Moment mal Eislaufen mit Kneipp

Erich Straub reinigt das Kneipp­becken: Es bleibt noch länger offen.
Erich Straub reinigt das Kneipp­becken: Es bleibt noch länger offen. © Foto: Thomas Spanhel
sam 11.10.2018

Eine Kneippanlage ist kein Freibad, soviel ist klar. 24 Grad warmes Wasser wäre Sebastian Kneipp nicht ins Becken gekommen. Besser gegen Venenleiden, Krampfadern und sogar Migräne ist Quellwasser um die neun Grad, wie es in Blaubeuren durch die Kneippanlage sprudelt. Eine Temperatur, die beim Kopfsprung vom Dreier die Migräne wohl erst auslöst. Doch damit sind längst nicht alle Unterschiede genannt. Weitere gibt’s zum Beispiel bei der Verlängerung der Öffnungszeiten.

Während Erich Straub, Vorsitzender des Kneipp-Vereins Blaubeuren, sich spontan aufgrund der Wetteraussichten dazu entschieden hat, in seinem gut laufenden, spendenfinanzierten Kneippbecken noch ein paar Tage länger gesundheitsbewusste Wassertreter zu empfangen, kann eine Verlängerung der Freibadsaison kein Geld in die Kasse des defizitären Donaubads der Städte Ulm und Neu-Ulm spülen. Grund: Die Eislaufsaison soll Ende des Monats mit der Eröffnung der Freipiste so richtig beginnen – und Schlittschuhe vertragen sich nun mal nicht so gut mit Liegewiese und Bikini.

Nicht elegant auf dem Eis laufen zu können verträgt sich wiederum gar nicht mit dem Selbstbild vieler Menschen. Doch was soll man tun, wenn man nicht schon jahrzehntelang jeden Winter auf dem Eis herumturnt und somit die entsprechenden Fähigkeiten wenn überhaupt, dann nur sehr kümmerlich vorhanden sind? Der Einsatz einer Eislaufhilfe scheidet für jeden, der die dritte Klasse hinter sich gelassen hat, aus. Denn welcher Zehn- bis Achtundsiebzigjährige will sich auf Kufen stehend an einem Pinguin festklammern, dem Griffe aus dem Kopf wachsen, noch dazu an der Stelle von Ohren, wo Pinguine doch gar keine haben. Nein. Dann lieber zurück zum Kneippbecken. Dort böte sich mangels Liegewiese ein Ganzjahresbetrieb geradezu an, am Handlauf können sich ungeübte Schlittschuhläufer unverfänglich entlanghangeln, bis sie sich auf Freipisten und in Eislaufhallen sicher fühlen. Ganz ohne Pinguin, ohne Not-Piouretten, blaue Flecken und verknotete Beine. Sebastian Kneipp wäre begeistert.

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