Schule Eine Institution verabschiedet sich

Die letzte neunte Klasse in Kirchberg wird in wenigen Wochen verabschiedet.
Die letzte neunte Klasse in Kirchberg wird in wenigen Wochen verabschiedet. © Foto: Manuela Rapp
Kirchberg / Manuela Rapp 19.06.2018

Eine absehbare Entwicklung: Bald wird die letzte neunte Klasse in Kirchberg Geschichte sein. „Vor zwei Jahren wurde die Werkrealschule beendet“, sagt Tanja Jovanovic. „Es ist schon sehr sehr lange klar, dass sie abgewickelt wird“, betont die Rektorin. Ab dem kommenden Schuljahr ist die Grundschule Kirchberg, wie sie offiziell ebenfalls seit zwei Jahren heißt, dann wirklich eine Grundschule – mit vier Klassen. „Das ist der Lauf der Zeit“, meint sie. In ganz Baden-Württemberg würden die kleinen Werkrealschulen geschlossen: „Es gibt nur noch ganz wenige Standorte.“

Nun heißt es, nach vorne schauen. „Jetzt konzentrieren wir uns ganz auf die Schulentwicklung der Grundschule“, umreißt Tanja Jovanovic. Einiges, darauf ist sie stolz, sei bereits auf den Weg gebracht worden. Im Blickwinkel hat sie den Bildungsplan: „Den wollen wir ganz  toll umsetzen.“ Sie spricht von einer guten Lehrerausstattung beim Personal, wobei es im kommenden Schuljahr aber nicht mehr Stunden geben werde. „Mit einem kleinen Team kann man sehr effektiv arbeiten“, schwärmt die Rektorin. Alle seien mit ganz großer Freude bei der Schulentwicklung dabei. Was die frei werdenden Räume anbelangt, darüber berät gerade der Gemeinderat. Geplant ist – nach entsprechendem Umbau – der  Einzug des Kindergartens (wir berichteten mehrfach).

Doch nun geht es erst einmal darum, sich von den Neunern zu verabschieden. „Sie sind eine absolut tolle Klasse“, lobt Tanja Jovanovic, „es sind liebe junge Leute.“ Eines hebt sie explizit hervor: Das Engagement der 15 Mädchen und Jungs für die Jüngeren. Beispiel Schulmusical: „Das war ein Miteinander von Groß und Klein, etwas ganz Besonderes, das wir genießen durften.“

So sehen es auch die Abschlussschüler. Kim Müller nennt es eine „Grundhaltung“, sich um die Grundschüler zu kümmern. „Wir sind auch Vorbild für die Kleineren.“ Silas Brugger und Monique Wöhr geht es ähnlich. Es komme von Herzen, sich mit den Jüngeren zu beschäftigen, sagt der 15-Jährige Altenstadter.

Doch nun steht der Abschluss bevor. Etwas Wehmut lässt sich heraushören bei dieser definitiv letzten neunten Klasse in Kirchberg. „Es ist traurig, dass es langsam dem Ende zugeht“, findet Monique. Unvergesslich wird für die Dettingerin neben dem Musical vor allem die Klassenfahrt nach Berlin bleiben: „Alle haben zusammen etwas unternommen.“ Ihr hat es gefallen, mit den Mitschülern etwas anderes zu machen, etwas mit ihnen teilen zu können. Silas war davon auch begeistert: „Der Klassenzusammenhalt wurde gestärkt. Wir sind super miteinander klar gekommen.“ Irgendwie werde er die Schule schon vermissen, glaubt Silas. Im September wird er eine Lehre als Zimmermann in seinem Heimatort beginnen. Sein Traumberuf übrigens. „Jeder geht jetzt seinen eigenen Weg“, sagt er. In Dietenheim startet die Kirchbergerin Kim Müller ihre Ausbildung zur Glaserin. Nach einem Praktikum, das ihr sehr gefallen habe, entschied sie sich mit Freude dazu – wie sie eigens hinzufügt. Arzthelferin möchte Monique Wöhr mal werden, deshalb hat sie sich für eine weiterführende Schule entschieden. „Ich freue mich auf Neues, darauf, andere kennen zu lernen.“ Sie sei gespannt, ob sie sich dort genauso wohl fühlen werde wie jetzt.

Und was würden die drei Jugendlichen ihren jüngeren Mitschülern mit auf den Weg geben? „Respekt haben vor den Älteren und vor den Lehrern“, findet Silas, dies gelte es zu beachten. Mit den Lehrern gut auszukommen, bedeute wenig Stress haben. „Ausflüge ins Schullandheim sind auch etwas, was man nie vergisst.“ Monique wiederum ist der  Zusammenhalt untereinander wichtig. „Niemanden auszuschließen, jeden zu respektieren, wie er ist“, lautet ihre Empfehlung. Und Kim sagt: „Ab der vierten Klasse muss man sich Gedanken machen, welche Schule man besuchen will.“ Ihre Meinung: „Die Zeit hier genießen, damit man, wenn man sich auf der weiterführenden Schule unwohl fühlt, an alte Zeiten in Kirchberg denken kann.“

Die Kirchberger Abschlussklasse

Größe Die nunmehr letzte neunte Klasse in Kirchberg hat 15 Schüler, neun davon sind Mädchen, sechs sind Jungen. Die Klassenlehrerin ist Annegret Huchler.

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