Eine Küchenschüssel aus Plastik darf nicht in den Gelben Sack – auch wenn sie aus dem gleichen Kunststoff besteht wie ein Joghurtbecher. „Das ist für den Bürger unverständlich“, sagt Werner Knittel. Der Geschäftsführer der Firma Knittel Abfallentsorgung in Vöhringen findet deshalb das geplante neue Wertstoffgesetz „vom Grundansatz her“ gut: Es sieht eine Wertstofftonne vor, in der Verpackungsabfälle und zusätzlich – das wäre die Neuerung – „stoffgleiche Nichtverpackungen“ wie Kunststoffgeschirr und Eimer gesammelt werden. Knittel: „Ein solches System wäre für den Bürger einfacher.“

Der Unternehmer geht davon aus, dass im Landkreis Neu-Ulm zusätzlich 665 Tonnen von Recyclingstoffen erfasst werden können. Bislang sind es über den Gelben Sack 29 Kilogramm pro Einwohner und Jahr. Über das Wertstoffgesetz könnten vier Kilogramm mehr pro Einwohner erreicht werden.

„Das ist keine Revolution, aber doch eine Menge, die man nicht im Hausmüll verschwinden lassen sollte“, konstatiert der Bundestagsabgeordnete Georg Nüsslein (CSU). Er ist als stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zuständig für Umweltpolitik und holt sich die Sicht der Praktiker in der Region ein – kürzlich besuchte er schon das Neu-Ulmer Recyclingunternehmen Götz. Einigkeit herrscht in dem Ziel, die Recyclingquote zu erhöhen. Nüsslein: „Damit tun wir nicht nur etwas für die Umwelt, wir tun auch etwas für die Wirtschaft.“ Zumal Deutschland arm an Rohstoffen ist und sie importiert werden müssen.

Strittig ist indes die Organisation der Entsorgung. Es kursieren Befürchtungen, wonach die Kommunen den Markt künftig bestimmen wollen. Denn es gibt Vorschläge, wonach Städte und Landkreise unter Kontrolle der Länder verantwortlich für das Sammeln und Verwerten sein sollen, wobei unterstellt wird, dass sie die Müllentsorgung an Verwertungsunternehmen ausschreiben. So ist es in einem Autorenpapier formuliert, an dem der baden-württembergische Umweltminister Franz Untersteller (Die Grünen) beteiligt war. „Wenn es die Grünen so meinen, wie sie sagen, sollen sie es ruhig machen“, meint Nüsslein. Er verwehrt sich allerdings gegen Ansätze, die erlauben, dass sich Kommunen vor einer Ausschreibung drücken. „Der Wettbewerb muss erhalten bleiben. Wenn wir die mittelständischen Strukturen zerstören, wird das System am Ende teurer und weniger bürgernah.“

Das im Landkreis Neu-Ulm praktizierte Modell würde für das neue Wertstoffgesetz eine gute Blaupause abgeben, meint Entsorger Knittel. Dort liegt die Zuständigkeit für die Hausmüllabfuhr bei den Kommunen und nicht zentral beim Kreis. Eine in Bayern seltene Regelung. Für Knittel ist sie von Vorteil, weil das unternehmerische Risiko sich verteilt, er ist nicht von einem Großauftrag abhängig. Er hat mit 16 Kommunen 16 Verträge. „Das ist mittelstandsfreundlich.“ Knittel wünscht sich, das neue Gesetz möge die Dinge für alle so regeln.

Abstimmung wohl frühestens im Herbst

Unternehmen Die Firma Knittel entsorgt alle Arten von Müll: Hausmüll genauso wie die Abfälle einer Kfz-Werkstatt oder abgelaufene Lebensmittel aus dem Einzelhandel. Insgesamt 15.000 Tonnen im Jahr. Der Anteil der Wertstoffe aus dem Gelben Sack macht nur ein Fünftel dieser Menge aus. Entsorger Knittel erwirtschaftet mit 130 Mitarbeitern 15 Millionen Euro Umsatz.

Gesetz Über das geplante Wertstoffgesetz wird im Bundestag frühestens im Herbst abgestimmt, schätzt der CSU-Abgeordnete Georg Nüsslein. Noch liegt nicht einmal ein Gesetzentwurf vor. Ende Februar werde mit einem Arbeitsentwurf aus dem Umweltministerium gerechnet.