Lonsee / FRANZ GLOGGER  Uhr
Küchenschellen, Katzenpfötchen, Orchideen: Wacholderheiden sind Heimat besonderer Arten. Damit sie das auch bleiben, sucht der BUND Lonsee Helfer. Er kümmert sich um das Schutzgebiet "Salenberg".

Bis zu 70 Grad auf dem Boden, den Sommer über staubtrocken, nur wenige Nährstoffe. Was gedeiht in solcher Bruthitze, wer lebt dort schon freiwillig? Küchenschellen und Orchideen, Katzenpfötchen und Wacholder, Schmetterlinge wie der Braune Waldvogel, das Sonnenröschen-Grünwidderchen und das Steinklee-Widderchen, Vögel wie die bedrohte Heidelerche und der Neuntöter. Die Rede ist von Wacholderheiden. Sie bieten Lebensraum für spezialisierte Tier- und Pflanzenarten.

Mit 100 Hektar habe die Gemeinde Lonsee mehr solcher Flächen als jede andere Kommune in der Region, berichtete BUND-Vorsitzende Silvia Kählert beim Sommerfest der Ortsgruppe am Wochenende. Eines der Gebiete ist der "Salenberg", auch "Salachberg" genannt. Das 28,7 Hektar große Areal wurde bereits vor 75 Jahren zum Naturschutzgebiet erklärt. Der runde Geburtstag war für den BUND Anlass, den Salenberg in den Mittelpunkt des Fests zu stellen. Nicht ohne Hintergedanken. So schön es ist, in nächster Nähe diese Perlen der Natur zu haben, so viel Arbeit bedeutet es, sie zu erhalten.

"Früher haben die Leute Brennholz aus dem Hang geholt. So wurde ganz nebenbei dafür gesorgt, dass Büsche nicht die Oberhand gewinnen. Heute müssen wir das tun", sagte Kählert. Von den 100 Mitgliedern helfe nur ein gutes halbes Dutzend regelmäßig. Deshalb versuche der BUND mit dem Fest auf die Wacholderheiden aufmerksam zu machen und Helfer zu gewinnen, auch in Kooperation mit anderen Vereinen. Die Vorsitzende verschweigt nicht, dass die Pflege am Hang schwere Arbeit und nicht für jedermann geeignet ist. Aber es müsse nicht jedes Areal in jedem Jahr gepflegt werden. Machten genügend Leute mit, verteile sich die Arbeit auf viele Schultern.

Wie Bürgermeister Jochen Ogger in seinem Grußwort sagte, hat Lonsee eine außerordentlich reizvolle Landschaft. Als Beispiele nannte er die Quelle der Lone, den Lonetopf, das Flusstal und nicht zuletzt die Heideflächen. Ehrenamtliche und Mitarbeiter der Gemeinde sorgten bereits mit beachtlichem Aufwand für die Pflege. Die Feuerwehren hätten sich mit ihrem Wissen und ihrer Technik bereits mehrfach bei der Heidepflege eingebracht. "Wir sehen aber, dass wir noch mehr tun müssen", sagte der Bürgermeister. Ein guter Grundstock sei die Verpachtung der Flächen an die Schäferei Hermann Stadler aus Vilsbiburg. Die Schäferei trage nun schon im zweiten Jahr dazu bei, die Rasenflächen freizuhalten. Nun gelte es, weitere Kreise für den Erhalt der kostbaren Lonseer Landschaft "zu sensibilisieren", sagte Ogger.

Silvia Kählert hat nicht nur die Arbeit im Blick, sondern auch das Verhalten in Naturschutzgebieten allgemein. So gern sie Besucher im Lonetal sehe, so sehr wundere sie sich über Fehlverhalten. Pflanzen würden gepflückt, abseits der Wege werde gewandert: "Auch ohne Schilder müsste bekannt sein, dass die Pflanzen zum Anschauen da sind und beim Gehen auf den Pfaden geblieben wird."

Das Fest war bestens besucht, ebenso die vom Regierungspräsidium Stuttgart ausgeliehene Ausstellung "Heiden - Felsen - Steinriegel". Großes Lob gab es für das neue Heim der Ortsgruppe, die "Villa KunderBUND". Das frühere Sängerheim war im Frühjahr frisch renoviert eröffnet worden. "Lange haben wir überlegt, wer das Heim bekommen soll. Ich denke, dass es bei Ihnen in guten Händen ist", sagte Ogger zu den Vertretern des BUND.