Freizeit Ein Golfplatz in die Natur hineingewachsen

Noch immer liebt Ernst Blattert den Moment des Ballabschlags.
Noch immer liebt Ernst Blattert den Moment des Ballabschlags. © Foto: Foto: Lisa Maria Sporrer
Wain / Lisa Maria Sporrer 03.01.2018
Der Reischenhof in Wain feierte sein 30-jähriges Jubiläum. Nach 30 Jahren als Präsident wird Ernst Blattert 2018 zurücktreten.

Die Erfolgsgeschichte vom Golfclub Reischenhof in Wain ist eng verbunden mit der persönlichen Geschichte von Ernst Blattert. Denn noch mit 22 Jahren hatte Blattert Kinderlähmung. Fußball spielen konnte er nicht mehr; sein Orthopäde in Ulm hatte für den heute 83-Jährigen seinerzeit folgende Nachricht: Er könne froh sein, wenn er überhaupt noch spazierengehen könne. „So habe ich eben angefangen Golf zu spielen“, sagt Blattert rückblickend.

Golfer statt Rindviecher

2017 feierte der Golfclub, der südlich von Wain 140 Hektar Gelände  betreibt, 30. Geburtstag. Es war auch das 30-jährige Jubiläum von Blattert als Präsident des Clubs. „Golf ist ein Sport,  bei dem das Gehen im Vordergrund steht. Das war für mich ideal“, erinnert sich der ehemalige Geschäftsführer der Wainer Firma Häwa-Blechbau an die Anfänge seiner Golf-Ambitionen, die er noch im Ulmer Club machte. Weil dort aber keine Hunde gestattet waren, er aber oft von seinem Leonberger und Rauhhaardackel begleitet wurde, wechselte er bald nach Bad Waldsee.

Oft war Blattert mit seinen beiden Hunden in Wain  unterwegs. Bei diesen langen Spaziergängen „baute“ er sich in Gedanken eine eigene Golfanlage in unmittelbarer Nähe. Auf den Reischenhof-Wiesen hielt der Braunviehzuchtverband seine Rinder. „Braunvieh war damals ein Exportschlager in Schwaben“, erinnert Blattert. Als der Export zurückging, rief Blattert den Pächter des Grundstücks an: den Gutsherren Benedikt-Joachim Freiherr von Herman. Blattert fragte ihn, ob er sich statt vierbeiniger Rindviecher auch zweibeinige Golfer auf dem Gelände vorstellen könne. Der Gutsherr war begeistert. Innerhalb kürzester Zeit wurden eine Neun-Loch-Anlage und eine Übungswiese angelegt.

30 Jahre nach der Gründungsversammlung mit 14 Mitgliedern ist aus dem anfänglichen Provisorium eine reizvoll gelegene und weitläufige 27-Loch-Anlage geworden. Sie wird liebevoll gepflegt. „Wir haben hier eine kleine, schmucke Oase im Wald“, sagt Blattert, die Hälfte davon sei im Prinzip unberührtes Biotop. Dass das Gelände mit 140 Hektar eigentlich für 27 Loch überdimensioniert ist, steht auch für die Philosophie des Clubs, meint der Präsident: „Hier kann sich die Natur noch entwickeln. Wir haben hier einen Golfplatz, der in die Natur hineingewachsen ist.“

Ein Namen im Ländle

Wenn Blattert über sein langjähriges Hobby spricht, leuchten seine Augen. Dem Sport hafte schon lange nicht mehr das Reichen-Image an, meint er. Man investiere viel in die Jugendarbeit. „Leider ist Golf noch nicht so bei der Jugend angekommen“, sagt er. Aber dagegen wolle man etwas tun. So soll ab diesem Jahr eine Golf-Akademie entstehen, eine Art Golfschule, die für ältere Spieler spezielle Angebote bietet, und vor allem auch für den Nachwuchs. Im Ländle hat sich der Golfclub schon lange einen Namen gemacht: Diverse Magazine bewerben ihn; er ist Trainingsstützpunkt des Baden-Württembergischen Golfverbandes; und auch um den Golflehrer Howard Francis, den Blattert bei einem Florida-Urlaub überreden konnte, nach Wain zu kommen, ist der Verein oft beneidet worden. Der Engländer trainiert noch heute Golfbegeisterte in Wain.  „Das Entscheidende aber war die finanzielle Unterstützung durch den Unternehmer Siegfried Weishaupt“, sagt Blattert. Nur dadurch habe der Verein den Clubhaus-Neubau mit großem Parkplatz realisieren können. Heute bildet das moderne Haus mit Pro-Shop und Restaurant nebst Sonnenterrasse den Mittelpunkt der Anlage. „Es ist alles prima, auch was die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter gemacht haben“, sagt Blattert rückschauend. „Wir haben hier einen Golfplatz, der mehr bietet als andere. Ich würde sagen: Wir haben es geschafft!“

Zur nächsten Hauptversammlung wird Blattert seinen Rücktritt vom Präsidentenamt erklären, obwohl er noch für drei Jahre gewählt ist. Vor zwei Jahren schon musste er wegen Arthrose das Golfen einstellen. Auch sollen die rund 800 Mitglieder nun von einem jüngeren Präsidenten geleitet werden, sagt er. „30 Jahre – das ist ein prägender Zeitraum. Jetzt sind jüngere Menschen gefragt, um den Club weitere 30 Jahre auf einem guten Kurs zu halten.“

Provisorien auf hohem Niveau

Clubgeschichte Am 30. April 1987 gab es den ersten Infoabend mit Geländebesichtigung. Am 3. Juni folgte die Gründungsversammlung. Ein Jahr später wurde die provisorische Übungswiese eröffnet. Damals schon als Trainer tätig : Howard Francis. Ende 1988 wurde das Clubhaus eingeweiht, auch dieses damals nur provisorisch. Noch bevor im Herbst 1989 der Baubeginn für den A-Kurs war, wurde – ebenfalls vorläufig – eine Neun-Loch-Anlage in Betrieb genommen. Die offizielle Platzeröffnung mit der fertigen Neun-Loch-Anlage war im Juni 1991. Damals spielte Ernst Blattert den ersten Goldenen Ball, dem zwei weitere folgen sollten. Der B-Kurs zur zweiten Neun-Loch-Anlage wurde im Juli 1995 eröffnet, fünf Jahre später war dann der C-Kurs soweit. Der Golfclub in Wain ist einer der wenigen in der Region mit einer 27-Loch-Anlage.

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