Laichingen Eine spannende Zeitreise

Werner Mangold und Friedrich Oelhafen (von links) haben die Ausstellung "Der doppelte Stadtbrief" konzipiert, die von Bürgermeister Klaus Kaufmann (rechts) am Donnerstagabend eröffnet wurde.
Werner Mangold und Friedrich Oelhafen (von links) haben die Ausstellung "Der doppelte Stadtbrief" konzipiert, die von Bürgermeister Klaus Kaufmann (rechts) am Donnerstagabend eröffnet wurde. © Foto: Sabine Graser-Kühnle
SABINE GRASER-KÜHNLE 27.09.2014
Mit der Ausstellung "Der doppelte Stadtbrief" hat Bürgermeister Klaus Kaufmann den Start des Festprogramms zur 650-Jahr-Feier verkündet. Die Ausstellung ist eine spannende Reise in die Vergangenheit.

"Die große Zahl Besucher zeigt mir, dass die Ausstellung ,Der doppelte Stadtbrief auf reges Interesse stößt." So begrüßte Bürgermeister Klaus Kaufmann die Gäste zur Ausstellungseröffnung und er ging damit einig mit Werner Mangold vom Geschichtsverein Laichinger Alb und dem Stadtarchivar Friedrich Oelhafen, die die Ausstellung konzipiert und zusammengestellt haben. Am Donnerstagabend ist sie feierlich eröffnet worden: Mit Jazzmusik vom "Trio Tino". Dieses verlieh der Eröffnungsfeier mit edlen Klängen festlichen Glanz. Dieser wetteiferte mit den schimmernden Glasvitrinen, hinter denen wertvolle Dokumente, Bücher und Manuskripte ausgestellt sind. Sie erzählen dem, der sie entschlüsseln kann, vom "größten und herausragendsten Ereignis unserer Stadt", nämlich der Verleihung der Stadtrechte, wie Friedrich Oelhafen sagte. Außerdem dokumentiert die Ausstellung die Entwicklung Laichingens seit dem Mittelalter. Und damit die Ausstellungsbesucher aus den ausgestellten Zeugnissen schlau werden, haben Werner Mangold und Friedrich Oelhafen die alten Urkunden und Bücher aufbereitet. Seit rund einem Vierteljahr erarbeitete Mangold die Themenkonzeption. Auf der Suche nach den erforderlichen Dokumenten hat sich der Stadtarchivar tage- und abendelang im Stadtarchiv auf dem Dachboden des Alten Rathauses vergraben. Zu zweit sichteten die beiden das Material, sondierten, wählten aus, um ihm "einige markante Stationen und Wegmarken zu entlocken", wie Oelhafen ausführte. Nein, ein "Papierbunker", wie nach des Stadtarchivars Erfahrung viele ein Archiv nennen, sei das Stadtarchiv keineswegs. Denn diese Papiere fügen sich zu einer informativen und spannenden Ausstellung, einer Zeitreise in die Vergangenheit Laichingens: Wie aus dem Pfarrdorf ein "Pfarrdorf mit Markt und Gerechtigkeit" und wie in der Urkunde "Pfarrdorf m. M.G." geschrieben, wurde; wie die Marktrechte zuerst Krämermärkte, später Jahrmärkte nach Laichingen brachten; wie sich die lange Beziehungen des Klosters Blaubeuren mit Laichingen auswirkten; wie die Kirche St. Alban eine Filialkirche war; wie die Pest in Laichingen wütete. Natürlich darf die Leinenindustrie als über lange Zeit maßgebliche Einkommensquelle Laichingens nicht fehlen. Ebenso spiegelt die Ausstellung die Entwicklung der Stadt als Schulstadt und wie sich das "Pfarrdorf m. M.G." zur Stadt mauserte.

"Nur sehr wenige Städte gibt es, denen das Stadtrecht gleich doppelt verliehen wurde", sagte der Bürgermeister. Ohne diese erneuten Stadtrechte hätte sich Laichingen nicht zu einem Bildungs- und Wirtschaftsstandort auf der Alb sowie zum Mittelzentrum entwickeln können. Und Werner Mangold appellierte, aus der Geschichte Laichingens zu lernen. "Oft geht gedankenlos Altes verloren. Andere Städte werben mit ihren historischen Gebäuden, bei uns denke ich da an die Maierhöfe." Schade wäre es, wenn diese baulichen Zeugnisse der Vergangenheit verschwinden würden, so Mangold und seine Bitte an die Stadtoberen: "Haben Sie Mut für ein städtebauliches Konzept, wir sind gerne bereit mitzudenken." Nur so, mit Ausstellungen dieser Art und dem Erhalt sichtbarer Strukturen, schaffe man Zeitzeugnisse, "welche die Vergangenheit lebendig lassen".

Und der Bürgermeister lud zum Besuch der Ausstellung ein: "Nutzen Sie die Chance, bevor diese einzigartigen Dokumente von Herrn Oelhafen wieder in den Tiefen des Stadtarchivs verstaut werden."

Interessiert zeigten sich nicht nur Laichinger, auch Gäste aus der Partnerstadt Ducey und der befreundeten Stadt Neswisch nahmen an der Eröffnungsfeier teil. Die weißrussischen Gäste hatten gar ein eine gravierte Glasstele mitgebracht, die auch den künftigen Generationen Zeugnis für die Freundschaft dieser beiden Städte sein soll. "Lieber 100 Freunde, als 100 Rubel", betonte Igor Krupko, seines Zeichens Bürgermeister von Neswisch. Laichingen, so sagte er, sei die erste von inzwischen insgesamt 21 Städten aus der Nähe und dem Ausland, mit welchen Neswisch in "Frieden und Einverständnis" lebe. Dankend nahm Kaufmann dieses Geschenk entgegen, um sodann mit der Eröffnung der Ausstellung zugleich die Eröffnung des Festprogramms zur 650 Jahrfeier Laichingens offiziell bekanntzugeben.

Die Geschichtsausstellung "Der doppelte Stadtbrief" im Bürgersaal des Alten Rathauses dauert noch bis 5. Oktober. Öffnungszeiten: montags bis samstags von 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, sonntags ist die Ausstellung nachmittags eine Stunde länger geöffnet und donnerstags dauert sie am bis um 20 Uhr am Abend.

Weitere Ausstellungen im Rahmen der 650-Jahr-Feier:

"Die Albanskirche im Lauf der Geschichte" im Pavillon Alban Plus dauert noch bis einschließlich 28. September. Öffnungszeiten am Wochenende: 14 bis 17 Uhr.

Fotoausstellung "Laichingen im Fokus" in der Schalterhalle der Sparkasse zu den üblichen Öffnungszeiten und am verkaufsoffenen Sonntag. Dauer: bis 21. Oktober.