Dettingen Fast 200 lassen sich typisieren

Die ungewöhnliche Aktion der Feuerwehr in Dettingen für Blutkrebskranke war ein voller Erfolg.
Die ungewöhnliche Aktion der Feuerwehr in Dettingen für Blutkrebskranke war ein voller Erfolg. © Foto: Harald Kächler
Dettingen / Harald Kächler 08.12.2018

Leo Steinhauser, der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Dettingen, weiß, wovon er redet. Er selbst hat sich vor zehn Jahren typisieren lassen und ist tatsächlich vier Jahre später zum Spender von Stammzellen geworden. Damit konnte der Dettinger einem 40-jährigen, an Leukämie erkrankten US-Amerikaner das Leben retten. Sechs Jahre ist das nun schon her, und Leo Steinhauser sagt: „Ihm geht es bombig.“ Schließlich hat er inzwischen regelmäßig E-Mail-Kontakt mit dem Nutznießer seiner Knochenmarkspende.

Getreu dem Motto der Floriansjünger, seinem Nächsten in der Not zu helfen, war es Steinhauser eine „Herzensangelegenheit“, selbst mit seiner Wehr eine Typisierungsaktion durchzuführen (siehe Infobox). Im Ausschuss stieß Steinhauser auf offene Ohren: „Jeder fand die Idee gut.“ Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) hat laut dem Dettinger Kommandanten eine Partnerschaft mit der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS). „Wir sind allerdings die erste Wehr in der Region, die so etwas durchführt“, betont Leo Steinhauser am verregneten Adventssonntag. Die Zeit sei dafür günstig, so kurz vor Weihnachten, meint der Kommandant, und das stolze Ergebnis von fast 200 Typisierungen gibt ihm anschließend recht. Gut 30 Feuerwehrler sind dafür im Einsatz: bei der Typisierung im Schulungsraum, bei den Vorführungen und der Bewirtung in der geräumigen Garage des Gerätehauses. Denn ein attraktives Rahmenprogramm muss sein. Die Aktion leitet der Stellvertreter Steinhausers, Daniel Bachhofer, seines Zeichens Notfallsanitäter.

Er erklärt den Ablauf der Aktion an den sieben Typisierungsplätzen: Zuerst wird ein besonderer Fragebogen ausgefüllt. Wichtig ist dabei neben Größe und Gewicht die Abstammung. Dann bekommen die Teilnehmer drei Wattestäbchen, mit denen sie aus der Innenseite der Wangen Partikel der Schleimhaut aufnehmen. Diese werden dann eingetütet und ans Labor verschickt, das die jeweilige DNA bestimmt und digitalisiert. „Wer sich typisieren lässt, sollte auch zur Spende bereit sein“, sagt Daniel Bachhofer, weiß aber, dass dafür nicht jeder bereit ist, wenn es darauf ankommt.

Dazu bereit war eine Spenderin aus Dettingen, die vor einem Jahr einem Leukämiekranken in den USA geholfen hat und wegen der Kürze der Zeit noch anonym bleiben muss. Sie dient im Schulungsraum als Ansprechpartnerin. Eine der Teilnehmerinnen ist Adelinde Wohlhüter aus Sinningen, die die Typisierungsaktion „super“ findet. Ihrem Vater, der vor 37 Jahren an Leukämie gestorben ist, hätte man nämlich vielleicht mit einer Spende helfen können. Nachbarschaftshilfe in Dettingen leistet unter anderem Jürgen Hermann, der Kommandant der Kirchberger Feuerwehr.

Die Familie kann oft nicht helfen

Spenderdatei Die DKMS gemeinnützige GmbH hat ihren Hauptsitz in Tübingen. Seit 1991 sammelt sie die Gewebemerkmale von Menschen weltweit, um geeignete Spender zu vermitteln. Nur ein Drittel der Blutkrebserkrankten findet in seiner Familie einen geeigneten Spender. Die Stammzellenspende wird nur zu 20 Prozent direkt aus dem Knochenmark entnommen, ansonsten aus dem Blut.

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