Region Erste Prüfung in der Region für den andernorts üblichen Hundeführerschein

Auch mit der Reizüberflutung im Kaufhaus sind die Hunde gut klargekommen, die zusammen mit ihren Besitzern zu einer Prüfung in Sachen " Hundeführerschein" angetreten waren. Foto: Amrei Gross
Auch mit der Reizüberflutung im Kaufhaus sind die Hunde gut klargekommen, die zusammen mit ihren Besitzern zu einer Prüfung in Sachen " Hundeführerschein" angetreten waren. Foto: Amrei Gross
Region / AMREI GROSS 29.10.2012
Ein Hundeführerschein soll bestätigen, das der Mensch seinen Hund im Alltag sicher unter Kontrolle hat. Am Samstag fand die erste Prüfung dieser Art in der Region statt. Alle sechs Starter waren erfolgreich.

"Der Hundeführer soll seinen Hund vor der Umwelt schützen und die Umwelt vor seinem Hund." So kurz und knapp fasst Prüfer Jörg Winter die Anforderungen für den Hundeführerschein zusammen. Seit fünf Jahren nimmt der Karlsruher Hundetrainer die anspruchsvolle Prüfung im Namen des Berufsverbands der Hundeerzieher und Verhaltensberater (BHV) ab. Über 70 Mensch-Hund-Teams hat er seither auf die Probe gestellt.

Am Samstag war Winter in der Region unterwegs: Zum Abschluss ihres Erziehungskurses veranstaltete Susanne Oehler als Inhaberin der Temmenhausener Hundeschule "Obedience-Pfoten" eine Prüfung für den BHV-Hundeführerschein. Sechs Teams stellten sich der Herausforderung - darunter Oehler selbst mit ihrer dreijährigen Australian Shepherd-Hündin Pätkis. Auf die Starter wartete ein wahrer Prüfungsmarathon, dessen vier Abschnitte sich über den ganzen Tag zogen.

Los ging es mit einer umfangreichen schriftlichen Prüfung für alle Frauchen und Herrchen. Überprüft wurde das theoretische Wissen der Hundeführer unter anderem in den Bereichen Hund und Recht, Verhalten des Hundes, der Hundehalter in der Öffentlichkeit, Haltung, Pflege, Gesundheit und Ernährung, Lernverhalten des Hundes, Mensch-Hund-Beziehung sowie Hilfsmittel in der Hundeerziehung. Anschließend waren Mensch und Hund in der Praxis gefragt. Die allgemeine Ablenkung und der Schwierigkeitsgrad der Aufgaben steigerten sich von Abschnitt zu Abschnitt: vom menschenleeren Westerstetter Sportgelände über Begegnungen mit Joggern, Radfahrern und Spaziergängern am Waldrand bis hin zu einem Besuch in der samstäglich-belebten Fußgängerzone in Ulm.

Drei Elemente zogen sich dabei wie ein roter Faden durch den Tag: Sitz, Platz und Steh. Diese drei Kommandos mussten in jedem der Abschnitte mit beziehungsweise ohne Leine vorgeführt werden. Dazu kamen in Teil A die Kontrolle von Ohren, Pfoten, Zähnen und Rute, das Abrufen des Hundes im Freilauf sowie das Ablesen des Mikrochips, der das Tier eindeutig identifiziert - und das Verweigern verlockender Rinderpansen-Stücke und Schweineohren, die Prüfer Jörg Winter auf dem Weg der Prüflinge "verlor". Keine leichte Aufgabe.

Noch anspruchsvoller wurde es in Abschnitt B: Am Waldrand trafen die Führerscheinanwärter auf Jogger und Radfahrer, auf Spaziergänger an Krücken, mit Regenponcho und mit Fasnetsperücke, auf fremde freilaufende Hunde und spielende Kinder. "Der Hund muss in jeder Situation vom Hundeführer kontrollierbar sein", betonte Winter. Er provozierte Begegnungen mit und ohne Leine, hatte die Prüflinge stets genau im Blick: "Hier ist Umsicht gefragt." Wer erfolgreich sein wolle, brauche keinesfalls den perfekten Hund, sondern vielmehr ein gutes Auge und die Fähigkeit, den vierbeinigen Begleiter "lesen" zu können: zu erkennen, was ihn stresst, was ihm Angst macht, was ihn interessiert - und entsprechend zu reagieren. Heißt: "Der Hundeführer muss seinen Hund so führen, dass der Hund vor dem Reiz und der Reiz vor dem Hund geschützt ist." Winter nennt das "Begegnungsmanagement".

In Westerstetten klappte es hervorragend. Unbeeindruckt begegneten die Hunde gestikulierenden Joggern, kreischenden Kindern und spielenden Artgenossen. Brav ließen sie sich von Radfahrern und Artgenossen abrufen. Problemlos verlief der Smalltalk zwischen zwei Hundeführern, die Hunde artig bei Fuß. Winter war zufrieden. Zum Abschluss nahm er die Prüflinge mit nach Ulm: Abschnitt C verlangte einen Transport in öffentlichen Verkehrsmitteln, Oehler und ihre Schützlinge fuhren unter den wachsamen Blicken Winters Bahn. Sie durchquerten die Fußgängerzone, statteten einem Laden einen Besuch ab, saßen im Café und fuhren Aufzug.

Die Gruppe fiel auf - positiv. Zahlreiche Passanten sprachen die Hundeführer an, immer wieder gab es Lob für die entspannten und wohlerzogenen Hunde. Am Ende lobte auch Winter: Alle hatten bestanden. Trotzdem gab es den einen oder anderen Tipp. Winter empfahl, den Hund stets auf der reizabgewandten Seite zu führen und "sich im Zweifelsfall lieber fünfmal zurücknehmen als einmal durchdrängeln." Oehler war zufrieden. "Zur Prüfung haben sich alle Teams noch einmal gesteigert." Im Frühjahr will sie erneut eine Prüfung zum Hundeführerschein ausrichten. Bis dahin hofft sie auf die Städte und Gemeinden in der Region. "Vielerorts gibt es bei bestandener Begleithundeprüfung eine Hundesteuerermäßigung", weiß Oehler. "Es wäre schön, wenn der Hundeführerschein auch entsprechend anerkannt würde."

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