Schutz Ein Dreifachschutz gegen Hochwasser

Die Arbeiten zur Hochwasserrückhaltung des Weiherbaches in Oberbalzheim sind in vollem Gange. Das Bild zeigt (von links) Ingenieur Thomas Sauter, Bauleiter Florian Deifel, Bürgermeister Günter Herrmann und Planer Michael Kaupp auf der Baustelle.
Die Arbeiten zur Hochwasserrückhaltung des Weiherbaches in Oberbalzheim sind in vollem Gange. Das Bild zeigt (von links) Ingenieur Thomas Sauter, Bauleiter Florian Deifel, Bürgermeister Günter Herrmann und Planer Michael Kaupp auf der Baustelle. © Foto: Manuela Rapp
Oberbalzheim / Manuela Rapp 13.07.2018
Für das Hochwasserrückhaltebecken in Oberbalzheim müssen 4000 Kubikmeter Erdreich abgetragen werden.

Die Ausmaße sind immens: 4000 Kubikmeter Erde werden derzeit auf der grünen Wiese in Oberbalzheim ausgehoben und dann abtransportiert. „Im Moment verkehren sechs Lkw im Kreislauf“, sagte Florian Deifel. Er ist Bauleiter auf der momentan wohl größten Baustelle in Balzheim: der Hochwasserrückhaltung des Weiherbachs. Das Material für die Dammaufschüttung, von dem die Rede ist, wird dieser Tage an den nordöstlichen Ortsausgang von Oberbalzheim angeliefert.

Genauer gesagt heißt das: „Pro Tag sind es zwischen 800 und 1000 Kubikmeter, die eingebaut und verdichtet werden“, sagte Florian Deifel und Polier Christoph Kartheininger fügte hinzu: „Parallel dazu setzen wir die Drosselbauwerke.“ Ingenieur Thomas Sauter, der Zuständige für die Bauüberwachung, kommentierte die Arbeiten so: „Das ist keine kleine Maßnahme.“ Ein Blick zurück: Vor ziemlich genau zwei Jahren war der 2,6 Kilometer lange Weiherbach, sonst ein gemütliches Rinnsal, aufgrund von starken Regenfällen über die Ufer getreten – mit sehr schlimmen Folgen für die Anwohner.

Mit dem Hochwasserschutz beauftragt, entwickelte Ingenieur Michael Kaupp vom Ulmer Planungsbüro Wassermüller ein so genanntes Niederschlagsabflussmodell für ein hundertjähriges Starkregenereignis (HQ100). Die daraus resultierenden Maßnahmen wurden vom Gemeinderat einstimmig befürwortet und werden nun umgesetzt.

Dazu gehört der Bau von drei Dämmen, die dafür ausgelegt sind, 14.000 Kubikmeter Wasser zurückzuhalten. Bereits am Waldrand wird durch einen Grobrechen aus Holzpfählen Schwemmgut, das das Wasser mit sich führt, aufgefangen. Das erste Rückhaltebauwerk wird eine maximale Dammhöhe von 3,41 Metern erreichen und kann ein Volumen von rund 8500 Kubikmetern zurückhalten.

Der zweite, mittlere Damm im Südwesten wird sich bis zu 2,61 Meter erheben. Das Volumen dieses Bassins umfasst rund 5300 Kubikmeter. Der leicht geschwungene dritte, bis zu 2,77 m hohe Schutzwall am nordöstlichen Ortsende soll 390 Kubikmeter an Schlamm und Geröll aufnehmen können. Insgesamt werden mit diesen Maßnahmen rund 14.000 Kubikmeter an Rückhaltevolumen generiert. Alle drei Bauwerke sind bei einer Breite von 3,5 Metern auch befahrbar.

Baubeginn war bereits am 9. April. „Doch die großen Bewegungen haben erst am 15. Juni eingesetzt,“ erklärte Bürgermeister Günter Herrmann jetzt bei einer Baustellenbesichtigung. Von diesem Termin an sei der Oberboden für die Dammaufstandsfläche, also für die Basis des Bauwerks, abgetragen worden. Danach folgten eine Bodenverbesserungsmaßnahme, um teilweise einen besseren Untergrund zu schaffen sowie das Einfräsen des Binders in einer Tiefe von 45 Zentimeter, wie Bauleiter Deifel erläuterte.

Auch ein Biberschutz

Nach der Erdaufschüttung, die dieser Tage beendet sein wird, soll es Schlag auf Schlag weitergehen: Solsubstrat wird laut Bauleiter Florian Deifel dann in die Rohre eingebracht, der Biberschutz gebaut und gleichzeitig der neue Bachlauf angelegt. „Mit der Bepflanzung Ende Oktober, die im Maßnahmenplan des Landschaftspflegerischen Begleitplanes festgelegt ist, wird dann alles fertig sein“, ergänzte Thomas Sauter. „Wir sind momentan gut dabei“, fasste Polier Christoph Kartheininger die Arbeiten zusammen. Er spricht von einem „bauüblichen Ablauf, so wie er geplant ist.“ Einen Probelauf wird es im Übrigen nicht geben: Der Weiherbach führe im Trockenfall sehr wenig Wasser, sagte Thomas Sauter. „Wir machen keinen künstlichen Aufstau.“

Ausgegeben werden für die aktuelle Maßnahme wie Bürgermeister Günter Herrmann mitteilt rund 518.000 Euro brutto, wovon 70 Prozent, das entspricht rund 393.000 Euro, als Zuschuss fließen. Da noch weitere Leistungen und der landschaftspflegerische Begleitplan dazukommen wird mit Gesamtkosten von voraussichtlich 561.000 Euro gerechnet.

Bächlein wird zum Fluss

Unwetter Der Weiherbach überschwemmte am 25. Juli 2016 den Ortskern von Oberbalzheim, nachdem es tagelang kräftig geregnet hatte. Das Flüsschen ist zirka 2,6 Kilometer lang und hat ein Einzugsgebiet von rund 171 Hektar,  fließt in Richtung Nordosten und mündet im weiteren Verlauf in den Gießen.

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