Einsatz Ein Verein nicht zum Vergnügen, sondern zum Wohle anderer

Der neue Vorstand des Erbacher Helferkreises (von links): Verena Knöpfle, Reinhold Muth, Karin Schmidt, Alfred Ihle und Ursula Schröttner.
Der neue Vorstand des Erbacher Helferkreises (von links): Verena Knöpfle, Reinhold Muth, Karin Schmidt, Alfred Ihle und Ursula Schröttner. © Foto: Franz Glogger
Erbach / Franz Glogger 16.06.2018

Beim Helferkreis Erbach – seit 2016 als Verein organisiert – läuft es angesichts der komplexen Aufgaben ganz gut. Das zeigte diese Woche die Jahreshauptversammlung. Dennoch könne er „eine leichte Enttäuschung“ gegenüber der Stadt nicht verhehlen, sagte Alfred Ihle an Bürgermeister Achim Gaus gewandt. Den neu in den Vorstand gewählten Ringinger wurmt es, dass Bewohner in die vergangenen Spätherbst eröffnete Flüchtlingsunterkunft „Lützelsried“ keine persönliche Einrichtung mitnehmen dürfen. „Etwas heimelig“ sollten es sich Flüchtlinge und Asylsuchende in ihrer ohnehin schwierigen Situation machen dürfen. Ihle forderte den Bürgermeister auf, darüber „nachzudenken“.

Gaus hatte „handfeste Gründe“ dafür angeführt, dass ausschließlich die Kommune die Einrichtung stellt. Details nannte er nicht. Auch für die „restriktiv“ erscheinende Haltung der Stadt bei anderen Gelegenheiten bat er um Verständnis. Er tue sich schwer, freiwillig Aufgaben zu übernehmen, die eigentlich anderen staatlichen Stellen obliegen. Seine Erfahrung zeige, dass dann die Kommune dauerhaft Verantwortung „an der Backe hat“, aber dafür keine Finanzmittel bekommt.

Weiter sprach sich Gaus gegen einen Zugang zum Internet über ein öffentliches WLAN aus. Dann müsste auch an allen anderen städtischen Einrichtungen ein Zugang geschaffen werden. Stattdessen werde die Kommune in Absprache mit dem Helferkreis prüfen, ob Anschlüsse in den Wohnungen eine Lösung seien. Die Nutzung müsste dann von den Mietern bezahlt werden.

Die Arbeit geht dem Helferkreis nie aus. Das zeigte der Bericht von Vorstandsmitglied Volker Banzhaf. Ein Beispiel ist die „Wäschekammer“. Mehr als Kleidung seien inzwischen Haushaltsgegenstände gefragt. „Rege Nachfrage“ bestehe auch im „Möbellager“. Eine immer größere Rolle spiele die Unterkunft „Lützelsried“. Dort treffe sich der Helferkreis und würden Sprechstunden abgehalten, von den Helfern und Integrations-Managerin Nimet Sahin. Demnächst sollen Sprachkurse folgen. Die zentrale Lage spreche vermutlich mehr Interessenten an, als die abseits gelegene Kreis-Unterkunft „Ki Bun“, sagte die Leiterin Karin Schmidt. Schlussendlich möchte der Helferkreis mehr Eigeninitiative der Betroffenen erreichen, zum Beispiel über einen „Flüchtlingsrat“. „Da sind wir in den Überlegungen noch ganz am Anfang“, sagte Banzhaf und schlug einen Arbeitskreis vor. Zwei Flüchtlinge hätten ihre Bereitschaft erklärt, daran mitzuwirken.
Bei den Wahlen wurden Alfred Ihle, Karin Schmidt und Ursula Schröttner in den fünfköpfigen Vorstand gewählt. Volker Banzhaf, Ilona Nipp und Irmengard Eder waren nicht mehr angetreten. „Der Helferkreis ist kein Verein, in dem man seinem eigenen Vergnügen nachgeht, sondern sich dafür einsetzt, dass sich andere Menschen bei uns einfinden. Das könnte die Stadt ohne Sie nie leisten“, bedankte sich Gaus.

Verein hat sechs Arbeitskreise

Helferkreis Er zählt 45 Mitglieder plus Nicht-Mitglieder, die sich ebenfalls in die Vereinsarbeit einbringen. Diese ist in sechs Arbeitskreise gegliedert: Sprache, Hilfen im Alltag, Vereine, Sport und Spiel, Begegnungscafé, Arbeit und Jobvermittlung, Ausstattung. In Erbach leben 182 Flüchtlinge.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel