Freizeit Fahrrad putzen im Kloster

Am Ende der Fahrrad-Putzete segnete Kaplan Thomas de Beyer noch den versammelten Fuhrpark.
Am Ende der Fahrrad-Putzete segnete Kaplan Thomas de Beyer noch den versammelten Fuhrpark. © Foto: Manuela Rapp
Brandenburg / Von Manuela Rapp 30.07.2018

Thomas Enderle gibt grünes Licht. „Nichts Gravierendes“, bescheinigt der Eigentümer von „Tommys mobilem Radservice“ mit Blick auf die versammelten Fahrräder, „keine schwerwiegenden Mängel“. Dennoch rät er zwei der Zweiradfahrerinnen, mal bei ihm im Laden vorbeizuschauen. „Ich habe mein Werkzeug nicht mit dabei,“

Dass sie das auf jeden Fall tun werden, ist klar für Schwester Felicitas, deren Velo am Ende der Fahrrad-Putzaktion im Kloster Brandenburg zusammen mit den anderen nicht nur blitzblank um die Wette strahlt, sondern von Kaplan Thomas de Beyer auch noch gesegnet worden ist.

„Das war eine ganz spontane Idee“, sagt die Nonne. „Schwester Stephanie und ich sind begeisterte Radlerinnen.“ Der Haken daran: Sie stellten ihre Fahrräder eben so ab, wie sie sie benutzt haben. Saubermachen? Eher nicht. Da lässt sich ja Abhilfe schaffen: „Wir haben uns überlegt, dass sich’s miteinander netter putzt“, erklärt sie. So wurde die erste Rad-Putzete aus der Taufe gehoben. Das durchwachsene Wetter an diesem Vormittag spricht eher dafür, ein Dach zu suchen. Sieben Schwestern und zwei Interessierte aus dem Ort sind da, eine Garage bietet Mensch und Rad Schutz.

Nachdem das Gröbste weg ist, bleibt Zeit für einen Imbiss. „Für kleinere Fahrten ist ein Fahrrad eine gute Alternative zum Auto“, sinniert Schwester Felicitas. Ihr Stahlross mit 21 Gängen verortet sie in der Mittelklasse: „Man muss damit auch kleinere Berge hochkommen.“  Vorteile sieht sie jedenfalls genügend: „Ich komme von A nach B und das ziemlich schnell.“ Mit dem Rad ließen sich neue Wege und Ziele erkunden – und es sei besser als laufen. Klar, dass die Brandenburger Klosterfrau im Sommer jeden Tag in die Pedale tritt.

Rollator mit dabei

Die Kategorie „Zweirad“ fassen die Schwestern nicht so eng. Auch Johanna Guglers Gefährt, ein Rollator, wird gewienert und poliert. Nur die Bewohnerin des Seniorenheims und Emilie Kramer haben das Angebot zum Großreinemachen wahrgenommen. Dabei war gerade der Aspekt des Gemeinsamen ein Grund für Emilie Kramer, dabei zu sein, „aber auch der Segen“, fügt sie hinzu. Die Regglisweilerin hat kein Auto und ist auf ihr zweirädriges Fortbewegungsmittel angewiesen. Dies bei Wind und Wetter.

„Die Aktion ist eine witzige Idee“, sagt Thomas Enderle. Überhaupt finde er es immer nett, wenn die Schwestern mit Reparaturen in den Laden kämen. Deshalb sei er vor Ort und schaue mal nach den Rädern. Auch Fahrradputzen will gelernt sein. „Verwenden Sie keinen Hochdruckreiniger“, rät er. Da würden nicht nur die Lager rosten, sondern auch deren Fett würde dadurch weggespült. „Am besten einen Wasserschlauch nehmen oder einen Eimer Wasser und einen Lappen.“

Einmal im Jahr solle man sein Fahrrad durchchecken lassen von einem Fachmann, betont Enderle. Die Kette regelmäßig schmieren, den Reifendruck kontrollieren, die Verschraubungen testen, auf die Bremsen achten, ein Augenmerk auf die Beleuchtung haben – all das gibt der Experte mit auf den Weg. Jetzt, nachdem sich der versammelte Fuhrpark von seiner sauberen Seite zeigt, spendet Kaplan Thomas de Beyer den Segen und einen passenden Bändel.

Entmutigen lassen wollen sich die Veranstalterinnen nicht von der geringen Resonanz auf ihre Idee: Das Ganze brauche einfach eine gewisse Anlaufzeit.

Starker Anstieg

Anteil 2010 gab es in Deutschland rund 69 Millionen Fahrräder. Der Trend geht aber verstärkt zum Elektro-Fahrrad. Deren Zahl hat sich von 2012 und 2016 in Deutschland von 1,3 Millionen auf 2,8 Millionen mehr als verdoppelt. Ihr Anteil ist damit auf 13 Prozent gestiegen.

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