Tag der offenen Höhle Führungen zum Geißenklösterle wegen Rutschgefahr abgesagt

Tag der offenen Höhle am Geißenklösterle: Andreas Lichter zeigt, wie man Birkenpech herstellt.
Tag der offenen Höhle am Geißenklösterle: Andreas Lichter zeigt, wie man Birkenpech herstellt. © Foto: Margot Autenrieth-Kronenthaler
Margot Autenrieth-Kronenthaler 11.09.2017
Führungen zum Geißenklösterle mussten wegen Rutschgefahr abgesagt werden. Vorträge und Mitmach-Programm stießen dafür auf große Resonanz.

Zu gefährlich wäre es gewesen. Daher konnte das Geißenklösterle, Teil des Unesco-Welterbes, beim „Tag der offenen Höhle“ nicht besichtigt werden. Der steile Weg zur Höhle am Rande des Achtals war nach dem vielen Regen extrem rutschig. Das schien den Verantwortlichen der Gesellschaft für Urgeschichte (GfU) doch zu gefährlich. Dennoch gab es einiges zu sehen und zu erleben. Dr. Stefanie Kölbl, Direktorin des Urgeschichtlichen Museums Blaubeuren, erklärte beispielsweise, warum ausgerechnet im Achtal so viele Steinzeitfunde entdeckt wurden: „Das war hier ein eiszeitliches Schlaraffenland.“ Die Eiszeitjäger hatten hier reichlich jagdbares Wild, Wasser, Höhlen für den Winter, und sie fanden in der Nähe Hornstein als Rohstoff für ihr Werkzeug. Der Name Geißenklösterle stamme aus dem Mittelalter, als die Hänge unbewaldet zur Schaf- und Ziegenweide dienten. Nachts wurden die Ziegen – Geißen – in die Höhle gesperrt.

GfU-Vorsitzender Georg Hiller erläuterte, wie der anatomisch moderne Mensch vor 40 000 Jahren einen entscheidenden Schritt hin zum symbolischen Denken gemacht hat. Im Geißenklösterle wurde der „Adorant“ gefunden, ein Relief aus Mammutelfenbein mit einer Mensch-Tier-Darstellung. „Zuvor gab es nur Nachbildungen der Natur, hier ist etwas ganz Neues entstanden.“ Für manchen Zuhörer war es neu, dass die Europäer erst seit 7000 bis 8000 Jahren hellhäutig sind.

Klebstoff der Steinzeit

Allerhand Vorführungen rundeten das Programm ab: Andreas Lichter aus Metzingen etwa stellte Birkenpech her, den Klebstoff der Steinzeit. Dazu wird Birkenrinde in einem Gefäß luftdicht verschlossen und stark erhitzt. Es darf kein Sauerstoff hinzukommen, sonst verschwelt die Rinde nicht, sondern verbrennt. Nach ein paar Stunden tropft Birkenteer in ein darunter stehendes Gefäß. Später wird der Birkenteer eingekocht, verdickt und mit Harz vermischt. Damit wurden früher zum Beispiel Speer- und Pfeilspitzen geklebt. „Wie die Eiszeitjäger das ohne Gefäße geschafft haben, ist uns immer noch ein Rätsel“, meinte der begeisterte Hobby-Archäologe Lichter.

Wem es zu kühl war, der konnte am offenen Feuer Stockbrot backen, andere bastelten steinzeitlichen Schmuck oder Lederbeutel. Dass sich die Sonne am Nachmittag doch noch zeigte, freute die Veranstalter: Denn die lockte doch noch ein paar Besucher mehr zur Welterbe-Stätte.