Erbach Eltern klagen über Missstand an Erbacher Förderschule

PETRA LAIBLE 20.07.2016
Eltern beschweren sich über den Zustand an der Erbacher Förderschule. Unterricht falle aus, eine kontinuierliche Arbeit mit den Schülern sei nicht gewährleistet.

Innerhalb einer Woche hat es zwei Krisengespräche mit dem Staatlichen Schulamt gegeben – ein Zeichen dafür, dass die Situation an der Erbacher Förderschule angespannt ist. Der Zustand sei Schülern und auch Lehrern nicht mehr zumutbar, beschweren sich Eltern über Missstände. Unterricht falle einfach aus, der Stundenplan werde immer wieder verändert. Die Kinder hätten dort keine Struktur, keinen Halt, obwohl sie doch besondere Förderung bräuchten, sagt Tanja Deuringer im Namen der Elternschaft.

Die Ursache dafür sehen sie in der Schulleitung: Der langjährige Amtsinhaber war nach einer einjährigen Erkrankung zu Beginn dieses Schuljahrs wieder zurückgekehrt, er sei jedoch immer wieder krank, so dass seine Arbeit nicht mehr gewährleistet sei. „Das geht nicht gegen seine Person“, betont die Mutter. Das Schulamt müsse endlich reagieren, fordern die Eltern. Wolfgang Mäder; Leiter des Staatlichen Schulamts in Biberach, verweist darauf, dass die Erbacher Förderschule – nach der Erkrankung des Schulleiters – mit einem „ganz, ganz hohen Personaleinsatz“ seit gut zwei Jahren intensiv vom Schulamt beraten werde.

Die Lehrerversorgung im laufenden Schuljahr sei überdurchschnittlich. Zudem sei sogar ein Kollege an die Erbacher Förderschule abgeordnet worden, der die Funktion eines Konrektors habe. „Ein Konrektor ist für eine Sonderschule eine sehr, sehr ungewöhnliche Maßnahme“, erklärt Mäder. In diesem Fall sei sie ergriffen worden, um das Thema Leitung zu konsolidieren. Leider habe der Pädagoge im Februar einen Unfall gehabt, so dass er längere Zeit ausfiel.

Die Förderschule im Erbacher Schulzentrum besuchen rund 40 Schüler, unterrichtet werden sie von acht Lehrkräften. Wenn nicht endlich etwas getan werde, habe die Schule für die Kinder keinen Wert, meint Tanja Deuringer. Anstatt zu lernen werde in Stunden des Schulleiters gespielt oder es würden Filme angeschaut. „Was ist denn das für eine Schule, in der ein Schulleiter entscheidet, was unterrichtet wird, und aus dem Stegreif Dart- und Fußball-AGs ins Leben ruft anstatt mal den Kindern Englisch beizubringen?“

Die Lehrer seien „nach zwei Jahren Kampf am Ende ihrer Kräfte“, wird behauptet. Die Eltern befürchten zudem, dass diese „beständigen Lehrer“ die Schule verlassen wollen. Das Staatliche Schulamt unternimmt in ihren Augen zu wenig. Deshalb seien sie nun gezwungen, an die Öffentlichkeit zu gehen. Das Schuljahr ist fast vorbei, und „im neuen Schuljahr fängt die ganze Misere an der Schule unserer Kinder erneut an, und das wollen wir nicht“, sagt Tanja Deuringer. Die Eltern wünschten sich ein geregeltes Miteinander mit der Schulleitung.

 Mäder nimmt keine Stellung zu Vorwürfen, die die gesundheitlichen Probleme des Schulleiters betreffen. Wohl aber zu jenen, seine Behörde sei untätig: „Wir haben alle Sorgen und Ängste ernst genommen.“

Die massiven Beschwerden der Eltern über Unterrichtsausfälle seien erst vor kurzem schriftlich beim Schulamt eingegangen, daraufhin habe dieses reagiert. Die Aufsichtsbehörde in Tübingen sei außerdem über das Gespräch von Schulamt, Lehrern und Eltern informiert worden.

Der Konrektor bleibe an der Schule, das sei das Ergebnis nach sehr langen Gesprächen gewesen. Auch eine andere Kollegin werde dort weiter unterrichten, eine Lehrkraft habe um ihre Versetzung gebeten. An der einen oder anderen Stelle könne es einen Hintergrund geben, der mit der Leitung zusammenhängt, meint Mäder.

Die Unterrichtsversorgung im kommenden Schuljahr sei an der Erbacher Förderschule jedenfalls sichergestellt, sowohl umfänglich als auch qualitativ, betont der Leiter des Staatlichen Schulamts. Es sei nicht ungewöhnlich, dass ein Lehrer um seine Versetzung bitte. Dafür könne es viele Gründe geben. An Gemeinschaftsschulen sei es allgemein so, dass „denen die Lehrer davonlaufen“, ist die Erfahrung  des Schulamtsleiters. Der Erbacher Schulleiter habe viele Jahre hervorragend und anerkannt gearbeitet, fügt Wolfgang Mäder hinzu. Die Förderschule sei gut akzeptiert.