1996“, erzählte der Hobby-Astronom. Neben der Sternenkunde gab es zur Mondwanderung auch Lyrik, ein weiteres Steckenpferd des Pfarrers. Burmann zitierte das passende Gedicht „Sternseherin Lise“ von Matthias Claudius.

Gerst „zu Gast“

Nach gut einer Stunde tauchte die ISS mit Alexander Gerst an Bord über Wippingen auf, bewegte sich schnell am Himmel, durchflog den Großen Wagen und verlor sich in der Dunkelheit. Sternenkundler Burmann wusste, dass die ISS nur 400 Kilometer über der Erde mit einer Geschwindigkeit von 28.000 Kilometer in der Stunde fliegt.

Heimweg

Nach gut anderthalb Stunden machten sich die Teilnehmer auf den Heimweg. Nicht bevor sie den letzten Vers des eingangs angestimmten „Der Mond ist aufgegangen“ sangen.

Neben der Reiseagentur ein breites Interesse

Zur Person Ernst Burmann ging 2014 nach über 40 Dienstjahren als evangelischer Pfarrer in Rente. Er fing als Vikar in Hechingen an, es folgten Stationen als Pfarrer zum Beispiel in Augsburg, Wippingen und Elchingen. Seine Frau Gabriele war von 1999 bis Anfang 2018 Dekanin in Neu-Ulm. Burmann betreibt eine Reiseagentur. Er ist nach eigenen Angaben „sehr interessiert“ an Literatur, Fotografie, Bildender Kunst, Theater, Architektur,  Geschichte, Naturwissenschaften, besonders Astronomie; in theologischer Hinsicht an Ökumene, Kirchengeschichte, Weltreligionen, Bestattungskultur.

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