Laichingen Ein Leben mit und für die Kunst

Sylvia Rösch-Jarosch sitzt bei der Einführung in ihre Ausstellung durch ihre Tochter, die Kuratorin Dr. Perdita Rösch, im Hintergrund.
Sylvia Rösch-Jarosch sitzt bei der Einführung in ihre Ausstellung durch ihre Tochter, die Kuratorin Dr. Perdita Rösch, im Hintergrund. © Foto: Sabine Graser-Kühnle
SABINE GRASER-KÜHNLE 27.10.2014
50 Jahre lebt und wirkt die Künstlerin Sylvia Rösch-Jarosch in Laichingen. Grund genug für sie, ihr Schaffen aus diesem Zeitraum in einer Ausstellung aufzubereiten. Die Vernissage war gestern.

Bürgermeister Klaus Kaufmann vermutete in seiner Ansprache bei der Vernissage zur Ausstellung "Momentaufnahme", dass die Künstlerin Sylvia Rösch-Jarosch "ihre Kreativität aus der schönen Stadt Laichingen oder der guten Luft hier schöpft". Die Tochter der Künstlerin und zugleich Kuratorin der Ausstellung, Dr. Perdita Rösch, sieht das künstlerische Wirken in einem Zusammenspiel von hoher Begabung, Prägung der schlesischen Heimat, Kriegserlebnissen und durchaus dem Alltag in einer kleinbürgerlichen Stadt. 50 Jahre lebt Sylvia Rösch-Jarosch hier, arbeitete als Kunsterzieherin und leitete Kurse bei der Volkshochschule. Sie ist Mutter und Hausfrau, dem Mann im Unternehmen die Stütze - und war dabei immer Künstlerin. "Malend kann ich mich an meine Mutter nicht erinnern, das tat sie nämlich immer nachts, wenn wir Kinder schliefen", erzählte die Tochter. Und doch sei in der Zeit, als sie die Kinder groß zog, eine unglaubliche Fülle an Werken entstanden.

Bis heute arbeitet sie jeden Tag künstlerisch. Noch vor dem Frühstück, quasi zum Warm-Up, berichtete der Ehemann, Adolf Rösch, male sie Aquarelle, Und sie sagt von sich selber: "Es vergeht kein Tag, an dem mir nicht etwas schön Hässliches begegnet, das mich zu etwas Kunstvollem inspiriert." All dies erzählt die Ausstellung jedem aufmerksamen Besucher. Neben Malerei finden sich an den zwei Ausstellungsorten, dem Bürgersaal im Alten Rathaus und der Stadtbücherei, Textilkunst, Installationen; und Momentaufnahmen aus ihrem Schaffen im Atelier: Gedankenfetzen scheinbar zusammenhanglos hingekritzelt auf einem Stück Packpapier, ein Kochtopf und leere Dosen als Fragmente aus dem künstlerischen Arbeiten bedecken in einer Schachtel das beschriftete Stück Papier. Stoffmäuse packt sie in Wolle oder anderes Sammelsurium und präsentiert sie in dicken Bilderrahmen, quasi als 3-D-Objekte. Textile Kunst spiegelt ihre Handarbeitsleidenschaft, allerdings ohne den nützlichen Aspekt einer Handarbeit. Wie etwa bei der Netzinstallation, wo sie ein meterlanges Netz geschaffen hat, mit darin verfangenen Babypuppen und zerknülltem Papier.

Dann ihre Malerei in Acryl, Öl und Aquarell. Vieles erinnert an Picasso und Klee. Wie diese Maler der Moderne versucht die Künstlerin Momente, Eindrücke, Personen immer aus allen Blickwinkeln aus und zeitgleich auf einem einzigen Werk festzuhalten. Aus Farbflächen erschafft sie mit Hilfe von Linien Silhouetten von Tier, Mensch, Pflanze und himmlischen Wesen. Doch was war zuerst da, die Linie und oder die Farbfläche? Das entzieht sich dem Betrachter. Interessant ist ebenso die Anordnung der Bildmotive: Stets bilden Menschen, Pflanzen und Tiere im Zentrum des Bildes eine harmonische Einheit und es ist, als umgebe sie eine schützende Hülle. Da blitzt wohl der Mutterinstinkt durch, der die Künstlerin einst veranlasste, ihrem kreativen Drängen erst in der Nacht nachzugehen. Und immer scheint alles in Bewegung: Auf den Bildern sind es Strahlen, Flammen, Wellen oder Linienverwirbelungen, bei den Installationen ist es die Anordnung. Sylvia Rösch-Jarosch ist 71 Jahre, und ihr Leben sowie ihr künstlerisches Schaffen scheinen nach wie vor im Fluss. Die Ausstellung geht bis 7. November.