Wenn es nicht so traurig wäre, könnte es schon fast lustig sein, wie Heidrun Eckhardt auf ihrem Balkon in Er­stetten steht und Empfang für ihr Handy sucht. Denn unterwegs telefonieren, SMS empfangen oder E-Mails lesen, das ist in dem Blaubeurer Teilort ein schwieriges, bisweilen ein unmögliches Unterfangen.

„Die Sendemasten sind einfach schlecht verteilt“, sagt Hermann Zeller, Ortsvorsteher von Pappelau, zu dem Erstetten gehört. Theoretisch sollte ein Teil des Dorfes mit Hilfe eines Funkturms in Ringingen abgedeckt werden, der andere aus Richtung Markbronn. Der Empfang reicht aber nur bis an den Ortsrand. „Wenn man in Richtung Pappelau fährt, wird der Empfang deutlich besser“, sagt Heidrun Eckhardt. Aber in der Ortsmitte ist das Handynetz so schlecht, dass man nur an ausgewählten Orten, wie eben auf dem Balkon der Familie Eckhardt, SMS empfangen und sporadisch telefonieren kann.

„Natürlich haben wir Beschwerden, aber die hört sich ja keiner an“, sagt Hermann Zeller. Der Ort sei einfach zu klein, als dass sich jemand um die Verbesserung des Mobilfunknetzes dort kümmern würde. Erstetten hat 200 Einwohner, die meisten sind über sechzig Jahre alt, Familien mit Kindern eher die Ausnahme. Es gab zwar immer wieder Momente der Hoffnung auf eine Verbesserung, aber letztlich sind alle Versuche ins Leere gelaufen.

Zum Beispiel, als vor etwa zehn Jahren ein neues Baugebiet in Erstetten erschlossen wurde – eigentlich eine gute Gelegenheit, den Ort besser ans Handynetz anzubinden. Dem war aber nicht so. Heidrun Eckhardt erklärt sich das damit, dass die Bauplätze fast ausschließlich an Erstetter vergeben wurden. Hoffnung keimte auch auf, als in Ringingen etwa zur selben Zeit besagter Funkturm errichtet wurde. Kurz habe es dadurch eine merkliche Verbesserung gegeben, sagt Heidrun Eckhardt – bis immer mehr Leute das Mobilfunknetz der neuen Station nutzten. Auf einmal sei das Netz überlastet gewesen und der Empfang beinahe so schlecht wie vorher.

Auf Nachfrage beim Mobilfunkanbieter Vodafone, der den Funkturm aufgestellt hat, hieß es übrigens: Die Kunden in Erstetten könnten „mit ihrem Handy in guter Qualität“, das heißt im LTE-Netz, telefonieren. Lediglich Anfang Februar sei ein Problem bei der Stromversorgung der Mobilfunkstation in Ringingen aufgetreten, wodurch es in Erstetten zu Teil- und Komplettausfällen beim Empfang gekommen sei. Das Problem sei jedoch behoben worden, die Kunden in Erstetten könnten nun „wieder ganz normal mit ihrem Handy telefonieren und mobile Datendienste nutzen“. Die Erstetter selbst dürften von den Ausfällen, wie auch von deren Beseitigung, wenig bis gar nichts gemerkt haben.

Kein Handynetz bedeutet auch: kein mobiles Internet. Das ärgert natürlich vor allem die jüngere Generation, zum Beispiel die drei Kinder von Heidrun Eckhardt, alle im Teenager-Alter. „Die finden das natürlich nicht so super.“ Sie selbst sieht darin aber auch einen Vorteil: So hängen die Kinder wenigstens nicht die ganze Zeit am Handy.

Das gilt allerdings nur bedingt: Denn das Wlan bei der Familie Eckhardt zu Hause – das immerhin funktioniert gut. Das drahtlose Internet ist einer der wenigen Lichtblicke im Erstetter Funkloch. Seit zwei Jahren hat der Ort einen DSL-Anschluss, mit dem 16 Megabit pro Minute übertragen werden können. „Damit kann man schon was machen“, sagt Heidrun Eckhardt. Die Gemeinde habe dazu die Rohre verlegt, die Telekom den Anschluss, erklärt Ortsvorsteher Zeller.

Was aber das mobile Netz angeht, sei in naher Zukunft keine Erweiterung – und damit keine Verbesserung – absehbar, sagt Zeller. Das Funkloch treffe einfach zu wenig Menschen.

Scheuer eröffnet Jagd auf Funklöcher


Politik Nun soll es den Funklöchern an den Kragen gehen, zumindest wenn es nach der Vorstellung von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) geht. Der Zustand des deutschen Mobilfunknetzes sei „für eine Wirtschaftsnation untragbar“, kritisierte er. Er will nun Jagd auf Funk­löcher machen – mit Hilfe der Bürger. Sie sollen in einer App Funklöcher melden, wenn sie in eines geraten.

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