Literatur Erster Krimi nach knapp 50 Jahren

Die Kirchberger Autorin Elisabeth Hannak hat ihren ersten Roman geschrieben.
Die Kirchberger Autorin Elisabeth Hannak hat ihren ersten Roman geschrieben. © Foto: Matthias Sauter
Kirchberg / Matthias Sauter 13.09.2018
Seit knapp 50 Jahren schreibt die Kirchbergerin Elisabeth Hannak Kurzgeschichten und Gedichte.

Der Schreibtisch von Elisabeth Hannak ist gut gefüllt. Notizhefte, lose Zettel und diverse Bücher liegen in dem Kellerraum der 62-Jährigen. „Ich brauche immer viel Material um mich herum“, sagt Hannak und lacht. Auch Aufzeichnungen für ihr neuestes Projekt sind auf dem Tisch zu finden: Die Autorin schreibt derzeit einen Liebesbrief an ihr rotes Faltrad „Fred“, das sie sich vor einigen Monaten zugelegt hat. „In diesem Werk verarbeite ich unter anderem eine Jugendliebe“, erzählt Hannak.

Die Leidenschaft zum Schreiben entdeckte die Kirchbergerin, die in Ötigheim bei Rastatt geboren wurde, schon in ihrer Schulzeit. Während sich zahlreiche Klassenkameraden nur schwer für das Fach Deutsch begeistern konnten, hatte Hannak stets Spaß am Verfassen von Aufsätzen. Mit 13 Jahren schrieb sie ihr erstes Tagebuch. „Darin habe ich alles festgehalten, was mich bewegt oder bedrückt hat“, erinnert sich Hannak. Kindergeschichten über Tiere oder Fantasie-Helden dachte sie sich während ihres Sozialpäda­gogik-Studiums aus. Beim Schreiben ließ sie sich von Unterhaltungen mit ihren Nichten inspirieren. Zu einer Veröffentlichung kam es allerdings nicht. „Ich habe dafür die fertigen Geschichten meinen Kommilitonen bei einem Glas Rotwein vorgelesen“, blickt Hannak zurück.

„Hahn und Henne“

Nach einer mehrjährigen Schreibpause belegte die dreifache Mutter im Jahr 1989 den Kurs „Kreatives Schreiben“ an der Frauen-Akademie in Ulm. Eine Art Initialzündung für zukünftige Projekte. Hannak spezialisierte sich fortan auf Kurzgeschichten und Gedichte, beim Verfassen wandte sie die erlernten Methoden aus dem Kurs an. „Meistens hab ich vormittags geschrieben, als meine Kinder im Kindergarten und in der Schule waren.“ Vor zwei Jahren vertiefte die 62-Jährige ihre Schreib-Tätigkeit und schloss sich dem Verein Ulmer Autoren an. Zu ihren größten Projekten gehört der Krimi „Hahn und Henne“: Ausgangspunkt war eine kuriose Partnerschaftsanzeige, die Hannak im April 2017 las. „Der ausgefallene Text dieser Annonce hat mich nicht mehr losgelassen und meine Kreativität geweckt“, berichtet Hannak. Konkret geht es in ihrem ersten Krimi um ein Treffen einer dicken, einsamen Frau mit einem traurigen Mann auf dem verfallenen Bauernhof der Frau. Der Mann erhofft sich einen kühnen Flirt, der jedoch ein jähes Ende findet. Viele Ideen entwickelte die Autorin nachts, außerdem ließ sie sich von ihrer Umgebung inspirieren. „Ich habe mir etwa den Hühnerstall von Nachbarn näher angeschaut und die Wohnumgebung meiner Tochter in Karlsruhe in die Geschichte einfließen lassen“, sagt Hannak. Mehrmals überarbeitete sie einzelne Textpassagen, die sie zuvor Familienmitgliedern zum Probelesen vorlegte.

In Charaktere hineinversetzen

Einen Teil ihres Krimis präsentierte sie bereits bei einer Vorlesung der Öffentlichkeit. „Die Resonanz war durchwegs positiv“, freut sich Hannak. Bei einer Veranstaltung des Vereins Ulmer Autoren möchte sie im kommenden Jahr ihr vollständiges Werk in Kirchberg vorstellen. Auch eine Veröffentlichung in Buchform sei denkbar. Allerdings steht für sie ein kommerzieller Erfolg nicht an erster Stelle: „Ich schreibe gerne für mich, weil ich dabei in eine andere Welt eintauchen und mich in verschiedene Charaktere hineinversetzen kann.“ Ob weitere Krimis folgen, lässt die Autorin daher offen. Fest steht aber, dass ihr Schreib-Hunger noch lange nicht gestillt ist. Die Vorbereitungen für ihren ersten Roman laufen bereits. „Ich sammle gerade Stichpunkte, einige schräge Typen stehen schon fest“, blickt Hannak voraus.

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Verein Ulmer Autoren im Haus der Begegnung

Forum Der Verein Ulmer Autoren möchte allen Schreibenden im Raum Ulm und Neu-Ulm ein Forum bieten. Die aktiven Mitglieder treffen sich an jedem ersten Freitag des Monats um 18.30 Uhr im Haus der Begegnung in Ulm. Bei diesen Werkstattgesprächen werden eigene Texte vorgestellt und kritisch diskutiert. Überdies organisiert der Verein Lesungen, Workshops, Seminare und Schreibtreffen. Am 14.09. sind die Ulmer Autoren ab 17 Uhr bei der „Nacht der Bücher“ in den Räumlichkeiten der Lebenshilfe Donau-Iller in Senden (Gotenstraße 1) mit Lesungen vertreten.

Info Mehr Informationen zum Verein und Kontaktmöglichkeiten gibt es auf der Homepage www.ulmer-autoren.de. Außerdem ist unter der Nummer (0731) 161 47 47 ein Literaturtelefon eingerichtet.

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