"20 Milchbauern am Samstagvormittag und zur Silagezeit - das ist eine gute Zahl", sagte der Landesvorsitzende des Bundes Deutscher Milchbauern (BDM) Karl Eugen Kühnle in Richtung der SPD-Bundestagsabgeordneten Hilde Mattheis. Sie hatte im "Adler" in Erbach-Dellmensingen einen Termin mit ihrer Fraktionskollegin Ute Vogt organisiert und gezweifelt, ob diese Kulisse einer stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden gerecht wird. Kühnles Argumente überzeugten: "Ich nehme alles zurück", sagte Mattheis. Ute Vogt ist in der Fraktionsführung unter anderem für Ernährung und Landwirtschaft zuständig.

Das Gespräch verlief in sachlicher Freundlichkeit. Dennoch bekamen die Politikerinnen stellvertretend für die gesamte Agrarpolitik einige Breitseiten ab. Vogts Anmerkung zum Beispiel, dass die SPD auf die zum 1. April gefallene Milchquote nicht vorschnell reagieren, sondern erst die Folgen beobachten wolle, brachte einen BDM-Vertreter auf die Palme. "Das enttäuscht mich doch sehr", sagte der Landwirt. Seit 2006 sei bekannt, wann die Quote fällt: "Und ihr überlegt jetzt, was man tun könnte." Die Politik mache nicht den Markt, verteidigte sich Vogt. Aber sie beeinflusse die Bedingungen, konterte der Bauer, zum Beispiel, mit Auflagen, zuletzt mit Verschärfungen des Tierschutzgesetzes. Wer Investitionen nicht leisten kann, müsse aufgeben.

Botschaft des BDM: Es braucht keine neuen Hilfsprogramme, sondern faire Marktchancen, mit möglichst geringen Eingriffen des Staates. Gänzlich ohne kämen die Milchbauern aber nicht aus, denn zu mächtig seien Handel und Molkereien. "Nicht, weil es schlechte Menschen sind, sondern weil sie auch Kosten unterliegen", sagte Kühnle.

Wie ein Einstieg aussehen könnte, erläuterte der politische Referent beim BDM Bayern, Johannes Fritz. Eine "Marktbeobachtungsstelle" sammle die Faktoren, die den Milchpreis beeinflussen. Sie setze, wenn ein auskömmlicher Preis bekannt ist - Kühnle sprach von 50 Cent pro Liter anstatt der derzeitigen 30 Cent - den "Index" auf 100. Sinkt dieser um einige Punkte, werde eine Frühwarnung ausgegeben, worauf die Bauern die Produktion drosseln würden. Wer sich nicht daran hält, werde auf die zu viel produzierte Menge mit einem Malus belegt, die sich daran halten mit einem Bonus. "Damit können Landwirte immer als Unternehmer handeln", sagte Fritz.

Vogt gefiel das System grundsätzlich. Doch sie frage sich, ob sich alle Berufskollegen daran hielten - und nicht auf Kosten der anderen über mehr Menge Profit machten.