Dietenheim / DIETER GRÄTER  Uhr
Dass Kühe nicht lila sind, Erbsen nicht aus der Dose kommen und Kartoffeln nicht auf Bäumen wachsen, erfuhren Kinder des Don-Bosco-Kindergartens beim Jahresprojekt "Landwirtschaft und Lebensmittel".

"Kinder wissen heutzutage meist nur sehr wenig über die Herkunft und Verarbeitung der Nahrungsmittel", erzählt Christine Kursawe, Leiterin des Dietenheimer Don-Bosco-Kindergartens. Dass Milch aus dem Tetra-Pack kommt, sei nur ein Beispiel, was die Kinder auf Grund mangelnder Erläuterung in der Familie und überbordender Werbung an Fehlinformationen erreiche, sagt Kursawe.

So habe das Team des Don-Bosco-Kindergartens in den vergangenen Monaten viele Fragen der Kinder zur Herkunft von Lebensmitteln mit dem Projekt "Landwirtschaft und Lebensmittel" aufgegriffen hat. Dabei hätten sich spielerisch Zusammenhänge eröffnet, "die leider sehr häufig im Alltag der Kinder verloren gehen." Ziel des Projektes sei es gewesen, den Kindern das vielfältige Leben auf einem Bauernhof mit all seinen Tieren, Pflanzen, und Geräten näher zu bringen und gleichzeitig spielerisch das Wissen über die Herkunft der Lebensmittel zu erklären.

"Dazu haben wir viele Exkursionen unternommen", berichtet die Leiterin und nennt als erstes Beispiel den Hühnerhof der Familie Franz Stoerk, wo die Mädchen und Buben neben Hühnern auch Hasen und Rinder beobachten konnten. Bei der Familie Franz Rembold waren es neben Kühen, Kälber und Bullen auch eine Vielzahl von landwirtschaftlichen Geräten, die in Augenschein genommen werden konnten. Nebeneffekt des turnusgemäßen Wandertages des Don-Bosco-Kindergartens war es schließlich noch, Ziegen auf einer Weide beobachten zu können.

Dass Kartoffeln aus dem Boden kommen, davon durften sich die Kinder auf dem Bauernhof der Familie Anton und Ingrid Gaßebner im Unteren Ried überzeugen. Sie waren baff erstaunt, dass die Knollenfrüchte über eine Sortiermaschine laufen, wie ein Kartoffelernter aussieht, welche Formen von Traktoren es gibt und dass sie eine Tüte Kartoffeln mit nach Hause nehmen durften.

Ein besonderes Erlebnis hatten die Kinder auf dem Bauernhof von Gundula und Franz Semler in der Brennerstraße, wo die ganze Familie als "Pferde verrückt" gilt und deren Tochter Anna derzeit ihr Anerkennungsjahr im Don-Bosco-Kindergarten absolviert. Sie hatte den Kontakt hergestellt. Auf dem Hof war bei der Geburt eines Fohlens die Pferdemutter verstorben. Versuche eine "Ersatz-Mama" zu finden schlugen fehl, bis sich auf dem eigenen Hof ein Pony als "Amme" fand und nun - obwohl das Fohlen inzwischen größer als das Pony ist - bei bester Gesundheit unter der Obhut des Ponys, heranwächst. "Regelmäßig, auch in der Nacht und leider nur aus dem ,Budel trinkt sie ihre Milch", erzählt Gundula Semler schmunzelnd und in bestem Schwäbisch.

In den Kindergarten selbst hatten sich die Erzieherinnen und die Kinder auch Tiere eingeladen. Ein Polizeihund war zu Gast, außerdem Hasen und Küken von Hühnern und Gänsen. Dass Naturräume vielfältige Funktionen übernehmen und sowohl zur Erzeugung von Lebensmitteln, als auch als Lebens- und Erholungsraum für Menschen und Tiere dienen, wurde den Kindern veranschaulicht. So wurde die Landwirtschaft zum spannenden Projektthema erklärt. Man begab sich auf eine interessante Entdeckungstour. So konnten mit Kresse Wachstumsexperimente durchgeführt werden. Im Wurzelhaus durften sie zuschauen, wie sich die Wurzeln der Bohnen entwickeln und im Garten wurde ein Gemüsebeet angepflanzt.

Eine Gemüsesuppe mit Zutaten aus dem eigenen Garten wurde zubereitet und schmeckte ebenso vorzüglich, wie selbst hergestellte Milchprodukte, wie Yoghurt und selbst gemachte Butter. Auch die Abläufe, wie beispielsweise den Weg vom Getreide zum Brot wurden den Kindern veranschaulicht. Sie besuchten dazu eine Mühle und erlebten das Ganze durch eigenes Dreschen, Mahlen, Backen und Verspeisen. Viele der Eindrücke wurden gesammelt, im Kindergarten vertieft und sprachlich, gestalterisch und spielerisch umgesetzt. "Um unser Projektziel zu erreichen, wurden Monate lang Materialien und Ideen zusammen getragen und Kontakte geknüpft", sagt Christine Kursawe mit dem Hinweis, dass dem Kindergarten vom Ministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, eine Spielekiste mit Hintergrundinformationen zur Verfügung gestellt wurde.

"ie Projektarbeit wird sich in verschiedene Themenbereiche untergliedern, wobei diese Bereiche in ihren Zusammenhängen fließend ineinander übergehen: Hühner und Eier, Aussaat, Wachstum, Ernte, Tiere vom Bauernhof, landwirtschaftliche Geräte und Maschinen, Nahrungsmittelerzeugung und gesunde Ernährung", erläutert Christine Kursawe. Mit einem Erntedankfest wird das Projekt abgeschlossen. Dazu studieren die Kinder gerade den aus Brasilien stammenden Tanz "Balaio" und einige Lieder ein.