Ernte Erdbeeren – hier verhagelt, da rot und rund

Auf ihrem Erdbeerfeld bei Heroldstatt hat Margret Gantenbein gestern schon viele Früchte gesammelt. Der Ansturm von eifrigen Pflückern war wohl auch deshalb groß, weil in Laichingen die Ernte durch Hagel vernichtet wurde.
Auf ihrem Erdbeerfeld bei Heroldstatt hat Margret Gantenbein gestern schon viele Früchte gesammelt. Der Ansturm von eifrigen Pflückern war wohl auch deshalb groß, weil in Laichingen die Ernte durch Hagel vernichtet wurde. © Foto: Thomas Spanhel
Laichingen / Thomas Spanhel 09.06.2018

Margret Gantenbein hat gestern zusammen mit vielen anderen schon eifrig in ihrem Erdbeerfeld nahe der Sontheimer Höhle bei Heroldstatt gepflückt. „Das war ein Ansturm“, erzählte sie um die Mittagszeit. Da war der vordere Bereich der Pflanzen-Reihen schon ganz ordentlich abgeerntet. Fünf bis zehn Kilogramm nahmen einzelne Kunden mit. Glücklicherweise hatte Margret Gantenbein vor der Saison keine Probleme mit dem Wetter, die rund 22 000 Pflanzen auf 8000 Quadratmetern hängen voll.

Ganz anders ist die Situation ein paar Kilometer weiter bei Helmut Wagner in Laichingen: „Das Unwetter vor gut zwei Wochen hat die ganze Erdbeer-Ernte verhagelt.“ Eigentlich eine verrückte Situation, sagt er rückblickend: „Es war, als ob das Unwetter nur auf der Gemarkung Laichingen runterging.“ Die dicken Hagelkörner machten auf seinem rund einen Hektar großen Erdbeer-Feld alles kaputt, knickten Stängel, rasierten Blätter und Blüten. So ein Totalschaden ist ihm in den rund 40 Jahren noch nicht passiert, in denen er seinen Erdbeer-Acker bestellt.  Zwar habe es in anderen Jahren schon mal Frost- und Hagelschäden gegeben. Mehr als 30 Prozent Schaden seien das aber nie gewesen. Deshalb habe er auch keine Hagel-Versicherung abgeschlossen.

Die hätte Margret Gantenbein – sie hat sich in den vergangenen Jahre allerdings schon gefragt, ob sie die überhaupt noch abschließen soll. Denn in den 13 Jahren, die sie nun ihr Erdbeerfeld bestellt, hatte sie lediglich einmal einen größeren Schaden, als wegen Frosts rund 20 Prozent der Ernte kaputt war.

Bei gutem Wetter geht die Saison jetzt rund drei Wochen, sagt Margret Gantenbein. Sie hat zwei Erdbeersorten gepflanzt: Korona, „die süßlich wie Walderdbeeren sind“, und Sonata, „deren Fruchtfleisch heller und sehr fest ist“. Sie mag die Früchte auch weil sie gesund sind, viel Vitamin C, B2, B3 sowie Ferula- und Ellagsäure besitzen. Letzteres sind Pflanzenstoffe, die angeblich krebsvorbeugende Wirkung haben.

Momentan sieht es so aus, als ob in den nächsten Tagen immer wieder genügend Erdbeeren aufgrund des guten Wetters nachwachsen würden. Im vergangenen Jahr war es so trocken, dass die Erdbeerplantage nach zwei Wochen wieder geschlossen werden musste.

Blütenmeer kaputt

Margret Gantenbein bedauert die Situation ihres Kollegen in Laichingen. Umso mehr, weil nun noch mehr Erdbeer-Liebhaber zu ihr kommen, obwohl sie eigentlich genügend Stammkunden hat: „Zwei Erdbeerfelder in der Region – das passt gut.“ Wagner geht der Totalschaden auf dem Feld nicht nur aus finanziellen Gründen nahe. Der 77-Jährige liebt Erdbeeren und freut sich, wenn er das gute Obst auch anderen anbieten kann. Noch vor ein paar Wochen hatte alles so vielversprechend ausgesehen: „Die Pflanzen waren so toll. Der Acker war ein weißes Blütenmeer.“ Viel Zeit hatte der Laichinger schon hineingesteckt, bis die Pflanzen soweit waren. Jedes Jahr pflanzt er Mitte Mai in zwölf Reihen auf rund 3000 Quadratmetern neu. Die Gewächse brauchen eine Weile, bis sie tragen. Im Herbst und Frühjahr musste er zwischen den Pflanzen von Hand jäten und hacken, damit das Unkraut nicht Überhand nimmt.

Einige Pflege nötig

Stroh wird ausgestreut, dass die Wege nicht zu nass sind und die Früchte nicht so schnell faulen, wenn sie auf die Erde hängen. Jetzt kann Wagner nur hoffen, dass innerhalb zweier Wochen noch ein paar frische Erdbeeren eventuell auch auf den neuen Pflanzen nachwachsen: „Viel wird das nicht mehr sein.“

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