Bestattungskultur Familienbaum und Rasengrab in Dietenheim

Von Beate Reuter-Manz 06.10.2018

Beerdigt in Gottes freier Natur unter einem schönen Baum. Und zwar so, dass kein Angehöriger sich mit der Grabpflege herumplagen muss. Das wünscht sich Annegret H. Die alte Dame hat sich für eine Feuerbestattung entschieden. „Trotzdem will ich, dass man mich später einmal besuchen kommen kann“, sagt die 81-Jährige. Sie freut sich deshalb, dass auf dem Dietenheimer Friedhof bald auch Baumbestattungen möglich sein werden. Diese Ortsnähe zieht sie einem entfernten Friedwald, beispielsweise auf der Alb, eindeutig vor.

Die Bestattungskultur hierzulande steckt im Umbruch. Die Menschen wünschen sich ein größeres Angebot jenseits der klassischen Formen. „Wir wollten frühzeitig auf diesen Trend reagieren, um diese individuellen Wünsche auch vor Ort erfüllen zu können“, sagt Bürgermeister Christopher Eh. Zwei Jahre lang beschäftigen sich Verwaltung und Gemeinderat mit dem Thema, holten dazu den erfahrenen Friedhofsberater Joachim Ebinger aus Trossingen ins Boot. Der Planer beschied dem Dietenheimer Friedhof einen großen Vorteil: Das Gelände biete nach der Erweiterung geradezu ideale Voraussetzungen, um unterschiedliche Bestattungsformen umzusetzen; als da wären: Urnengemeinschafts- und Familiengräber unter einem Baum, Erdrasengräber, „normale“ Urnen-Bestattungen in Zweier-, Vierer-, Sechser, und Achtergemeinschaften.

Stadt übernimmt Pflege

Insgesamt zwölf verschiedene Bestattungsarten wird es bald in Dietenheim geben. Dazu gehören auch ein Bereich für Kinder und für so genannte „Sternenbabys“ sowie ein Feld für Muslime. Für alle neuen Formen gilt: Die Angehörigen sollen wenig Aufwand mit der Pflege haben, und sie sollen Blumenpräsente und Grabbeigaben an zentralen Stellen ablegen können. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass die Gemeinde die Pflege der Gräber übernimmt, zum Beispiel den Grasschnitt eines Rasengrabs. Das wird sich am Ende bei den Gebühren niedergeschlagen, die derzeit im Rathaus neu kalkuliert werden. Doch im Gemeinderat hatte Bürgermeister Eh sich in dieser Hinsicht bereits zu Beginn der Diskussion positioniert: „Sterben muss bezahlbar bleiben.“ Auf dem Dietenheimer Friedhof hat sich nach dem einmütigen Beschluss zur Erweiterung im Sommer viel getan. Er wurde im Westen um ein 100 Meter langes und 67 Meter breites Stück größer. Der Grund gehörte schon lange der Stadt und wurde bis zuletzt als Wiese bewirtschaftet. Jetzt wurden die knapp 7000 Quadratmeter dem Friedhof zugeschlagen.

Neue Bäume gepflanzt

„Die Eingrünung außen herum war eine Wildnis. Da haben wir kräftig roden müssen“, berichtet Bauamtsleiter Christoph Koßbiehl auf Anfrage. Der städtische Bauhof war es, der die Grenze zwischen altem und neuem Teil öffnete und die ersten Einfassungen von Gemeinschafts-Rasengräbern anlegte. Die Firma Zeba aus Wain hat das neue Wege-System angelegt. In der Nordwest-Ecke des neuen Teils wurden ein Spitzahorn, eine Winterlinde und eine Blutbuche gepflanzt. 36 Urnen können einmal unter einem Baum Platz finden. Schönes Detail: Dem Baum entsprechend werden Blätter aus Bronzeguss hergestellt, die als Namenstafeln dienen. Eine erfahrene Schlosserei wurde mit der Herstellung beauftragt. „Wir arbeiten weiter mit Hochdruck.“ Ziel sei es, die Friedhofserweiterung bis Ende des Jahres so weit herzustellen, dass ein Großteil der Bestattungsformen möglich sei, sagt Koßbiehl.

Urnenwand versetzt

Viel getan hat sich auch auf dem Friedhof in Regglisweiler. Der neue Parkplatz, auf dem 30 Autos abgestellt werden können, ist fertig gepflastert. Sechs Bäume werden dort noch gepflanzt. Eine 2,20 Meter hohe Travertin-Mauer und ein schmiedeeisernes Tor bilden den neuen Haupteingang, der zunächst in den 17 auf 17 Meter großen Verweilbereich führt. Die Urnenwand, die vorher noch im alten Friedhofsteil stand, wurde in diesen Ruhebereich hinein versetzt. „Da haben alle Hinterbliebenen toll mitgezogen“, lobt Koßbiehl. Markantes Gestaltungselement in dem neuen Entree ist eine sechs Meter hohe Pyramide aus Stahl. „Was hier noch fehlt, sind Ruhebänke“, sagt Koßbiehl. Die Sitzgelegenheiten seien bereits bestellt.

Einweihung findet im November statt

Kosten Die Neugestaltung des Regglisweiler Friedhofs hat sich die Stadt rund 330 000 Euro kosten lassen. Darin enthalten sind der gepflasterte Parkplatz, auf dem 30 Autos Platz finden, die Mauer-Einfassung des Ruhebereichs samt Friedhofstor und Stahlpyramide. Für die Erweiterungsarbeiten am Dietenheimer Friedhof waren in diesem Jahr 100 000 Euro im  Haushalt eingestellt. Diese Summe reicht laut Bauamtsleiter Christoph Koßbiehl für die bisherigen Arbeiten aus. Die Einweihung und Segnung  in Regglisweiler soll im Trauermonat November stattfinden.

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