Verkehrsberuhigung Einst gewollt, nun lästig

Mit dem Einbau des Pflasters in der Hölderlinstraße in Illerkirchberg sollten Autofahrer gebremst werden. Die Anwohner aber beschweren sich über das laute Fahrgeräusch auf dem Belag.
Mit dem Einbau des Pflasters in der Hölderlinstraße in Illerkirchberg sollten Autofahrer gebremst werden. Die Anwohner aber beschweren sich über das laute Fahrgeräusch auf dem Belag. © Foto: Franz Glogger
Franz Glogger 14.07.2018

Innovativ wollte der Gemeinderat Illerkirchberg in den 80er Jahren sein. Zusammen mit den künftigen Anwohnern der Hölderlinstraße wurde zum Beispiel die Straße nicht – wie ursprünglich geplant – gerade gebaut, sondern sie erhielt einen Knick. Dazu wurde an mehreren Stellen Pflaster angelegt, um mit dem Belag die Autofahrer zu bremsen. Die Idee hatte das Gremium aus dem bayrischen Unterhaching mitgebracht, das als eine der ersten deutschen Städte verkehrsberuhigende Maßnahmen verwirklicht hatte (siehe Infokasten).

Seither muss sich der Illerkirchberger Gemeinderat immer wieder mit Beschwerden über laute Rollgeräusche der Autos beschäftigen. So auch am Donnerstag. Die Verwaltung hatte geprüft, was der Umbau eines nach Angaben von Anwohnern besonders lauten Bereichs kosten würde. Es handle sich um 100 Quadratmeter, sagte Hauptamtsleiter Manfred Kornmayer. Für die Umgestaltung – Asphalt statt Pflaster – sei mit 8000 Euro zu rechnen. Da in der Folge wohl alle Betroffenen einen solchen Umbau wünschten, müssten insgesamt etwa 50 000 Euro veranschlagten werden. Ein Betrag, der derzeit im Haushalt nicht zur Verfügung stehe.

Mehr Lärm als auf Asphalt

Dass der Verkehr auf Pflaster mehr Lärm verursacht als auf Asphalt, stellte keiner der Räte in Abrede. Ihrer Meinung nach liegt das weniger am Belag selbst, sondern daran, dass auf dem Pflaster zu schnell gefahren werde. Nicht zuletzt von den Anwohnern selbst, merkte Michael Wehner an. Reiner Frohnmüller sah das ebenso und schlug vor, einen Umbau erst dann in Angriff zu nehmen, wenn es andere Lösungen für eine Verringerung der Geschwindigkeit gibt. Rainer Miene stimmte dem zu. Ersetze man bloß das Pflaster durch Asphalt, würde wohl bald zu schnelles Fahren angeprangert. „Das sind dann dieselben, die jetzt über Lärm klagen“, sagte Miene.

Eine Mehrheit war dafür, nicht vorschnell zu handeln. Und einen Umbau „langfristig anzustreben“, wie der stellvertretende Bürgermeister Giuseppe Lapomarda vorschlug. Das war Richard Scharpf, der einst die Verkehrsberuhigung mitentschieden hatte, zu vage. „So schnell wie möglich“, sagte der Rat. In den 80er Jahren habe man sich viel Mühe gegeben, eine gemäßigte Fahrweise in den Wohngebieten zu erreichen. Heute müsse er eingestehen, dass der Pflasterbelag keine gute Lösung ist, sondern „für die Leute eine Lärmbelästigung.“ „Gesundheitsgefährdend“, ergänzte Clemens Bosch.

Auf Vorschlag von Stefan Häußler einigte sich der Gemeinderat ohne formellen Beschluss darauf, die Hölderlinstraße in die Prioritätenliste der zu sanierenden Straßen und nach ihrer Dringlichkeit in den Haushalt aufzunehmen: „Das zeigt, wir haben sie im Visier.“

Das Konzept stammt aus Holland

Vorbild „30er Zonen kannte man in den 80er Jahren noch nicht“, erinnert sich Hauptamtsleiter Manfred Kornmayer. Nach mehreren Besichtigungsfahrten überzeugte die Räte Unterhaching. Das dort Mitte der 70er Jahre umgesetzte Konzept kam aus Holland. Es entspricht der heutigen „Spielstraße“. Fußgänger, Radfahrer und Autos nutzen einen Verkehrsraum und müssen aufeinander Rücksicht nehmen.

Klagen Mit Klagen über Lärm im verkehrsberuhigten Bereich befindet sich Illerkirchberg in guter Gesellschaft. Gepflasterte Flächen und Fahrbahnschwellen sind Anwohnern allenthalben ein Dorn im Auge.

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