Hochwasserschutz Erbach verstärkt seine Mauern

Der Erlenbach verläuft mitten durch die Stadt. 2016 trat er über die Ufer und setzte Teile Erbachs unter Wasser.
Der Erlenbach verläuft mitten durch die Stadt. 2016 trat er über die Ufer und setzte Teile Erbachs unter Wasser. © Foto: Franz Glogger
Erbach / Franz Glogger 18.07.2018

Wie kann Erbach am besten vor Hochwasser aus dem Erlenbach geschützt werden? Vor dieser Frage stand der Erbacher Gemeinderat seit Ende Mai 2016, als das ansonsten als Rinnsal in seinem Bett dahin plätschernde Flüsschen innerorts Häuser und Straßen flutete.

Drei Varianten wurden untersucht, berichtete Heinrich Lang vom Ulmer Büro Wassermüller dem Gemeinderat am Montag: Verbesserungen an den vorhandenen Schutzmauern innerorts (A) oder ein Rückhaltebecken außerorts (B) und eine Kombination von beiden (C).

Planer und Gemeinderat erteilten Variante B eine klare Absage. Bis zu fünf Meter hohe Dämme außerhalb der Stadt seien ein zu schwerer Eingriff in die Natur und der benötigte Grunderwerb von über 16 Hektar nur über Jahre zu bewerkstelligen, meinte Bürgermeister Achim Gaus. „Und so lange bleibt der Ort nicht komplett geschützt.“

Dasselbe gelte für die Kombi-Variante C, ebenfalls mit einem Rückhaltebecken außerhalb. Auch die Kosten sprechen gegen die Varianten B und C: Lang hat für A netto 1,32 Millionen Euro errechnet, für B 1,75 Millionen Euro und für C 2,14 Millionen Euro. Damit lag der Fokus auf Verbesserungen im Ort.

„Es ist nachvollziehbar, dort dem Hochwasser zu begegnen, wo es entsteht“, sagte Constantin von Ulm-Erbach (CDU). Nach Langs Plänen müssen auf der Nordseite des Bachs die Mauern von der Sozialstation nach Westen hin etwa auf einer Länge von 250 Metern erhöht werden. Die beiden Straßen „Auf der Wühre“ werden mit mobilen Teilen abgeriegelt. Weitere Schutzmaßnahmen sind zwischen der B 311 und der Bahnlinie erforderlich.

Gaus schloss sich dem an. Im Ort gebe es bereits einen Schutz, den es jetzt zu ergänzen gelte. Zumal sich Verbesserungen an bestehenden Mauern rascher verwirklichen ließen als ein umfangreicher Grunderwerb. Variante A sei „die sinnvollste Möglichkeit“. Für Helmut Braun (Freie Wähler) ist es „vollkommen richtig“, die Schwachstellen im Ort zu beseitigen. Grunderwerb ziehe sich „immer in die Länge“. Dagegen kämen Arbeiten am Bestand „relativ schnell“ voran. Maria Magdalena Ochs (SPD) reihte sich in das Meinungsbild ein. Es sei gut, dort zu verbessern, „wo die Menschen betroffen sind“.

Das Gremium beschloss einstimmig, Baupläne auf der Grundlage von Variante A fertigen zu lassen. Als Bemessungsgröße für den den Hochwasserschutz soll „HQ 100“ gelten – ein Hochwasserabfluss, der statistisch einmal in 100 Jahren auftritt. Von Ulm-Erbach forderte, dass die Anwohner an der Umsetzung mitwirken sollten: Sie seien am stärksten betroffen, hätten aber auch den größten Nutzen.

Bereits mehrere Hochwasser in Erbach

Bach „Welche Bestie muss dort unten schlummern?“ Diese Frage mag sich  stellen, wer die heute schon beachtlichen Mauern sieht, zwischen denen der Erlenbach eingezwängt ist. Zu was der Bach fähig ist, zeigte er immer wieder, etwa 1926, 1955 und zuletzt 2016. Als Ursache gilt das große Einzugsgebiet, das das Wasser wegen Hanglagen rasch in den Erlenbach leitet.

Schutz 1976 wurde der heutige Hochwasserschutz errichtet. In dem nun zu verbessernden Bereich „Auf der Wühre“ sind die Mauern deutlich niedriger gehalten. Zumindest eine Brücke wird dort nun erhöht neu gebaut, die Mauer soll bis zu 1,5 Meter nach oben wachsen.

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