Infrastruktur Emeringen hat eine eigene Wasserversorgung

Emeringen / Bianca Frieß 26.08.2018

Um Mitternacht beginnt der Betrieb: Automatisch schaltet sich die Pumpe ein, befördert Wasser aus 142 Metern Tiefe an die Oberfläche.  Aus dicken Rohren schießt es in zwei blau geflieste Becken. Sie ähneln ein wenig einem Swim­ming­pool – zum Baden geht darin allerdings niemand. Stattdessen wird hier das Trinkwasser für die Gemeinde Emeringen aufbewahrt.

Das Dorf am südwestlichen Rand des Alb-Donau-Kreises ist mit seinen 135 Einwohnern die kleinste eigenständige Gemeinde im Regierungsbezirk Tübingen – und hat eine eigene Wasserversorgung. „Emeringen war immer schon selbstständig, da sind wir für unser Schicksal selbst verantwortlich“, sagt Bürgermeister Josef Renner. 1958 wurde in Emeringen  die erste zentrale Wasserversorgung gebaut, 1987 ging die jetzige Anlage mit einem 182 Meter tiefen Brunnen in Betrieb.

Zurzeit kümmert sich hauptsächlich Edwin Ruf um das Werk – ehrenamtlich. Er arbeitet hauptberuflich bei der Wasserversorgung im nahen Hayingen im Kreis Reutlingen, wohnt aber in Emeringen. Zu seinen Aufgaben gehören vor allem Kontrollen. „Wir überprüfen jede Woche, ob alles in Ordnung ist“, sagt er. Außerdem werden die Behälter einmal im Jahr komplett gereinigt.

Und wenn es eine Störung gibt – etwa nach einem Gewitter – alarmiert ihn die Anlage automatisch auf dem Handy. Im Jahr summiert sich diese Arbeit auf rund 100 Stunden, sagt Ruf. Das sieht er entspannt: „Das ist ja eine kleine Anlage, da gibt es nicht so viel Arbeit.“ Außerdem unterstützt ihn der Bürgermeister bei der Überwachung, die Daten werden direkt ins Rathaus übertragen.

26.000 Liter in zwei Stunden

Der Hochbehälter liegt auf einem Berg, wenige Meter außerhalb des Orts. Im Untergeschoss, in einem weiß gekachelten Raum, verlaufen dicke Rohre. Durch eine Leitung wird das Wasser aus dem Brunnen hineingepumpt und aufbereitet, erklärt Ruf. „Das läuft zunächst über eine UV-Anlage zum Entkeimen.“ Dann fließt das Trinkwasser über die Rohre in die beiden Behälter. Diese fassen zusammengerechnet 250 Kubikmeter – das sind 250.000 Liter. Jede Nacht befördert die Pumpe in zwei Stunden insgesamt 26 Kubikmeter Wasser in die Becken. Dann ist der Vorrat aufgefüllt.

Gute Lage

Unten an der Wand ist der so genannte Auslass. Über ihn fließt das Wasser „im Freispiegel“ in den Ort. Das heißt: Man muss nicht extra pumpen. Dank der Lage des Hochbehälters auf 615 Metern über dem Meeresspiegel läuft das Wasser von selbst nach Emeringen hinunter. „Das ist das Schöne hier“, sagt Ruf.

Notfallplan

Was passiert aber, wenn der Brunnen mal ausfallen sollte – zum Beispiel wegen einer Verunreinigung? Für diesen Fall hat die Gemeinde schon vorgesorgt, berichtet Bürgermeister Renner. Es gibt mehrere Absprachen.

Die langfristige Lösung: Es wird eine Leitung durch den Wald ins benachbarte Sonderbuch (Gemeinde Zwiefalten) gebaut. „Da dürfen wir den Hochbehälter anzapfen“, sagt Renner.  Sollte es in Emeringen nur für kurze Zeit kein Wasser geben, springt das Technische Hilfswerk ein. Die Einsatzkräfte pumpen dann Wasser in anderen Gemeinden ab und bringen es in Tankzügen nach Emeringen.

Das ist bis jetzt zum Glück aber noch nicht vorgekommen. „Unsere Versorgung ist stabil, bisher gab es keine Probleme“, sagt Renner. Der Bürgermeister sieht einen großen Vorteil in der Eigenständigkeit: „So haben wir das in der Hand, sind nicht abhängig von jemandem, der weit weg ist.“ Außerdem sei „absolute Bürgernähe“ gegeben. Gibt es ein Problem, wissen die Einwohner immer, an wen sie sich wenden können.

Der Nachteil: „Große Versorger können sich eine teure Aufbereitung leisten, wenn es etwa eine große Verschmutzung gibt“, sagt Renner. Das lohnt sich für Emeringen nicht.

Aber: Momentan funktioniere ja alles, für den Notfall sei vorgesorgt. An einen Zusammenschluss mit anderen Versorgern denkt die Gemeinde darum erst einmal nicht. „Und wer weiß, was in 20 Jahren ist“, sagt der Bürgermeister. Er ist jedenfalls froh, dass er mit Edwin Ruf einen Fachmann an seiner Seite hat. „Es geht schließlich um unser Lebensmittel Nummer eins.“

Das könnte dich auch interessieren:

Früher war der Verbrauch höher

Verbrauch Aktuell verbraucht die Gemeinde Emeringen rund 11 000 Kubikmeter Wasser im Jahr. Früher war der Verbrauch höher, berichtet Bürgermeister Josef Renner. „Da hatten wir noch mehr Landwirtschaft.“

Preis Das Emeringer Wasser kostet pro Kubikmeter 1,20 Euro. „Solange wir das halten können, sind wir sehr zufrieden“, sagt Edwin Ruf. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg kostete Trinkwasser 2016 im Durchschnitt 2,11 Euro pro Kubikmeter, in Bayern 1,55 Euro.

Verlust Der Wasserverlust durch undichte Leitungen liegt in Emeringen bei vier Prozent – und damit unter dem bundesweiten Durchschnitt von 9,2 Prozent.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel