Bürgerrufauto Fahren und gefahren werden

Holger Korda hilft dem alten Herrn beim Einsteigen ins Bürgerrufauto. Der seit März in Dornstadt angebotene Fahrdienst wird rege genutzt.
Holger Korda hilft dem alten Herrn beim Einsteigen ins Bürgerrufauto. Der seit März in Dornstadt angebotene Fahrdienst wird rege genutzt. © Foto: Lars Schwerdtfeger
Dornstadt / Von Thomas Steibadler 10.11.2018

Dieser Bürgerbus ist eine segensreiche Einrichtung.“ Der alte Herr, Pfarrer im Ruhestand, hat es zwar nicht weit zu seinem Hausarzt. Aber das Gehen fällt ihm so schwer, dass er für den knappen Kilometer regelmäßig das Bürgerrufauto bestellt. Ein Anruf im Dornstadter Rathaus genügt, und Holger Korda steht zur vereinbarten Zeit mit dem VW Caddy vor der Haustür.

Korda ist einer von 18 ehrenamtlichen Fahrern, die das Bürgerrufauto durch Dornstadt und die Teilorte steuern. Den Fahrdienst für Bürger, die selbst nur eingeschränkt mobil sind, hat die Gemeinde im März eingerichtet. Seither hat das Fahrerteam, dem zwei Frauen angehören, mehr als 6000 Kilometer zurückgelegt.

Vor allem Frauen nutzen den Service, berichtete Karl Matos, der wie Korda dem Arbeitskreis Bürgerrufauto angehört, am Donnerstag im Verwaltungsausschuss des Gemeinderats. Meistens sind Arzt- oder Therapiepraxen die Ziele, auch für Einkaufsfahrten wird das Bürgerrufauto genutzt. Großer Beliebtheit erfreuen sich auch Fahrten zu den Mittagstisch-Angeboten im Familien- und Generationenzentrum und in Tomerdingen. Vergleichsweise selten steuert das Bürgerrufauto Ziele in Temmenhausen und in Scharenstetten an. Das liegt Matos zufolge daran, dass dort keine Ärzte niedergelassen sind.

Trotzdem stellte Herbert Jarosch, Gemeinderat der Freien Wähler und einer der ehrenamtlichen Fahrer, fest: „Wir verbinden alle Ortsteile mit dem Projekt.“ Das Bürgerrufauto sei daher mehr als ein Mobilitätsangebot. Dieses wird laut Uwe Maier, der die Fahrten koordiniert, immer stärker angenommen. Das Fahrerteam hofft auf Verstärkung, damit jeder Einzelne nicht allzu häufig an der Reihe ist. „Die Belastung sollte sich in Grenzen halten“, meint Jarosch. Wünschenswert sei es daher, wenn sich weitere Freiwillige für den Fahrdienst melden.

Holger Korda fährt drei bis fünf Mal im Monat. Zudem kümmert er sich als technischer Beauftragter darum, dass immer genug Erdgas im Tank und der Wischwasserbehälter gefüllt ist. „Ich hab’ ja Zeit“, sagt er. Außerdem mache ihm der Umgang mit Menschen Spaß. Aus diesem Grund hatte Korda, auch Ortsvorsitzender des Sozialverbands VdK, spontan zugesagt, als er von Hauptamtleiter Jörg Hunke auf das Projekt „Bürgerrufauto“ angesprochen wurde. „Sehr gerne. Was muss ich tun?“

Spenden in den Bulli

Den Gesundheits-Check mit Sehtest und Reaktionsprüfung, dem sich die Fahrer unterziehen müssen, hat die Gemeinde bezahlt. Ebenso das kürzlich bei der Verkehrswacht in Ehingen absolvierte Fahrsicherheitstraining. „Ich fand’s super“, sagt Holger Korda.

Für die Fahrgäste ist der Hol- und Bringdienst kostenlos. Doch viele zücken den Geldbeutel trotzdem. Die Spendenkasse in Form eines Modells des legendaären VW Bulli ist vor dem Beifahrersitz auf dem Armaturenbrett befestigt. Auch der alte Herr, dem Korda beim Ein- und Aussteigen geholfen hat, steckt einen kleinen Schein hinein. So sind seit März schon fast 600 Euro zusammengekommen – deutlich mehr als die monatliche Leasingrate für den Caddy. Der mit einem 110-PS-Motor ausgestattete Siebensitzer ist nach den Worten von Karl Matos ohnehin recht sparsam und kommt mit 4,1 Kilo Erdgas pro 100 Kilometer aus. Das macht durchschnittliche Treibstoffkosten von drei Cent pro Kilometer. Nicht nur deshalb meint Bürgermeister Rainer Braig: „Das ist ein tolles Projekt.“

Aufenthaltsraum für die Fahrer

Bedingungen Das Bürgerrufauto kann nur für Fahrten innerhalb des Gemeindegebiets Dornstadt in Anspruch genommen werden. Das Angebot richtet sich an Bürger mit eingeschränkter Mobilität. Fahrten, die über eine Krankenkasse oder andere Kostenträger abgerechnet werden, sind nicht möglich. Buchung im Rathaus unter Tel. (07348) 98 67 41 oder über die Homepage der Gemeinde.

Pausen Wenn das Bürgerrufauto nicht fährt, steht es in der Tiefgarage des Familien- und Generationenzentrums (FGZ) in der Ortsmitte. Im FGZ wird die Gemeinde einen Raum ehrenamtlichen Gruppen zur Verfügung stellen. Dort können nach den Worten von FGZ-Moderator Christian Renner die Fahrer ihre Pausen verbringen. Zudem mietet die Gemeinde eine kleine Wohnung im FGZ: als Aufenthaltsraum für die Mitarbeiterinnen des Kinderhauses.

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