Landwirtschaft Emmer-Pause auf den Äckern

Region / Von Thomas Steibadler 25.08.2018

Hier wächst Emmer.“ Das Plakat weist Magnus Häußlers Hof in Erbach-Dellmensingen als Vertragspartner der Schapfenmühle in Ulm aus und nennt einige Vorzüge des Urgetreides: reich an Zink, Magnesium und Beta-Carotin. Viele Verbraucher scheinen von diesen Eigenschaften des Emmers jedoch nichts zu wissen. „Der Konsument kennt das Produkt noch nicht“, sagt Schapfenmühle-Geschäftsführer Ralph Seibold. Aus diesem Grund hat das Unternehmen den Landwirten wie Magnus Häußler eine Emmer-Pause verordnet.

Auch keine der wenigen anderen regionalen Mühlen, die das Spelzgetreide verarbeiten (siehe Infokasten), hat nach Kenntnis des Bauernverbands Ulm-Ehingen für 2019 Emmer bestellt. Das bedeutet, dass im kommenden Herbst die Emmer-Anbaufläche im Verbandsgebiet wohl auf null Prozent sinken wird. „Ohne Zusage für 2019 wirst du das auch nicht anbauen“, sagt Verbandsvorsitzender Ernst Buck. In diesem Jahr ist das Urgetreide nach Schätzung des Verbands auf fünf Prozent der Ackerfläche im Alb-Donau-Kreis und im Ulmer Stadtgebiet gewachsen.

Magnus Häußler hat im Herbst 2015 zum ersten Mal Emmer ausgesät. Als Landwirt mit einem Marktfruchtbetrieb, der ausschließlich für den Verkauf produziert, „sucht man sich natürlich Nischen.“ Mit dem Preis von mehr als 30 Euro für 100 Kilo schien die Nische auch recht lukrativ zu sein. Doch Häußler musste zunächst Lehrgeld bezahlen. Auf den insgesamt acht Hektar hatte er wohl zu viel Saatgut ausgebracht. So stand das Getreide zu dicht und wurde von Windböen zu Boden gedrückt. Häußler: „Ertrag und Qualität haben gerade noch gepasst.“

Im Grunde aber sei Emmer ein unkompliziertes, genügsames Getreide, erläuert der Landwirt. Die langen Halme sind, wenn sie nicht zu dicht stehen, stabil und standfest. Dank ihrer tiefen Wurzeln kommt die Pflanze mit wenig Wasser aus. Gerade in diesem trockenen Sommer ein großer Vorteil, sodass Häußler mit seiner dritten Emmer-Ernte ganz zufrieden war. Umhüllt von so genannten Spelzen, ist das Korn gut geschützt, so dass weniger Pflanzenschutzmittel gespritzt werden muss. Aus einem weiteren Grund passe Emmer gut zu seinem Betrieb: Die gegenüber anderen Getreidearten spätere Reife „bricht Arbeitsspitzen“ im Sommer.

Langfristig denken

Magnus Häußler ist aber auch klar, dass die Nachfrage entscheidend ist: „Auf den Absatz kommt es an.“ Und wenn die hinter den Erwartungen zurückbleibt, müssen Erzeuger wie Verarbeiter reagieren. Häußler ist aber wie Schapfenmühle-Geschäftsführer Seibold überzeugt, dass Emmer eine Zukunft hat. „Man muss langfristig denken“, sagt Seibold und zieht die Parallele zum Dinkel. Diese Urform des Weizens sei praktisch von den Äckern und aus den Backstuben verschwunden gewesen, werde aber seit einigen Jahren immer stärker nachgefragt. „Warum soll das mit Emmer nicht auch klappen.“

Um dem Urgetreide auf die Sprünge zu helfen, will Seibold den Emmer in der Öffentlichkeit präsenter machen. Zum einen ist seit einigen Monaten die Internetseite „emmer.info“ online, zum anderen wird gerade ein Lastwagen der Schapfenmühle mit Emmer-Werbug beschriftet. Der Geschäftsführer geht daher davon aus, dass die Lagerbestände in einem Jahr so weit verbraucht sind, dass er für 2020 wieder Anbauverträge abschließen kann. Zum Beispiel mit Magnus Häußler, der sagt: „Ich schätze, dass es weitergeht.“

Aus den Spelzen in die Backstube

Verarbeitung Verglichen mit Weizen bringt Emmer 30 bis 40 Prozent weniger Ertrag, sagt Landwirt Manus Häußler. Doch das gleiche der bessere Preis aus. Die Verarbeitung des Korns ist laut Schapfenmühle-Geschäftsführer Ralph Seibold aufwendiger: Emmer muss im Gegensatz zum Weizen geschält werden, denn die Körner stecken in Hüllen, den so genannten Spelzen. Die Körner sind auch härter als Weizenkörner, daher „läuft die Mühle nicht so rund“, sagt Seibold.

Brot Ein Nischenprodukt, das sich aber einer regelmäßigen Nachfrage erfreue, sagt Robert Müller, Inhaber der Bäckerei Seemann in Erbach-Dellmensingen, über das Emmerbrot in seinem Sortiment. Den besonderen Geschmack erhalte das Brot, das mit mindestens 50 Prozent Emmermehl gebacken werde, durch geröstete Kürbiskerne. Müller: „Das ist schon lecker.“

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