Moment mal Erinnerungen an das Plumpsklo

Eine Reminiszenz an das alte Plumpsklo gibt es noch in Öllingen zu sehen.
Eine Reminiszenz an das alte Plumpsklo gibt es noch in Öllingen zu sehen. © Foto: Kurt Fahrner
Öllingen / Kurt Fahrner 17.04.2018

Ja, die gute alte Zeit. Gefühlt gilt sie immer dann, wenn es um Bäume und andere Natur geht. Die gute, alte Zeit, als man einen Temporal-Nebensatz noch mit „da wo“ statt mit „als“ beginnen konnte, ohne rot zu werden. Wir wollen aber daran erinnern, dass es auch die nur alte Zeit gibt. Zum Beispiel im hygienischem Sinne. Kulturhistorisch sei hier, durchaus als Aspekt der modernen Geschichte, das Plumpsklo genannt. Das separat stehende Aborthäuschen, das in den Dörfern noch bis in die Nachkriegszeit fester Bestandteil fast jedes Wohngebäudes war. Die Villen vielleicht ausgenommen. In Öllingen jedenfalls steht heute noch eins – wohlgemerkt  unbenutzt, eher als Erinnerungsstück an das nicht immer gute alte Plumpsklo zu betrachten.

Deshalb jetzt bitte wegriechen: Das Häuschen war oft aus Holz gezimmert oder aus Backsteinen gemauert, stand abseits vom Wohnhaus über einer Fäkaliengrube oder über der fürs Vieh vorhandenen „Soich-Dol“ – selbiges übersetzen wir der Einfachheit halber mal gestochen scharf als Pinkel-Rinne. Es hatte eine von außen und innen verriegelbare Holztür, durch die meist ein in Herzchen-Form gesägter Einschnitt für das natürliche Licht sorgte, um das Sitzbrett mit dem großen Loch nicht zu verfehlen. Das einzig Blöde daran: Im Winter passierte es gern mal, dass Schneeflocken mit Licht und Frischluft reinfluteten. Es ist zu vermuten, dass daher auch die in die Neuzeit hineinwirkende, alte Redewendung „Ich will mir doch nicht den A... abfrieren“ stammt.

Alle Jahre wurde die Fäkaliengrube schweißtreibend per Hand mit dem „Schapfer“, äh, eben ausgeschöpft. Der Inhalt landete als Dung auf dem Acker. Dazu lagen begleitende Papierfetzen herum, gerne auch alte Zeitungen, die darauf warteten, eingepflügt zu werden, um in den natürlichen Kreislauf zurückzukehren. Was die an Modernität grenzende Frage aufwirft, ob diese Art der Entsorgung als Up- oder Downcycling zu betrachten ist. Aber das zu anderer Zeit.

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