Wenn Johannes Bod­dien mit seinem Voltimer unterwegs ist, dann drehen sich die Leute oft nach ihm um. Das mag an der rundlichen, unverkennbaren Form seines Wagens liegen – denn der Voltimer, das ist ein VW-Käfer. Das mag aber auch daran liegen, dass eben jener süße, mehr als 30 Jahre alte Oldtimer fast lautlos fährt – denn er ist zugleich ein Elektro-Auto. „Den Antrieb von morgen mit dem klassischen Design von gestern vereinen“ ist das Ziel des Blausteiners. Sein Start-Up „Voltimer – Klassiker unter Strom“­ verkauft umgerüstete, elektrifizierte Käfer und Busse von VW.
Entstanden ist die Idee vor etwa anderthalb Jahren. Inspiriert durch eine englische Auto-TV-Sendung begann Boddien, der schon immer Interesse an E-Mobilität hatte, sich mit der Oldtimer-Umrüstung zu beschäftigen. In den folgenden Wochen recherchierte der Kundenberater für digitale Medien, knüpfte Kontakte und kaufte schließlich einen VW-Käfer, der in den 1980er Jahren in Mexiko für den deutschen Markt produziert worden war. Drei Monate dauerte die Umrüstung des Prototypen, der seit April auf den Straßen rollt.
Bei diesem sind im Kofferraum unter der Fronthaube unter anderem Lade- und Heizgerät versteckt. Der Elektromotor sitzt im Heck, hinter der Rück­bank sind die Akkus montiert. Diese bezieht das vierköpfige Voltimer-Team von Tesla.
Importiert werden die VW-Fahrzeuge aus Südamerika. Die Umrüstung erfolgt dann in einer Werkstatt in der Nähe von Augsburg. Seit diesem Frühjahr hat das Start-Up bereits drei Käfer umgebaut, ein Bulli T2 ist gerade in Auftrag gegeben worden.

Steigende Umbau-Zahlen

Johannes Boddien möchte es dabei nicht belassen: Insgesamt zwölf Autos will er in diesem Jahr umbauen lassen, im kommenden Jahr 24. Kunden haben bei ihm  auch die Möglichkeit, ihre eigenen Old- oder Youngtimer zum Elektro-Auto umrüsten zu lassen. Zudem will das Start-Up noch stärkere Präsenz im Ulmer Umland zeigen – durch weitere Werkstätten und Modelle zum Probefahren.­
Und wie hoch ist er, der Preis für den Elektro-Oldtimer? 30.500 Euro kostet der City-Käfer. Wer es größer mag: Einen Bulli T1 oder T2 bekommt man ab etwa 50.000 Euro. Die Reichweite der einzelnen Voltimer ist abhängig von der Anzahl der Akkus. Im Käfer stecken davon vier 5,3-Kilowattstunden-Module. Aufladen kann man diese sogar an einer normalen Steckdose, an einer Starkstromdose dauert es etwa drei Stunden.

Autos für den Alltag

Boddien möchte, dass jeder Kunde das Modell findet, das zu ihm passt: Ob für eine kleine Ausfahrt oder den Einkauf in der Stadt – das Auto soll vor allem alltagstauglich sein. Bei der Frage nach der Zielgruppe muss der Unternehmer lachen: „Besonders Frauen scheint der E-Käfer anzusprechen, und dann natürlich die Generation 70 Plus.“ So ganz entziehen kann sich allerdings niemand dem zeitlosen Charme des VW-Klassikers, denn: „Beim Fahren wird man das Grinsen einfach nicht los“. Er treffe auf viele interessierte Menschen, die aber auch kritische Fragen stellen. Skepsis und die Angst, vom gewohnten Verbrennungsmotor umzusteigen, seien da. Boddiens Rat: „Einfach ausprobieren!“
Für ihn ist Voltimer eine „Herzensangelegenheit“. Er sehe es als seinen Auftrag für die Region an, umweltfreundlich zu fahren. „Dank unserer gebrauchten Tesla-Akkus und dem emissionsfreien Elektromotor sind wir nahezu kohlendioxid-neutral“, sagt er stolz. Dass E-Motoren eines Tages Verbrennungsmotoren komplett ersetzen, glaubt der 53-Jährige nicht. Der Markt sei allerdings in ständiger Bewegung. Werkstätten, Autohersteller, aber auch die Politik müssten sich den Veränderungen anpassen. „In Deutschland wird Elektromobilität noch nicht zu hundert Prozent unterstützt.“
Mit seiner Firma möchte er hier ein Zeichen setzen – und gleichzeitig dafür sorgen, dass der Käfer im Stadtbild erhalten bleibt und auch mit E-Motor läuft und läuft und läuft...

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Modelle Drei verschiedene Voltimer bietet Boddien an: Der City-Käfer mit zwei Akkus von je fünf Kilowattstunden hat eine Reichweite von etwa 70 Kilometern. Das Country­-Modell, mit einem Akku mehr sowie einem stärkeren Motor, fährt rund 150 Kilometer. Mit sechs Akkus hat der Hobby-Voltimer eine Kapazität, die eine Reichweite von 400 Kilometern garantiert. Modelle sind hier der VW-Bulli T1 oder T2. Die Ladezeit dauert im Schnitt drei bis acht Stunden.