Hospizgruppe Eventuelle Ängste abbauen

Premiere: Angelika Erath-Vogt (links) und Bettina Müller von der Hospizgruppe Iller-Weihung haben im Kloster Brandenburg ihren ersten „Letzte Hilfe“-Kurs geleitet.
Premiere: Angelika Erath-Vogt (links) und Bettina Müller von der Hospizgruppe Iller-Weihung haben im Kloster Brandenburg ihren ersten „Letzte Hilfe“-Kurs geleitet. © Foto: Manuela Rapp
Illerrieden / Manuela Rapp 17.04.2018

Ich war nicht allein, als meine Mutter damals starb“, erinnert sich Gertrud Reindl. Eine evangelische Seelsorgerin habe sie begleitet: „Sie vermittelte mir das Gefühl, dass Sterben zum Leben gehört“, sagt sie mit großer Dankbarkeit. Und genau das will die Erbacherin als nun selbst ehrenamtliche Sterbebegleiterin weitergeben.

„Wir hatten das Thema daheim immer ausgeklammert“, meint sie am Ende des von der Hospizgruppe Iller-Weihung initiierten Kurses „Letzte Hilfe“ im Kloster Brandenburg. Man könne nicht oft genug Impulse in Theorie und Praxis bekommen, vor allem von dieser Qualität, beschreibt sie ihre Motivation für die Teilnahme. Zdenka Gold, eigens aus Ottobeuren angereist, erklärt im Gespräch: Sie werde sich wieder neu mit dem Thema Tod beschäftigen. Nicht nur, was eine Patientenverfügung anbelange. Vieles sei ihr nicht bekannt gewesen. „Ich sollte das nicht aufschieben.“

Für die beiden Kursleiterinnen, Bettina Müller und Angelika Erath-Vogt, ist dieser Vormittag eine Premiere. Basiswissen über Sterben, Tod und Trauer steht im Mittelpunkt. Genauso aber möchten sie ermutigen, sich den Menschen am Lebensende und im Sterben zuzuwenden. „Oft spüren wir Überforderung und Unsicherheit in unserer täglichen Arbeit, wenn die aktuelle Situation da ist“, sagt Bettina Müller, die Koordinatorin und Einsatzleiterin der Hospizgruppe Iller-Weihung. Spreche man innerhalb der Familie über den Tod und das Sterben, nehme das auch Ängste und Hilflosigkeit. Kommuniziert werden sollten auch die Bedürfnisse in der letzten Lebensetappe, rät sie, damit darauf eingegangen werden könne. „Das gibt etwas Sicherheit und ist hilfreich, dass die Wünsche klar sind.“

Angelika Erath-Vogt, ehrenamtliche Hospizbegleiterin, erzählt aus der Praxis: Werde das Thema ausgeklammert, nehmen man sich auch etwas. Es sei schade, „wenn man meint, alles auf den letzten Drücker erledigen zu können.“ Beide Kursleiterinnen betonen: „Man kann viel tun in dieser letzten Phase.“ Dinge regeln, planen, klären, Bedürfnisse darstellen – all dies gehöre dazu. Die Hospizbegleiterinnen würden sich wünschen, „früher Entlastung zu bringen, nicht erst, wenn alle überfordert sind.“

Hinweis auf regionale Netzwerke

Das vierstündige Seminar soll helfen, „Ängste, die vielleicht da sind, abzubauen“, wie Angelika Erath-Vogt hofft. Vier Module sollen dem Rechnung tragen: Behandelt werden dabei unter anderem Fragen wie „Wann beginnt Sterben?“ Oder: „Wie gehen wir mit unserer eigenen Trauer um?“ Angesprochen werden jedoch ebenso ganz essentielle praktische Dinge wie „Essen und Trinken am Lebensende“, und, ganz wichtig, auch gute Mundpflege wollen Müller und Erath-Vogt zeigen. Vorgestellt werden zudem die regionalen Netzwerkpartner.

Ziel der Referentinnen ist es, zum Dialog anzuregen: „Die Leute sollen bei diesem Thema nicht zumachen“, sagt Bettina Müller. Der Kurs sei ein Schritt, um einen Prozess in Gang zu bringen. Die Inhalte könnten angesichts der kurzen Zeit freilich nur angerissen werden. Wichtig für die Vertreterinnen der Hospizgruppe Iller-Weihung: „Wir möchten Ansprechpartner sein, denn das gehört zur Hospizarbeit.“ Nicht unerwähnt lassen sie, dass auf ihrer Wunschliste auch immer neue ehrenamtliche Mitarbeiter stünden.

Am Ende des Seminars gibt es nur positive Stimmen. Eine der 27 Teilnehmer ist Nicola Hinterkircher, deren Vater erst im Januar an Krebs gestorben ist. „Ich habe im Kurs alle Antworten gefunden“, resümiert die Vöhringerin. Unter anderem habe sie sich die Frage gestellt, ob sie ihn gut in den Tod begleitet habe. „Ich bin erleichtert“, sagt sie. Gertrud Reindl würde sich wünschen, dass der Hospizgedanke noch mehr ins Interesse der Bevölkerung käme. Und ihre Freundin Anne Braun, die sich ebenfalls in der Hospizgruppe Donau-Schmiechtal engagiert, findet: „Es ist auch eine große Bereicherung, wenn man jemanden begleitet auf seinem letzten Lebensweg.“

Schließlich freuen sich Müller und Erath-Vogt noch über eine gute Nachricht: Eine Kursbesucherin hat sich als ehrenamtliche Hospizbegleiterin angemeldet.

Ausgebildete Hospizbegleiter

Ehrenamt Die Hospizgruppe Iller-Weihung hat 26 ehrenamtlich tätige und ausgebildete Hospizbegleiter, darunter drei Männer. Am 14. Juli und am 20. Oktober sind zwei weitere „Letzte Hilfe“-Kurse geplant.