Alles im Griff Ein Hausmeister über gute Nachbarschaft

Im Süden ist die Kehrwoche nicht wegzudenken.
Im Süden ist die Kehrwoche nicht wegzudenken. © Foto: © Kaesler Media/Shutterstock.com
Region / Pia Reiser 20.08.2018

Jeder hat sie, mancher liebt sie, mancher hasst sie: Nachbarn. Wenn es gut mit ihnen läuft, sind alle froh, die Kehrwoche wird eingehalten, gefeiert wird gemeinsam. Oft genug gibt es aber auch Stunk über den Hausflur oder die Straße hinweg. Aber wie kommt man eigentlich  zu einer guten Nachbarschaft? Unseren Experten finden wir in einem, der täglich mit Nachbarn zu tun hat, die nicht seine eigenen sind: einem Hausmeister. Günter Wenzel ist Chef des Hausmeisterdienstes „Haus und Hof Service Wenzel“, insgesamt betreuen er und sein Team rund 1000 Wohnungen in der Region, vom Sechs-Familien-Haus bis zur Anlage mit 105 Wohnungen. Sie wechseln Glühbirnen, stellen Türschlösser nach, kümmern sich um Heizung, Müll und die Außenanlagen.

Da bekommt man so einiges mit – vor allem wenn die Nachbarschaft nicht gut ist. „Ich bekomme tagtäglich Anrufe, dass hier der Müll vor der Haustür liegt, oder da die Musik zu laut ist“, erzählt er. Müsste Wenzel drei Regeln für eine gute Nachbarschaft formulieren, wären es diese: „Toleranz, Rücksicht und Hilfsbereitschaft.“ Man müsse eben auch mal Fünfe gerade sein lassen, sagt er. Er selbst wohnt im Industrie-Mischgebiet – und wenn es ihm zu laut ist, macht er eben das Fenster zu. Aber auf der anderen Seite der Toleranz steht die Rücksicht. Da muss zum Beispiel nicht die ganze Schuhsammlung der Familie den Hausflur blockieren. Wenzel hält es so: „Ich mute meinen Nachbarn nicht mehr zu, als ich aushalten würde.“ Er zählt auch einiges auf, was ein gutes Zusammenleben zu 100 Prozent stört: Rasen mähen am Sonntag etwa. Oder den Müll in Nachbars Tonne schmeißen und das umherfliegende Papier nicht aufheben, sondern gleich zum Hörer greifen.

Förderlich für die Nachbarschaft hingegen: Gemeinsame Projekte und Feste. In einer seiner Wohnanlagen hätten sich Mieter etwa zusammen ein Atelier im Keller eingerichtet. „Das ist eine tolle Hausgemeinschaft“, schwärmt er. Dass so ein Grillfest immer gut ist für die Nachbarschaft, hat er selbst erlebt. Wenzel hat eine Wohnung im Allgäu, mit den Nachbarn dort war er 30 Jahre lang per Sie. Bis er eine Bierbank aufstellte, eine Kiste Bier dazu und den Grill anschmiss. „Seitdem sind wir per Du.“ So einfach kann es also sein mit der Nachbarschaft. 

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