Bebauungsplan Enges Korsett für potenzielle Bauherren

Blick von der Weihung über das künftige Baugebiet „Am Schmittefeld II“ hinauf zur Kirche Sankt Michael.
Blick von der Weihung über das künftige Baugebiet „Am Schmittefeld II“ hinauf zur Kirche Sankt Michael. © Foto: Thomas Vogel
Von Thomas Vogel 21.07.2018

Das Wainer Baugebiet „Am Schmittefeld II“ ist mit seinen gerade einmal 0,35 Hektar Fläche von überschaubarer Größe. Gerade einmal vier Wohngebäude haben Platz. Und doch liegt es vielen Gemeinderäten wie ein harter Kloß im Magen. Sie fürchten, Fehler zu machen mit ihrem zustimmenden Handzeichen für den entsprechenden Bebauungsplan. Nicht minder misstrauen sie der Bauherrschaft. Was, wenn diese auf die Idee käme, ein Gebäude schwarz anzumalen?

Ursprünglich hatte der Bauherr ein großdimensioniertes Wohnhaus mitsamt Schwimmbad-Trakt vorgesehen, was in dem Gremium auf Ablehnung gestoßen war. Denn das Grundstück befindet sich am Fuße der Kirche. Das Baugebiet ist somit nach Einschätzung von Gemeinderat Peter Obrist „sehr sensibel“ oder gar „der sensibelste Bereich des Ortes“ (Julia Freifrau von Herman).

Der Plan wurde daraufhin vom Planerbüro nochmals völlig überarbeitet. Aus der üppigen Villa plus einem zweiten, kleineren Gebäude wurden vier Gebäude. Drei davon waren jetzt innerhalb eines 14 mal 12 Meter großen Baufensters zu positionieren, während dem vierten, „Am Schmittefeld“ etwas mehr Raum zur Verfügung stünde. Sieben Gemeinderäten und damit einer großen Mehrheit waren aber selbst diese Spielräume noch zu groß.

Vergebliche Warnung

Über eine Stunde wurde am Donnerstag über den neuen Plan debattiert. Bürgermeister Stephan Mantz warnte vergeblich davor, dass bei weiteren Einschränkungen der Entscheidungsfreiheit der Bauherrenschaft dort möglicherweise „nicht mehr sinnvoll“ gebaut werden kann. „Wo ein Haus zu stehen hat, in einem Bebauungsplan auf den Meter genau festzulegen“, sei unüblich. „So etwas habe ich in 20 Jahren noch nie gesehen!“

Jetzt aber wird genau dieser Fall eintreten. Mit großer Mehrheit entschieden die Räte, dass ihnen dazu zur nächsten Sitzung zwei alternative Vorschläge vorgelegt werden. Die möglichen Bauherrn werden aber ihr Haus nicht nur nicht „um einige Meter rum und num schieben“ können (Bürgermeister Mantz): Ihnen sind auch sonst noch viele weitere Fesseln auferlegt, die in der Sitzung nochmals enger gezogen werden. Planer Roland Schmuck vom Ingenieurbüro Wassermüller bekam noch weitere Aufträge zur Nachplanung und Einarbeitung in den Bebauungsplan mit. Pro Gebäude wird auf Antrag von Helga Neuhauser nun die Pflanzung mindestens eines mittelgroßen Baumes vorgeschrieben (6:3 Stimmen), bei eventuellen Nebengebäuden sind Pultdächer ausgeschlossen (6:3 Stimmen, Antrag von Herman), und es werden an den Gebäuden nur helle Anstriche erlaubt sein. Mit 2:6 abgelehnt wurde jedoch der Antrag, auch noch die Farbwahl einzuschränken.

Nicht allen Räten aber war wohl bei diesem ungewöhnlich engen Korsett: „Wir sollten doch den Bauherrn auch „eine gewisse Freiheit lassen“, insistierte Armin Bleher. Vergeblich. Bürgermeister Mantz wiederum bangt ums Ansehen der Verwaltung, auf deren „Verlässlichkeit“ die Bürger schließlich Anspruch hätten und befürchtete immer neuerliche Änderungswünsche.

Zuvor war der Antrag Obrists mit knapper Mehrheit abgelehnt worden, den Tagesordnungspunkt ganz zu vertagen. Es könne hier „keinen Zeitdruck geben“. Inzwischen galt auch ihm dieser Bereich „als der sensibelste“ in ganz Wain.

Eigentlich ein Idealfall

Verdichtung „Innenentwicklung geht vor Außenentwicklung.“ Gemäß dieser gesetzlichen Vorgabe stellt das Wainer Baugebiet „Am Schmittefeld II“ eigentlich einen Idealfall dar. Es schließt eine Lücke zwischen der vorhandenen Ortsbebauung entlang der Gartenstraße und der Bebauung im Norden Am Schmittefeld. Es handelt sich somit um eine typische Nachverdichtung. Besonderheit ist die Lage am Fuße der evangelischen Pfarrkirche St. Michael.

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