Ehrenamt Erste Hilfe für die Seele: Notfallseelsorge dreht Imagefilm

Nach dem Einsatz der Rettungskräfte helfen die Notfallseelsorger: Für den Imagefilm haben die Helfer, unter anderem Notfallseelsorgerin Anna Hruschka, Ralf Hollerbach und Hansjörg Prinzing (von links), die Situation nach einem Fahrradunfall nachgestellt.
Nach dem Einsatz der Rettungskräfte helfen die Notfallseelsorger: Für den Imagefilm haben die Helfer, unter anderem Notfallseelsorgerin Anna Hruschka, Ralf Hollerbach und Hansjörg Prinzing (von links), die Situation nach einem Fahrradunfall nachgestellt. © Foto: Amrei Groß
Bermaringen / Amrei Groß 09.08.2017
Erste Hilfe für die Seele: Um das Angebot der Notfallseelsorge Ulm/Alb-Donau-Kreis bekannter zu machen, dreht die Gruppe einen Imagefilm.

Mit Blaulicht und Sirene rasen der Kommandowagen und ein Löschgruppenfahrzeug der Feuerwehr Ulm gefolgt von einem Streifenwagen der Polizei über die Bermaringer Straße zwischen Herrlingen und Weidach. Kurz nach dem Ortsschild nehmen die Fahrzeuge hintereinander Aufstellung. Hinter der Kamera nickt Florian Gauer zufrieden. „Das war super. Aber zur Sicherheit machen wir das gleich noch einmal.“

Während Anwohner das Schauspiel gespannt verfolgen, wenden die Fahrzeuge und entfernen sich in Richtung Sportanlagen, um Minuten später erneut mit Sirene anzufahren. Schnell wird allen klar: Das ist kein Ernstfall. Was tatsächlich geschieht, erläutert den Umstehenden vor Ort der Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit der Notfallseelsorge Ulm/Alb-Donau-Kreis, Holger Oellermann: „Wir drehen heute einen Imagefilm.“ Dieser soll Einsatzkräfte aller Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben für die Arbeit der Notfallseelsorge sensibilisieren – und sie animieren, eine psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) von Betroffenen wie Einsatzkräften frühzeitig im Einsatzverlauf in Erwägung zu ziehen.

„In Gesprächen mit Einsatzkräften haben wir immer wieder festgestellt, dass viele nicht wissen, was PSNV bedeutet und sich dementsprechend nicht sicher sind, wann wir zu einem Einsatz hinzugezogen werden sollten“, erklärt Notfallseelsorger Markus Sautter, der die Imagekampagne initiierte. Aus diesem Grund werde PSNV oftmals erst sehr spät oder gar nicht alarmiert. Der nun entstehende Imagefilm soll hier Abhilfe schaffen: Er zeigt in rund 40 Sekunden einen fiktiven Einsatz nach einem Verkehrsunfall mit einem Fahrradfahrer. In der Folge des Unfalls werden drei Einsatzkräfte der Notfallseelsorge aus ihrem Berufsalltag heraus alarmiert: Ein Pfarrer,  ein Fahrlehrer und eine Psychologin. Gemeinsam mit Kollegen aus den Reihen des Notfallnachsorgediensts des Deutschen Roten Kreuzes sprechen sie an der Unfallstelle mit Kräften von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst – und bleiben nach deren Abrücken von der Unfallstelle mit einer betroffenen Person zurück. „Genau das ist unsere Stärke“, betont Oellermann. Während auf Beamte und Rettungskräfte der nächste Einsatz warte, hätten die Mitarbeiter der Notfallseelsorge Zeit.

Für den Ulmer Feuerwehrkommandanten Hansjörg Prinzing, der im Film den Einsatzleiter gibt, war seine Mitarbeit Ehrensache: „Es ist für uns als Einsatzkräfte ein Riesenglück, dass es die Notfallseelsorge gibt“, sagt er. In mehr als 30 Jahren als Führungskraft habe er oft Betroffene, Familienangehörige und Zeugen an Einsatzstellen erlebt, die mit ihren Erlebnissen und den Geschehnissen dort überfordert gewesen seien. Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst hätten in der „heißen Phase“ eines Einsatzes jedoch keine Zeit, sich um sie zu kümmern.

„Es gibt für einen Feuerwehrmann nichts Schlimmeres, als wenn man eine schwer oder tödlich verletzte Person aus einem Fahrzeug schneiden muss und ihre Familienangehörigen dies mit ansehen müssen.“ Seien in diesen Situationen Notfallseelsorger vor Ort, entlaste dies die Einsatzkräfte extrem. Und Prinzing gibt zu bedenken: „Auch Einsatzkräfte sind am Ende des Tages nur Menschen.“ Die Gewissheit, nach schweren und belastenden Einsätzen im Bedarfsfall einen vertraulichen Ansprechpartner zur Seite zu haben, sei Gold wert.

Zwei bis drei Einsätze pro Woche

Gründung Die Notfallseelsorge für Ulm und den Alb-Donau-Kreis wurde zum Jahresende 1998 auf Initiative des Ulmer Betriebsseelsorgers Werner Baur ins Leben gerufen. Sie besteht derzeit aus 27 Notfallseelsorgern und neun muslimischen Notfallbegleitern. Zwei bis drei Mal pro Woche werden sie zu Einsätzen im Stadtgebiet und im Landkreis alarmiert.

Ausbildung Sie alle haben eine intensive Schulung durchlaufen; die meisten Notfallseelsorger sind auch beruflich seelsorglich, beraterisch oder therapeutisch ausgebildet.