Serie Ein Neuanfang als Bio-Landwirt

Regglisweiler / Kurt Högerle 01.09.2018

Den Hof, der zwischen dem alten Flecken Regglisweiler und dem einstigen Kurbad Bad Brandenburg liegt, erwarb Rolands Urgroßvater August schon im Jahre 1903. August Feller entstammte dem evangelisch geprägten Nürtingen, bevor er ins erzkatholische Oberschwaben zog. Das war zu dieser Zeit ein sehr mutiger Schritt. Aber er brachte seine Brennrechte mit, was ihm das Wohlwollen der Hiesigen gesichert haben dürfte.

Als Roland Feller zur Landwirtschaftsschule ging, war die Vergrößerung der Höfe und die damit verbundene Industrialisierung der bäuerlichen Landwirtschaft das Credo der Zeit und wurde allerorten auch so gelehrt. Als er 1995 den Hof seines Vaters übernahm, stand er vor der Frage, welche Summen er in noch mehr Kühe und Bullen investieren solle. Feller kam zu dem Schluss, dieses Geld nicht in Rinderställe, sondern in Pferdeställe zu stecken. Schnell machte er sich einen Namen als Dienstleister für Reitpferdebesitzer. „Als Bullenmäster hatte ich keinen Einfluss auf die Preise. Mir wurden sie mitgeteilt und basta. Qualität wurde nicht belohnt. Mit meinen Pferdebesitzern dagegen konnte ich frei die Preise aushandeln“, begründet Feller die Abkehr von der traditionellen Viehhaltung.

Nun hat er einen neuen Weg eingeschlagen: Roland Feller ist seit dem 1. Juli Naturland-zertifizierter Bio-Landwirt. Schnell war klar: Dieser Schritt des 54-jährigen Landwirtschaftsmeisters war nicht nur das konsequente Ende eines langes Weges. Vielmehr war es vor allem ein Neubeginn. So ist gerade die erste Ernte Bioweizen eingefahren, der als Brotgetreide vermarktet wird. Zuvor hatte er seine Ackerböden zwei Jahre lang mit Luzerne „entschlackt“, wie Feller das nennt. Die konventionelle Landwirtschaft habe immer mehr mit Resistenzen zu kämpfen, und so ging es mit der Leguminose neben der Auflockerung des Bodens auch um das Verdrängen von Unkräutern. Wegen der Brennrechte war es für den Fellerschen Hof von großer Bedeutung, neben dem etlichen Hektar Ackerland auch einige Streuobstwiesen zu besitzen und zu pflegen. Das Destillieren eigener Schnäpse wurde wirtschaftlich immer wichtiger. In der Nähe der Lohnbrennerei liefern Kunden darüber hinaus auch ihr eigenes Obst an.

Seine eigenen Streuobstwiesen werden traditionell nicht gespritzt, und so reifte langsam der Gedanke, sich die Arbeitsweise zertifizieren zu lassen. Dass Roland Feller letztendlich ins Lager der Bio-Landwirte wechselte, beschreibt er selbst so: „Als konventioneller Landwirt wurde ich mit sehr viel staatlicher Bürokratie und oft unsinnigen Kontrollen überzogen. Ich bin aber Unternehmer und möchte unternehmerisch handeln, und diese Gängelei war ich leid.“ Mit den Kontrolleuren von Naturland sei die Zusammenarbeit, aller Strenge in der Sache zum Trotz, sehr viel angenehmer. Beispielsweise müsse er seine Anlage gründlich reinigen, nachdem er das Obst verarbeitet hat, das er für seine Kunden verschnapst. Er müsse außerdem penibel nachweisen, woher seine Früchte und Nüsse stammen, die er unter eigenem Namen, oft als sortenreine Edelbrände, in die Läden bringt. Am besten natürlich mit Obst von den eigenen Wiesen, die er Zug um Zug mit historischen Sorten verjüngt.

Begriffe wie Artenschutz und Artenvielfalt sind Roland Feller, seit er Landwirt ist, immer wichtiger geworden; besonders mit dem NABU arbeitet er sehr eng zusammen. Bei allen rationalen Argumenten pro und contra Bio-Landwirtschaft aber gibt er zu: „Es ist ein Neuanfang und es ist ein Abenteuer. Ich suche neue Herausforderungen, denen ich mich stellen möchte, und biologische Landwirtschaft ist eine ungeheure spannende Unternehmung.“

Man darf also auf den ersten Regglisweiler Bio-Whisky gespannt sein. Aber das ist wieder eine andere Herausforderung.

Unterschiedliche Bio-Prädikate

Die Verbände Bio-Bauern sind meist bei Demeter, Bioland oder Naturland organisiert. Diese Anbauverbände verleihen ihr Siegel an Betriebe, die sich verpflichten, nach deren Vorgaben zu wirtschaften. Allen drei ist gemein, dass die Kontrollen engmaschiger  und strenger gelten als die Vorgaben der Europäischen Union, die das EU-Bio-Siegel verleiht. Das EU-Prädikat wird von anderen Verbänden oft als „Biolandbau light“ kritisiert. In der Region ist die biologische Wirtschaftsweise noch die Ausnahme, aber kein Kuriosum mehr. Diese Serie stellt in loser Folge Höfe und Menschen vor:  von der Brennerei bis zum Hühnerhof, vom Milchviehbetrieb bis zum Getreidebauern. Landwirte erzählen, wieso sich entschlossen haben, neue Wege zu gehen und geben Auskunft über teils langwierige Prozesse bis zum Ziel.

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