Ferien Naucity: Kinderspielplatz in Langenau

Eine Stadt braucht auch ein Ortsschild: Das von „Naucity“ gestalteten die Kinder am ersten Tag des Ferienprogramms gemeinsam mit dem Graffiti-Künstler Stoner Art.
Eine Stadt braucht auch ein Ortsschild: Das von „Naucity“ gestalteten die Kinder am ersten Tag des Ferienprogramms gemeinsam mit dem Graffiti-Künstler Stoner Art. © Foto: Barbara Hinzpeter
Langenau / Barbara Hinzpeter 06.08.2018
Die Kinderspielstadt in Langenau läuft: Samt Arbeitsamt und sozialer Umverteilung des Spielstadt-Vermögens. Besonders beliebt ist die Eisproduktion.

Ein ungewöhnliches Bild: Nur wenige Kinder tummeln sich auf dem Schulhof, ein paar spielen Fußball und an den Basteltischen im Jugendzentrum ist nicht viel los. Die Kinderspielstadt Naucity bei der Real- und Ludwig-Uhlandschule wirkt an diesem Vormittag fast ausgestorben. Wer wissen will, wo die Einwohner abgeblieben sind, muss allerdings nur der Nase nach gehen: Je mehr man sich der Treppe zum Keller nähert, desto stärker wird der Popcorn-Duft in der Luft.

Kinder-Bürgermeisterin

Die meisten Buben und Mädchen sind dort unten, im Kino. Da ist es kühl, auch der Film ist cool, und der Eintritt ist frei. Denn Bürgermeisterin Gloria löst so ihr Wahlversprechen ein: Einmal Kino für alle und für lau. Gegen zwei Mitbewerberinnen hat sich die Viertklässlerin am zweiten Tag der Kinderspielstadt durchgesetzt. Den Ausschlag gab vielleicht auch ihre Idee der Vermögens-Umverteilung: Wer mehr als 30 „Nawe“ – so heißt die Spielstadt-Währung – besitzt, muss denen etwas abgeben, die weniger als fünf „Nawe“ haben. 20 „Nawe“ bekommt jedes Kind am ersten Tag. Glorias Maßnahme soll verhindern, dass jemand (Spiel-)Geld klaut.

Seit sieben Jahren gibt es in Langenau die Spielstadt zu Beginn der großen Ferien. Viele berufstätige Eltern und Alleinerziehende seien auf die Ganztagsbetreuung angewiesen, sagt Schulsozialarbeiter Peter Weishar. Er trägt gemeinsam mit Jugendsozialarbeiter Helmut Maßler und FSJler Moritz Tränkle die Verantwortung für die Spielstadt. Die Unterstützung der Spielstadt durch die Stadt Langenau (siehe Info), findet Weishar „genial“.

Um 7 Uhr kommen die ersten Kinder zum Frühstück, um 17 Uhr ist Feierabend. Auch der halbe Tag kann gebucht werden. Dreimal täglich treffen sich alle „Einwohner“ der Stadt im „Arbeitsamt“. Die Mitarbeiter, das sind Schülerinnen und Schüler ab 14 Jahren, stellen ihre Bastel-, Sport- und sonstigen Angebote vor. Sie bieten das an, worauf sie selber Lust haben, Anregungen zum Programm können auch von den Kindern kommen.

Sinnvoller Zeitvertreib

„Es macht total Spaß“, sagt Mitarbeiterin Julia (14), und ihre Freundin Diana fügt hinzu: „Die Ferien sind ja so lang.“ Da ist die Spielstadt ein ausgezeichneter und sinnvoller Zeitvertreib. „Es ist kein Problem“, sagt Alina (15), „die Kinder für etwas zu begeistern, das wir selbst mit Freude tun“. Und Weishar erzählt, dass es allen Spaß mache, für jeweils eineinhalb Stunden in eine bestimmte Rolle zu schlüpfen – zum Beispiel im Bürgerbüro, das Personalausweise gestaltet und ausstellt oder bei der Post, über die selbstgebastelte Karten und Päckchen mit Süßigkeiten verschickt werden. Besonders begehrt ist in diesem Sommer die Eis-Produktion. Eine Gruppe hat nach Rezepten aus dem Internet Schoko- und Zitronen- sowie laktosefreies Himbeer-Kokos-Eis hergestellt. Eine Kugel kostet einen Nawe, für zwei Nawe gibt´s drei Kugeln. Die Produzenten teilen die Einnahmen gerecht untereinander auf.

In der zweiten Woche ist früher Schluss

Gelände Für die Spielstadt dürfen die Kinder den ganzen Schulhof nutzen, die Mensa, die Jugendräume und die Stadthalle. Während für die erste Ferienwoche 60 Kinder angemeldet waren, sind es in der zweiten erfahrungsgemäß deutlich weniger: Dann ist täglich schon um 14 Uhr Schluss.

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