Geborgen in einer klimatisierten Stahlkiste haben am Freitag Mitarbeiterinnen des Archäologischen Landesmuseums unersetzbare Schätze von Konstanz nach Niederstotzingen ins Lonetal gefahren. Zwei rund 40.000 Jahre alte Eiszeit-Kunstwerke, aus Mammut-Elfenbein geschnitzt: Das weltberühmte, winzige Mammut, das als ältestes vollständig erhaltenes figürliche Kunstwerk der Menschheit gilt, und der zierliche Torso eines Höhlenlöwen. 2006 waren sie bei Grabungen von Nicholas Conard in der Vogelherdhöhle gefunden worden.

Nun sind sie zurück im Lonetal, die höhlenähnliche Schatzkammer des rund um die Fundstelle errichteten Archäoparks ist ihr neues Zuhause. Trotz des Medienrummels herrscht eine andächtige Stille in dem schlichten Raum, in dem die zwei Eiszeitfiguren stimmungsvoll beleuchtet sind. "Das ist die Faszination des Originals", sagt der Niederstotzinger Bürgermeister Gerhard Kieninger. Mit der dauerhaften Rückkehr der Figuren und der Eröffnung des Archäoparks gehe für ihn "ein Traum in Erfüllung". Lächelnd unterschreibt er dem Archäologische Landesmuseum die Empfangsbestätigung für Mammut und Höhlenlöwe. Noch einige Minuten stehen diese ungeschützt auf Sockeln, dann senken sich Vitrinen aus dickem Glas um sie.

"Es ist entscheidend, die Eiszeit-Kunstwerke vor Ort zu erleben, wo die Menschen lebten, die sie geschaffen haben", sagt der frühere Heidenheimer Landrat Hermann Mader, Vorsitzender des Fördervereins Eiszeitkunst. Dieses Erlebnis könnten "Stuttgart und Tübingen nicht bieten", spielt er darauf an, dass die Funde meistens nicht vor Ort zu sehen waren.

Seit Jahrzehnten treibt die Stadt ein Archäopark um. Pläne wurden gemacht, verworfen. 2011 beschloss der Gemeinderat, das Projekt umzusetzen. Nun ist es fertig. Das runde Informations- und Erlebniszentrum, entworfen vom Münchner Architekturbüro Ritter Jockisch, schmiegt sich ins Gelände, von weitem ist es kaum zu erkennen. Erst wenn der Besucher vor dem Graswall steht, entdeckt er die - ähnlich einer Höhle - kleinen Eingänge. Im Innern aber öffnet sich durch die breite Glasfront ein weiter Blick auf das 70.000 Quadratmeter große Gelände, an dessen Ende sich auf dem Hügel die Vogelherdhöhle befindet - diese ist begehbar. Das Gelände ist so gestaltet, wie es aller Erkenntnis nach in der Eiszeit ausgesehen hat: als steppenähnliche Tundra mit kleinwüchsigen Birken und Weiden, bodendeckenden Pflanzen, Kräutern wie dem Silberwurz. Am Rundweg liegen fünf Erlebnisplätze zu Themen wie Jagd, Feuer und Kunst, an den Wochenenden werden sie von Park-Mitarbeitern "bespielt". Im Unterschied zu Museen darf alles angefasst und ausprobiert werden. Besucher können Feuer aus Pferdeknochen machen, mit Speeren auf Nashörner zielen, Zelte mit Tierhäuten beziehen, Felsen mit Holzstäbchen und Pigmenten bemalen, einen Mammutstoßzahn in die Hand nehmen, mit Werkzeug wie Steinkeilen Holz bearbeiten, eine Steinzeit-Trage ziehen, Instrumente wie das Schwirrholz benutzen. . . Susanna und Bernhard Lutzenberger haben die Szenarien im Freigelände entworfen, Archäologe Rudolf Walter aus Schelklingen hat die Plätze gestaltet, etwa Pferde- und Rinderhäute für die Jaranga genannten Zelte mit Naturdarm genäht. Überall sind Tierspuren und Kothaufen in der Erde - vom Mammut, Bär, Gänsegeier, Nashorn und vielen anderen. Man erfährt, wie ein Bär riecht, dank einer Geruchsstation mit Bärensekret aus Nordamerika. Spannende Informationen gibt es ergänzend per QR-Code an vielen Punkten.

Und dennoch sind Fragen offen: "War der Mensch Jäger oder Beute?", "Gab es Langeweile in der Steinzeit?", "Wie viel Hirn steckt in Hammer und Nagel?" - Fragen auf Holzbohlen, die den Weg durch den Archäopark begleiten - die Antworten stehen auf schwarzen Steinquadern. "Es geht darum, die Steinzeit zu erleben und nachzudenken", sagt Walter . "Das hier soll kein Museum mit Erziehungsanspruch sein". Noch soviel: Der gefährlichste Jäger der Eiszeit war der Mensch.