Alb-Donau-Kreis Erneuerung der Kreis-SPD ohne Hilde Mattheis

Die Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis hat mit ihrem Verhalten ihre Parteifreunde vor den Kopf gestoßen.
Die Bundestagsabgeordnete Hilde Mattheis hat mit ihrem Verhalten ihre Parteifreunde vor den Kopf gestoßen. © Foto: dpa
Alb-Donau-Kreis / Matthias Stelzer 13.03.2018
Bei der SPD-Kreisversammlung agitierte Hilde Mattheis gegen den jungen Vorsitzenden. Zum Befremden der Partei.

Fassungslosigkeit hat sich breit gemacht in der SPD.  Die Sozialdemokraten im Alb-Donau-Kreis stellen seit Samstag den deutschlandweit jüngsten Kreisvorsitzenden. Gegen den lautstarken Widerstand der hiesigen SPD-Bundestagsabgeordneten und Parteilinken Hilde Mattheis. Sie agitierte am Wahlabend in Ehingen gegen Julius Bernickel, der auch Juso-Kreisvorsitzender ist.

Vielleicht ein Aussetzer

Zu jung, zu neoliberal sei der 18-jährige Ehinger, erklärte Mattheis und warnte vor seiner Wahl. Mehrfach. „Wir sind vor den Kopf gestoßen. Das war völlig befremdlich“, fasst Ulrich Möhrle, der zuständige Regionalgeschäftsführer, seinen Eindruck des Abends zusammen. Dass Mattheis, die Südwürttemberg auch als stellvertretende Vorsitzende im Landesvorstand vertritt, den einzigen Kandidaten „so schlecht machte“, kann er nicht verstehen. „Vielleicht war es ein Aussetzer“, sagt Möhrle, der Bernickel nach der Wahl (mit immerhin 88 Prozent Zustimmung) Mut zusprach. Möhrle: „Aber ich konnte mich nicht für Hilde entschuldigen, das muss sie schon selbst tun.“

„Mir ist das völlig unverständlich“, sagt auch der Ulmer Landtagsabgeordnete Martin Rivoir. „Wir reden alle von Erneuerung, dann so ungehalten gegen den Kandidaten zu agitieren, halte ich für ganz, ganz schwierig.“ Bei der Kreisversammlung war Rivoir Julius Bernickel deshalb spontan beigesprungen. Er ärgert sich über den Politikstil seiner Bundestagskollegin, der im November auch mit zum Parteiaustritt „von drei gestandenen Gemeinderäten“ in Blaustein beigetragen habe. Als eine der Vize-Vorsitzenden der Landespartei müsse Mattheis „den jungen Mann“ jedenfalls nach Kräften unterstützen.

Julius Bernickel wird auf die Hilfe seiner Bundestagsabgeordneten in Zukunft wohl eher nach Kräften verzichten wollen. Der Angriff der Parteifreundin kam für den 18-Jährigen völlig überraschend. „Wir stehen nicht in Kontakt“, sagt er ­– und: „Von dieser Aktion von Hilde lass’ ich mich aber nicht unterkriegen.“ Aus Sicht Bernickels widerspricht das Verhalten Mattheis’ in öffentlicher Sitzung allerdings der auch von ihr ständig postulierten Erneuerung der Partei. „Das zeigt doch eher, dass Hilde Mattheis den alten Politikstil pflegt, der unserer Partei in der Vergangenheit nicht geholfen hat.“

Kritik nicht über die Presse

Hilde Mattheis, deren Verhalten bei der Kreisversammlung inzwischen offenbar auch bei der Landesvorsitzenden Leni Breymaier angezeigt wurde, wollte ihre Rolle bei der Kreisversammlung am Montag nicht mehr kommentieren. Mattheis: „Kritik äußere ich immer da, wo die Leute sind, aber nicht über die Presse.“

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