Langenau / MARKUS FRÖSE  Uhr
Wie es ist, ein Baby zu versorgen, haben sechs junge Mädchen aus Langenau eine Woche lang nachempfinden können. Ihr Eindruck: "Anstrengend."

"Oh wie niedlich!" Das Entzücken ist groß, wenn man ein Baby leihweise in den Arm gelegt bekommt. Kurz darauf gibt man das süße "Butzele" zurück und die stolze Mama kümmert sich wieder um alles weitere. Einen lehrreichen Eindruck davon was es heißt, auch nur eine knappe Woche lang rund um die Uhr ein Baby zu umsorgen, haben sechs Langenauer Realschülerinnen während der Pfingstferien vermittelt bekommen. Mit Hilfe von so genannten Baby-Simulatoren, wie sie auch von der Ulmer Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen und Familienplanung ausgeliehen werden.

Es sei anstrengend gewesen, fassen übereinstimmend die 12-jährige Pia und die 13-jährige Melina ihre Erfahrungen zusammen. "Ich musste wegen dem Baby nachts oft aufstehen", berichtet die 12-jährige Emily. Und die 13- jährige Alexandra ergänzt: "Man ist ziemlich eingeschränkt und kann nicht machen, was man möchte." Die Mädchen nicken noch einmal zustimmend, als Gabi Rath hinzufügt: ". . .und das Baby fängt gerne in den unpassendsten Momenten an zu schreien."

Gabi Rath hat das Projekt "Eltern auf Probe" betreut und "aus Interesse und wegen der Vorbildfunktion" ebenfalls sechs Tage mit einem Simulations-Baby verbracht. Die 24-Jährige befindet sich in der Endphase ihrer Ausbildung zur Erzieherin und macht derzeit ihr Anerkennungspraktikum bei der Stadt Langenau. Sie organisiert den jeden Mittwoch stattfindenden "Girls Day", ein unverbindliches Angebot des Jugendzentrums Langenau, das sich an Mädchen der Klassenstufen 5 bis 8 richtet. In diesem Rahmen kam das Projekt zustande.

Zunächst hatten die Mädchen Besuch bekommen von einem Team der Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen in Ulm, schildert Rath. Gemeinsam habe die Gruppe erörtert, was ein Kind alles benötigt. Die dann ausgehändigten sehr lebensecht wirkenden Puppen sind mit einer elektronischen Steuerung und Sensorik ausgestattet, die den Tagesablauf und die Bedürfnisse eines drei Monate alten Säuglings simulieren. Und um das Ganze noch realistischer zu gestalten, haben die "Babys" von ihren "Müttern" sogar Namen bekommen.

"Der Computer im Inneren des Simulators zeichnet auf, wie sensibel sich die Jugendlichen bei der Säuglingspflege verhalten", informiert Rath. So habe beispielsweise das empfindliche Köpfchen beim Tragen gestützt werden müssen, weil die Sensorik heftige Bewegung registriere, etwa wenn die Simulationspuppe geschüttelt werde.

Wie ein echtes brauche auch das künstliche Baby Zuneigung, wolle gefüttert werden und mache in die Windeln. "Zum Glück nicht wirklich - ein Windelwechsel muss trotzdem sein."

Nach Gabi Raths Eindruck ist die Simulation recht gelungen. Meist könne man erkennen, was das "Baby" möchte: "Angestrengtes Drücken deutet ein Maleur an. Immer lauter werdendes Schreien - und die Mama auf Probe weiß, jetzt wird das Fläschchen benötigt." Genau wie richtige Mütter hätten die Mädchen ein Gespür für die Bedürfnisse ihres Babysimulators entwickeln können. Das habe sich anhand der Daten der Simulatoren gezeigt. Diese wurden nach dem Projekt ausgelesen. Die Schlussfolgerungen daraus seien mit den Mädchen besprochen worden.

Durch das Projekt sollten die Mädchen sich ein eigenes Bild machen, welche Verantwortung und Anstrengungen auf sie zukommen können, fasst die Praktikantin zusammen. Ziel sei gewesen, "durch den Vergleich zwischen den Erwartungen der Mädchen in Bezug auf eine Mutterschaft mit der simulierten Realität eine frühe Schwangerschaft zu vermeiden". Zur Abrundung haben sich die Projekt-Teilnehmerinnen den Dokumentarfilm "Vierzehn" angeschaut, der vier 14-jährige Mädchen während ihrer Schwangerschaft und in der ersten Zeit nach der Geburt begleitet. "Im Film wird deutlich, welche Auswirkungen eine Schwangerschaft wirklich haben kann", sagt Rath. Das habe Eindruck hinterlassen.

Als die Mädchen den Babysimulator wieder abgegeben hätten, seien sie zuerst sogar etwas traurig gewesen. Dann aber hätten sich alle gefreut auf ihre zurückgewonnene Freizeit und auf Nächte, in denen man wieder durchschlafen kann. Gabi Rath: "Kinder wollen alle von ihnen mal - aber das hat noch ganz viel Zeit."

Info Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen und Familienplanung, Schwambergerstraße 35, 89073 Ulm, (0731) 968 570, info@schwangerschaftsfrage.de, www.schwangerschaftsfragen.de.