Mobilität Elektroauto2go auf dem Land

Stromtanken und zur Miete fahren: in Berghülen schon beschlossene Sache.
Stromtanken und zur Miete fahren: in Berghülen schon beschlossene Sache. © Foto: Janine Lamontagne/Getty Images
Region / Regina Frank 20.06.2018
Die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm setzen auf ein reines E-Carsharing-Modell für die Region – in Kooperation mit Kommunen.

Elektroautos zum Ausleihen – wohlgemerkt auf dem Land. Ein Markt, den die Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm (SWU) für sich entdeckt haben.  Sie entwickelten ein Modell, das sie zunächst 60 Städten und Gemeinden im Umkreis von 25 Kilometern anbieten. Unabhängig von deren Größe. „Wir haben es selbst einer 650-Einwohner-Gemeinde vorgestellt“, sagt Projektleiter Thorsten Stumpf.

Berghülen war am schnellsten. Der Gemeinderat sprach sich schon für dieses Angebot aus. Es trägt den Namen „swu2go“ und funktioniert so: Nach dem Beschluss einer Gemeinde werden zwei bis drei mögliche Standorte für die Ladesäule geprüft im Hinblick auf die technische Umsetzbarkeit. Erst danach erfolgt die Vertragsunterzeichnung. Im Fall Berghülen wird laut Einschätzung der SWU die Ladesäule bis Ende des Sommers stehen und das „swu2go-Auto“ fahren.

Das Risiko für die Gemeinde ist überschaubar. Sie beteiligt sich mit 7500 Euro an der Investition. Einmalig. Der Betrag kann auf drei Jahre verteilt werden. Im Gegenzug kümmern sich die Stadtwerke um Aufbau, Betrieb, Unterhalt und Abrechnung. Die SWU sichern zu, dass das Car­sharing mindestens drei Jahre sicher läuft – unabhängig von der anfänglichen Resonanz. Die Säule, die übrigens einen zweiten, auch für Gäste zugänglichen Ladepunkt hat, bleibt in jedem Fall sechs Jahre.

Der Berghülener Gemeinderat musste nicht lange überzeugt werden. „Wir sind aufgeschlossen für neue Dinge“, sagt Bürgermeister Bernd Mangold. Zumal es sich hier um eine Ergänzung zum ÖPNV handle, „der nicht so toll ausgebaut ist“. Und einen für die umweltbewusste Albgemeinde auch insofern konsequenten Schritt, als auf ihrem Gebiet sehr viel Energie aus Biogas, Wind und Sonne produziert wird. Nun schließt sich der Kreis, indem sich die Berghülener auch sukzessive der Nutzung umweltschonender Mobilität zuwenden.

Das Carsharing-Modell richtet sich an Bürger und Gemeindemitarbeiter. Das Prozedere ist in groben Zügen dieses: Der Nutzer lässt sich im Rathaus registrieren. Er erhält einen Chip, der auf den Führerschein geklebt wird und mit dem das Auto geöffnet und verschlossen werden kann. Übers Handy oder am PC lässt sich in Erfahrung bringen, ob das Auto zur gewünschten Zeit frei oder belegt ist. Es kann auf diesem Wege auch reserviert respektive gebucht werden. Eine halbe Stunde vor der  geplanten Abfahrt kann online nachgeprüft werden, ob das Auto wirklich ordnungsgemäß an der Ladestelle abgestellt wurde.

Die Tarife hängen ab von Tageszeit, gefahrenen Kilometern und Mietdauer. Zwei Beispiele: Eine Einkaufsfahrt, tagsüber, zu einem 20 Kilometer entfernten Ort und einer Dauer von vier Stunden kostet laut Stumpf 12 Euro. Ein Wochenendausflug mit einer gefahrenen Strecke von 250 Kilometern kostet 75 Euro.  Die Ladesäule ist zugleich der Dreh- und Angelpunkt, an dem das Auto wieder abgegeben wird. Es handelt sich um ein so genanntes „standortbasiertes Modell“.

Die Nachfrage für dieses „noch sehr junge Projekt“ sei sehr groß, sagt Stumpf. Es wurde bereits in vier weiteren Kommunen vorgestellt. Angeboten wurde das neue Carsharing-Modell auch den Teilorten von Ulm. Den Städten Ulm und Neu-Ulm hingegen noch nicht. Die SWU schließen für die Zukunft keineswegs aus, die Stadt Ulm mit einzubeziehen. Dafür muss ein eigener Plan ausgearbeitet werden. Denn: Das Modell fürs Umland ist nicht 1:1 auf eine Großstadt übertragbar, sagt der Projektleiter, „die Anforderungen sind ganz andere“.

Möglicher Nachfolger von Car2go

Interesse Dornstadt gehörte zum Car2go-Gebiet, als es dieses Mietwagen-Modell in Ulm und Umgebung noch gab. Ein durchaus sinnvoller Service war das, meint Bürgermeister Rainer Braig: „Man ist damit zum Einkaufen gefahren.“ Nun habe die Gemeinde auch „grundsätzliches Interesse“ am Angebot der Stadtwerke. Um Näheres zu erfahren, hat Braig bereits einen Termin bei den SWU vereinbart: „Es lohnt sich auf jeden Fall, das genauer unter die Lupe zu nehmen.“  ts

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