Eine Burg Gottes für die Ordensschwestern: trutzig, schwingend, leuchtend“ – so beschreibt das Landesdenkmalamt die katholische Kirche St. Vinzenz in Untermarchtal, die in Zusammenarbeit mit den evangelischen und katholischen Kirchen im Land und der Wüstenrot Stiftung als eine von zwölf Kirchen für eine ungewöhnliche Wanderausstellung ausgesucht worden ist. Diese beginnt im Juli und zieht jeden Monat um eine der besonderen Kirchen weiter; in Untermarchtal macht „Zwölf“ im September Station.

Etwa 1000 Kirchenbauten sind zwischen 1960 und 1980 in Baden-Württemberg entstanden; rund 150 Kirchen der sogenannten Nachkriegsmoderne sind zwischenzeitlich denkmalgeschützt. „Die Bauten dieser Epoche werden oft noch missverstanden“, sagt Prof. Dr. Claus Wolf, der Leiter der baden-württembergischen Denkmalpflege, „wenig schmeichelhafte Spitznamen wie Gebetsabschussrampe oder Vater-Unser-Garage zeugen davon.“ Das soll die Ausstellung „Zwölf“ ändern: Zwölf exemplarische Bauten für diese theologische wie architekturgeschichtliche Umbruchzeit touren von Juli an zwölf Monate quer durchs Land.

Die Denkmalpflege will den verbreiteten Vorbehalten begegnen und für Bauwerke von erstaunlicher Qualität und Vielfalt werben: „Nirgends können die Überlegungen der Erbauer und die realisierten Lösungen besser erfahren werden als vor Ort“, erklärt Projektleiter Dr. Martin Hahn die Idee der Wanderausstellung. Je eine Kirche stellt sich einen Monat lang mit all ihren Facetten und einem reichen Rahmenprogramm vor: Führungen, Vorträge, Konzerte, Kinderprogramm – für jede Altersgruppe und jede Interessenslage sei etwas geboten. Eine Kirche ist so jeweils im Original zu bestaunen, die anderen elf zeigen sich in einer mobilen Ausstellung. Die Besucherinnen und Besucher werden dort in die Entstehungszeit der Bauten versetzt. St. Vinzenz in Untermarchtal ist ein Entwurf der Architekten Hermann und Hans Peter Baur aus Basel; dem Wettbewerb 1966 folgte die Grundsteinlegung 1970, 1972 ist die Kirche geweiht worden. Bei den Vinzentinerinnen in Untermarchtal ist die Vorfreude auf den September groß; Eröffnung ist am 31. August und Abschluss mit dem Vinzenzfest am 29. September. In diese Zeit fällt auch der Tag des offenen Denkmals am 8. September. Weitere Informationen über die Ausstellung im Internet unter www.zwoelf-kirchen.de