Versteigerung von Land Fast 2,7 Millionen Euro für 20 Grundstücke in Bermaringen

Die Tabelle an der Wand des Zeughaussaals in Ulm stand im Mittelpunkt des Interesses der rund 250 Zuschauer: Dort wurden die aktuellen Gebote für die 20 Grundstücke bei der Zwangsversteigerung angezeigt.
Die Tabelle an der Wand des Zeughaussaals in Ulm stand im Mittelpunkt des Interesses der rund 250 Zuschauer: Dort wurden die aktuellen Gebote für die 20 Grundstücke bei der Zwangsversteigerung angezeigt. © Foto: Helga Mäckle
Bermaringen / Helga Mäckle 12.02.2019

Exakt 348.675 Quadratmeter. Diese Zahl muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Knapp 35 Hektar Äcker, Wiesen und Wald – insgesamt 20 Grundstücke – stehen auf einmal zum Verkauf. Und das in Zeiten, in denen auf der Alb wegen des Ausbaus der A 8 und der ICE-Trasse Flächen extrem knapp geworden sind, sich Landwirte, Kommunen, Investoren, Spekulanten und ganz normale Bürger regelrecht um Grundstücke reißen.

Verlegt in Zeughaussaal

Kein Wunder also, dass die Zwangsversteigerung jener knapp 350.000 Quadratmeter in und um Bermaringen vergangene Woche nichts weniger war als ein Event: Weil so viel mehr Menschen kamen als erwartet, es dürften am Ende um die 250 gewesen sein, hatte Rechtspfleger Stefan Geiselmann die Versteigerung kurzerhand von Saal 3 des Amtsgerichts in den Zeughaussaal verlegt.

Drei von insgesamt 33 Mitgliedern einer Erbengemeinschaft hatten die Zwangsversteigerung des ehemaligen Bauernhofs in Bermaringen, „zum Zwecke der Aufhebung der Erbengemeinschaft“ in die Wege geleitet. Ein Gutachter hatte die Verkehrswerte der Grundstücke festgelegt, so dass sich jeder Interessent bereits im Vorfeld eingehend informieren konnte. Im Zeughaussaal erklärte Rechtspfleger Geiselmann die Regularien: Er las sämtliche Flurstücknummern samt der darauf eingetragenen Dienstbarkeiten, wie etwa Wegerechte, und sämtliche eingetragene Grundschulden vor: „Dass mir nachher niemand sagt, er habe nicht gewusst, dass auf diesem oder jenem Grundstück noch Schulden drauf sind“, warnte Geiselmann.

Er eröffnete genau um 13.58 Uhr die Bieterstunde: „Aber keine Angst, wir bieten so lange, bis keiner mehr was sagt.“ Das Bieten in modernen Zeiten wird am Computer erledigt. Die Interessenten gingen zu Geiselmanns Tisch, sagten Flurstücknummer und den Preis, den sie gewillt waren zu bezahlen. Der Rechtspfleger tippte Name und Summe auf seinem Laptop in eine Excel-Tabelle, die über einen Beamer an die Wand des Saals geworfen wurde. Um es vorweg zu nehmen: Die Bieterstunde endete um 16.50 Uhr – unterm Strich standen dann 2.696.500 Euro.

In den knapp drei Stunden dazwischen, in denen mal der Preis des einen oder anderen Grundstücks nach oben ging, war rund um die an die Wand projizierte Tabelle reichlich Zeit für Gespräche, Mutmaßungen, Fachsimpeleien, Geschichten, Gerüchte, Klatsch und Tratsch. Es waren wohl für fast alle sehr unterhaltsame Stunden.

Ein „g’scheiter Acker“

Besonders begehrt war das Flurstück 3196, das größte überhaupt, das letztlich für 700.000 Euro den Besitzer wechselte: „Das ist ja auch der einzig g’scheite Acker“, sagte einer, offensichtlich Landwirt. Sonst gebe es in Bermaringen ja fast nur „steinige Äcker“, auf denen wenig wachse. Dass jetzt aber schon für Ackerflächen sieben Euro pro Quadratmeter bezahlt werden, beunruhigte den Mann: „Da werden Maßstäbe gesetzt.“ Als normaler Bauer könne man solche Preise nicht bezahlen, erklärte er. „Das kann ich mit meinem Hof nicht erwirtschaften.“

Er mutmaßte, dass ein Landwirt das Flurstück ersteigert hat, der auf der Albhochfläche Äcker für die ICE-Trasse oder die A 8 verkaufen musste – und entsprechend Geld auf dem Konto habe. Investieren die Bauern das Geld nicht innerhalb von fünf Jahren wieder in ihren Betrieb, müssen sie es voll versteuern. Daher gingen wohl einige auf Einkaufstour in Bermaringen.

Auch die Stadt Blaustein war vertreten: Bürgermeister Thomas Kayser, Kämmerer Josef Engel samt Anwalt. Sie hatten es auf die alte Hofstelle an der Kirchstraße, ein Grundstück neben dem Bermaringer Friedhof und zwei weitere im Gewann Kirchgaßäcker abgesehen. Die seien für die weitere Entwicklung des Blausteiner Ortsteils immens wichtig, sagte Engel. Dass die Stadt sich bei der Versteigerung durchsetzte, sorgte bei einigen für Unmut ebenso wie die Tatsache, dass die Forst BW den Zuschlag für die drei angebotenen Waldstücke erhielt. „Da haben normale Leute natürlich keine Chance“, schimpfte einer, der gegen den Landesbetrieb gesteigert hatte.

Stadt Ulm nicht da

„Wo ist die Stadt Ulm?“ Auch das war Thema. Denn die Stadt ist im Umland gefürchtet, kauft sie doch gern und viel landwirtschaftliche Flächen auf, um diese später zum Tauschen für neue Wohn- und Gewerbegebiete zur Verfügung zu haben. Offenbar war aber kein Vertreter Ulms dabei.

Computer hin, Excel-Tabelle her. Der Abschluss der Versteigerung der 348.675 Quadratmeter war ganz und gar altmodisch: „Zum Ersten, zum Zweiten und – zum Dritten“, sagte Stefan Geiselmann. Mit diesem Satz sind für das 1300-Einwohner-Dorf Bermaringen sicherlich große Veränderungen eingeläutet worden.

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196

Quadratmeter Fläche hat das kleinste Flurstück in Bermaringen, das bei der Zwangsversteigerung unter den Hammer kam, das größte hat 97 712 Quadratmeter.

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