Bildung Erste Medientage treffen ins Schwarze

Zu den Medienprojekttagen gab Polizeioberkommissar Marc Layer Tipps fürs Verhalten auf sozialen Netzwerken.
Zu den Medienprojekttagen gab Polizeioberkommissar Marc Layer Tipps fürs Verhalten auf sozialen Netzwerken. © Foto: Karin Mitschang
Langenau / Karin Mitschang 12.07.2018

Sidar fälscht ein Foto mit einem Tornado über der Schule, Nicole schreibt über das Drogengeschäft, das Bürgermeister Daniel Salemi eröffnen lässt, und Lukas berichtet über den Wiedereinstieg der deutschen Nationalelf bei der WM, nachdem Mexiko wegen Dopings rausgefliegt: Achtklässler haben am Dienstag an der Langenauer Gemeinschaftsschule (GMS) Fake News selbst erstellt. „Sie lernen, die Stilelemente, Strategien und Ziele falscher Nachrichten und können diese besser erkennen“, sagt Lehrerin Sherife Kashtanjeva. Sie hat die ersten Medienprojekttage organisiert, die Schülern der Klassen fünf bis acht an zwei Tagen Rüstzeug für sicheren Umgang mit sozialen Netzwerken und Infos für Datenschutz an die Hand gaben. Die Achtklässler begegnen andauernd Fake News, so berichtete ein Schüler, er sei schon der Nachricht auf den Leim gegangen, Christiano Ronaldo wechsle zu Juventus Turin.

„Ich kann euch das nicht verbieten“, sagte Oberkommissar Marc Layer den Sechstklässlern zum so genannten Sexting, also Chatten über Sex, und löste mit dem Thema Gekicher aus. Die Sprache verschlug es den Schülern, als sie hörten, dass eine Fünftklässlerin in Ulm ein Masturbationsvideo für ihren Freund aufgenommen hatte und jemand dieses zusammen mit ihrer Handynummer veröffentlichte. „Sie hat Kinderpornografie hergestellt“, machte der Polizist den Schülern klar, was für ein ernsthaftes Vergehen schon die Aufnahme dargestellt hat.

Erster Schritt getan

„Wenn Externe den Schülern sowas erzählen, wirkt das besser“, sagte Schulleiter Volker Andritschke. Jede Schule müsse handeln, da die Gefahren im Netz real und akut sind. Deshalb habe seine Schule das Projekt ins Leben gerufen und mit Partnern wie Landesmedienzentrum, Polizei sowie sieben Azubis der Firma Scanplus aus Ulm einen ersten Schritt getan. Denn Onlinesucht, Cyber-Mobbing, Vereinsamung und schlechte Noten durch Spielsucht seien echte Probleme.

Das bestätigte sich auch in Klasse 5b, wo die Kinder von Kettenbriefen mit Morddrohungen berichteten, die sie ständig erhalten. Die Klasse beriet mit zwei Lehrerinnen über Beschimpfungen und Rauswürfe aus der Klassen-Whatsapp-Gruppe und erarbeitete sich selbst neue Regeln, die alle einhalten sollten. Auch die Eltern wurden über die Medienprojekttage informiert, und waren zum Abschluss am Dienstag zu einem Theaterstück namens „Netzflimmern – Medien richtig nutzen“ eingeladen. Das sollte aufzeigen, wie der Nachwuchs selbstbestimmt, verantwortungsbewusst, kritisch und kreativ Medien nutzen kann. Die Medienprojekttage sollen an der GMS nun in jedem Jahr stattfinden, kündigte der Schulleiter an. Bei den Kindern und Jugendlichen traf die Veranstaltung spürbar einen Nerv. Sie wissen nun besser über Rechtliches Bescheid, haben auch konkret ihre Einstellungen in Facebook, Instagram, Snapchat und Twitter optimiert.

Weiter Probleme mit Spielsucht

Klage Als ein weiter bestehendes Problem „nicht nur an der GMS, sondern gesamtgesellschaftlich“, nannte der Schulleiter am Rande der Medientage die Spielsucht bei Jungen. Andritschke hatte für mehr Schulsozialarbeiterstunden geworben (wir berichteten). Da habe sich bisher nichts getan, sagte er auf Anfrage.  kam

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