Musik Eine Höhle voller Flötenklänge

Charles Davis mit seiner Flöte beim Soundcheck.
Charles Davis mit seiner Flöte beim Soundcheck. © Foto: Pia Reiser
Asselfingen / rei 23.06.2018

Prüfend bläst Charles Davis in seine Flöte, spielt eine kurze Melodie. Geht im Hohlenstein-Stadel einige Schritte weiter nach rechts und setzt das Instrument erneut an die Lippen. In der Höhle mit den hohen Decken hat der Klang Raum sich zu entfalten – die Musik ist problemlos auch vor dem Stadel zu hören. „Die Akustik ist wie in einer kleinen Kapelle“, sagt der Musiker zufrieden, als er den Soundcheck an diesem ungewöhnlichen Ort beendet hat.

Vor rund 40 000 Jahren waren Flötenklänge in den Höhlen des Ach- und Lonetals nichts Ungewöhnliches, geht man nach den Funden, die dort gemacht wurden: Flöten aus filigranen Schwanenknochen oder Mammutelfenbein hat man in dem heutigen Weltkulurerbe-Gebiet entdeckt, geschaffen von den Eiszeitkünstlern.

Viele Genehmigungen

Nun sollen also wieder Flöten in den uralten Höhlen zu hören sein. Passend dazu läuft das Konzert am 8. Juli unter dem Titel „Back to the bones“ – also zurück zu den Knochen. Die Gemeinde Asselfingen, der Lonetal Verein, der Verein Gallier sowie das Kulturamt Langenau sind die Veranstalter. Auf einer Fahrradtour im Lonetal war Kulturamtsleiter Edwin Köperl die Idee gekommen: „Ich dachte mir, ein Konzert wäre doch schön, weil die ältesten Musikinstrument hier in den Höhlen gefunden worden sind“, sagt er.

Während im Hohle Fels bei Schelklingen öfter Konzerte gespielt werden, ist es im Hohlenstein-Stadel eine Premiere – und verbunden mit einigem an Organisationsaufwand, wie Nadine Maier vom Kulturamt Langenau erzählt: „Wir hatten ein sehr komplexes Genehmigungsverfahren für das Konzert.“ Zuerst musste der Bürgermeister von Asselfingen, Armin Bollinger, mit ins Boot geholt werden, auf seiner Gemarkung steht schließlich die Höhle, in der der berühmte Löwenmensch gefunden wurde. Außerdem haben sowohl der Staatsforst als auch die Naturschutzbehörde, das Landesamt für Denkmalpflege und sogar das Bergbauamt die Veranstaltung genehmigen müssen.

Auch für den Flötisten Charles Davis wird das Konzert eine Premiere – er hatte zwar schon einige Auftritte in Langenau, hat aber noch nie zuvor in einer Höhle gespielt. „Aber alles, was nicht Routine ist, ist spannend. In Konzertsälen habe ich schon so oft gespielt“, sagt er.

Davis, gebürtig aus Australien, und vier weitere Musiker aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, bilden das Flötenensemble „Four or more Flutes“. Seit knapp 25 Jahren spielen die Flötisten gemeinsam Jazz, den Großteil ihrer Stücke improvisieren die Künstler. Bis zu 17 Flöten kommen bei einem Auftritt zum Einsatz. „Wir haben dabei stilistische Einflüsse aus der Klassik, aber auch aus der afrikanischen oder indischen Musik“, erzählt Charles Davis. Er selbst wird beim Höhlenkonzert eine Kontrabass-, eine Bass-, und eine Konzertflöte spielen.

Beim Soundcheck-Termin in dieser Woche wurden dann letzte Details besprochen: Wo die Flöten aufstellen, und auf welchem Untergrund? Gemeinsam berieten die Organisatoren auch, wie viele Zuhörer denn in die Höhle passen. Vor dem Eingang könne man ja ein paar Bierbänke aufstellen, regte Bürgermeister Bollinger an – schließlich höre man die Musik auch hier. Da in der Höhle aber nicht bestuhlt wird, sollen die Besucher Campingstühle, Decken oder Kissen selbst mitbringen, um es sich bequem zu machen.

100 bis 150 Menschen können sich das Konzert anhören, schätzen die Veranstalter. „Aber auch wenn 50 Zuhörer kommen, ist es toll“, sagt Edwin Köperl. Nun hoffe man noch auf gutes Wetter.

Shuttleservice mit Pferdekutsche

Anfahrt Da der Hohlenstein-Stadel im Landschaftsschutzgebiet liegt, dürfen Autos nicht bis vor die Höhle fahren. Konzertbesucher sollen im Weiler Lindenau oder auf den Wanderparkplätzen etwa bei der Bocksteinhöhle oder dem Archäopark Vogelherd zu parken. Für Besucher, die nicht gut zu Fuß sind, fährt eine Pferdekutsche ab Lindenau zur Höhle.

Kein Vorverkauf Eintrittskarten für 15 Euro (12 ermäßigt) sind nur am Veranstaltungstag, dem 8. Juli, ab 16 Uhr vor der Höhle erhältlich. Das Konzert ohne Pause und ohne Bestuhlung beginnt um 18 Uhr und findet auch bei Regen statt.

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