Naherholungsgebiet Ersinger wollen gehört werden

Parken, wie es einem gerade passt: Eines der Probleme an den Baggerseen, auf die Mitglieder des Ersinger Arbeitskreises – hier (von links) Sabine Dannenmaier, Manfred Schwarzenbach, Helmut Maiser und Martina Mann – aufmerksam machen.
Parken, wie es einem gerade passt: Eines der Probleme an den Baggerseen, auf die Mitglieder des Ersinger Arbeitskreises – hier (von links) Sabine Dannenmaier, Manfred Schwarzenbach, Helmut Maiser und Martina Mann – aufmerksam machen. © Foto: Franz Glogger
Ersingen / Von Franz Glogger 24.08.2018

Mit einer Stimme sprechen und so beim Ortschaftsrat und dem Erbacher Gemeinderat Gehör finden. Dieses Ziel hat Michaela Winkler vom Ersinger „Arbeitskreis Baggersee“ bei dessen Treffen am Mittwochabend formuliert. Etwa 30 Bürger waren ins Vereinsheim der Sportgemeinschaft gekommen, um darüber zu beraten, wie den Missständen im Naherholungsgebiet (wir berichteten) begegnet werden kann.

Außer dem Arbeitskreis waren der Ortschaftsrat sowie die Fischereivereine Ersingen und Dellmensingen vertreten. Die Vereine besitzen das Fischereirecht am südlichen der Baggerseen. Gekommen waren auch „treue Badegäste“. Die Sportgemeinschaft hatte sich entschuldigt, Vertreter der DLRG fehlten.

Michaela Winklers Vorschlag, sich nicht in einem Wust aus Forderungen zu verlieren, sondern die wichtigsten Anliegen in einer „beschlussfähigen Vorlage“ zu formulieren, fand breite Zustimmung. Als größtes Übel im Nah­erholungsgebiet wurde der Verkehr benannt: zu schnelles Fahren, Fahren auf gesperrten Wegen und querfeldein, Parken, „wo es jedem grad passt“, wie es eine Bürgerin formulierte.

Lösungsvorschlag des Arbeitskreises: Die einzige Zufahrt zu den Seen erfolgt von der Dellmensinger Straße her. Geparkt werden darf nur auf dem Festplatz und südlich des Sportheims auf der Ostseite der Zufahrt. Alle anderen Wege zu und zwischen den Seen bleiben ausschließlich Anliegern und dem landwirtschaftlichen Verkehr vorbehalten. Damit, so das Argument, wäre die Rechtslage eindeutig, wer sich nicht daran halte, müsse mit einem Strafzettel rechnen. Zudem werden in dem Antrag an die Kommunalpolitik „effektive Kontrollen“ gefordert.

Ein dritter Punkt, der mit dem Verkehrs nichts zu tun hat, ist die Beseitigung der Erdwälle an den südlichen Baggerseen. Diese müssten entsprechend dem Renaturierungskonzept nach dem Ende des Kiesabbaus längst verschwunden sein, waren sich die Teilnehmer einig. Wer diese Vorgabe umsetzen muss, wusste niemand zu beantworten: Der frühere Betreiber des Kiesabbaus oder die Stadt, die vor mehr als zehn Jahren die Seen erworben hat?

Einstimmig wurde beschlossen, die Positionen des Arbeitskreises dem Ortschaftsrat vorzulegen. Ortschafts- und Stadtrat Erwin Schenk (Grüne) erklärte sich bereit, die Forderungen als offiziellen Antrag einzubringen. Damit habe das Gremium keine andere Wahl, als sich mit den Anliegen zu beschäftigen, sagte Schenk. Zusätzliches Gewicht will die Initiative mit 200 Unterstützer-Unterschriften in die Waagschale werfen, wie Michaela Winkler sagte.

Gelegentlich kochten im Sportheim die Emotionen hoch, so dass der Kern der Initiative die angestrebte Einigkeit in Gefahr sah. Wenn diese nicht gewahrt bleibe, brauche sich „nie wieder jemand“ über die unhaltbaren Zustände im Freizeitgebiet beschweren, mahnte Michaela Winkler. Dennoch wurden wiederholt Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung erhoben, im Rathaus interessiere sich niemand für Ersingen. Ebenso wurde kritisiert, die Kommune hätte den jüngst erfolgten Verkauf des Badesees von privat an privat verhindern müssen.

Kiesbbau und Baderecht

Chronik Ein Ulmer Unternehmen begann 1962 in Ersingen mit dem Kies­abbau. Zunächst entstanden der heutige Badesee und drei davon getrennte kleinere Seen. Einen davon, den „Kindersee“, hat 1977 die Gemeinde erworben. Wie es weiter in der Ersinger Ortschronik heißt, hatte sich die Gemeinde mit der ersten Abbauge­nehmigung das Baderecht gesichert. Ferner sollte der große südliche See allein den Fischern vorbehalten sein.

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