Beruf Ein Busfahrer im Interview

Langenau / Rajmond Bakony, Jannis Hauser, Anthony Huber, Franziska Reiser, Anja Simon und Hannah Willsch 16.07.2018

Anfang Mai machte eine Gruppe der Klasse 8e der Langenauer Friedrich-Schiller-Realschule eine Exkursion nach Neenstetten zum Busunternehmen Klöpfer. Denn dort wollten wir mehr über das Busunternehmen erfahren, das uns jeden Tag sicher zur Schule bringt. Dort angekommen, wurden wir freundlich von dem Busfahrer Hermann Reisch begrüßt. Später kamen dann noch Heike Klöpfer-Baumann und Norbert Baumann hinzu.

Wie sind Sie Busfahrer geworden?

Reisch: Ich war Lkw-Fahrer und davor Taxiunternehmer. Lkw fahren war mir zu einsam und ich wollte wieder Menschen um mich haben, also habe ich den Busführerschein gemacht und bin Busfahrer geworden.

Was mögen Sie an ihrem Job?

Reisch: Den Umgang mit Menschen, auch mit euch jungen, eigentlich mit allen Altersklassen. Das gefällt mir ganz gut.

Was sind die Vor- und Nachteile in Ihrem Beruf und welche Situationen belasten Sie am meisten?

Reisch: Also, Nachteile sind lange Arbeitszeiten und die langen Pausen morgens. Während ihr Schüler in der Schule seid, müssen wir rumstehen und auf euch warten. Bei jedem Wind und Wetter müssen wir eigentlich draußen sein. Das ist manchmal recht schwierig, wenn es schneit und Glatteis hat. Aber die Vorteile überwiegen, darum mache ich es auch schon etliche Jahre. Es ist einfach der Umgang mit Menschen.

Welche besonderen Fähigkeiten braucht ein guter Busfahrer?

Reisch: Aufmerksamkeit, Freundlichkeit gegenüber den Fahrgästen – anständig sein. Außerdem braucht man beim Fahren natürlich gute Nerven.

Was stresst Sie an ihren Beruf am meisten?

Reisch: Der Verkehr – der hat richtig zugenommen und auch das Verhalten von vielen Pkw- und Motorradfahrern in der Stadt ist oftmals fragwürdig. Das Zusammenspiel von Bus- und Pkw-Fahrern stimmt nicht, da viele PKW-Fahrer einfach rücksichtslos sind.

Was sind die größten Gefahrensituationen?

Reisch: Der Verkehr an sich, wenn man unter Stress steht, wenn man unachtsam wird, wenn man sich selbst unter Zeitdruck setzt – das sind die größten Gefahren. Im Prinzip ist niemand da, der mich unter Druck setzt, aber den Fahrplan möchte ich einhalten.

Welche Strecke fahren Sie am liebsten und weshalb?

Reisch: Die Strecke ist mir egal. Ich fahre alle gleich gerne. Am liebsten habe ich, wenn einfach ein bisschen Abwechslung drin ist. Jeden Tag habe ich eine andere Linie, so kennt man dann irgendwann auch alle Schüler.

Hatten Sie schon mal einen Unfall?

Reisch: Ja, halt so kleine Sachen. Unaufmerksamkeit beim Rückwärtsfahren, zu weit ausholen, dann der Spiegel, der geht beim Omnibus weit hinaus. Dann ist da ein Ast und der Spiegel ist beschädigt. Im Winter fährt man in einen Schneehaufen rein und denkt das sei Schnee und dabei liegt da ein Stein, schon ist vorne oder hinten das Stoßeck kaputt. Aber das sind alles nur Blechschäden; so einen richtigen Unfall hatte ich noch nie.

Was denken Sie über Jugendliche, nachdem Sie täglich mit ihnen zu tun haben?

Reisch: Mein erlernter Beruf ist  eigentlich Jugend- und Heimerzieher und das bringt natürlich mit sich, dass ich keine Probleme mit Jugendlichen und Kindern habe. Ich mag sie, fahr sie gern, fahr alle Schulen gern an und komm sehr gern zum Arbeiten. Das habt ihr selber schon gesehen. Ich grüß euch immer, und die meisten grüßen zurück.

Wie ist es für Sie, wenn der Bus total überfüllt ist?

Reisch: Es ist nicht angenehm, wenn er so voll ist, da fühlt sich kein Busfahrer wohl. Wir probieren natürlich, dass alle einen Sitzplatz kriegen. Das bekommen wir morgens hin, mittags schaffen wir das nicht, weil wir nicht wissen, wann ihr aus habt oder eine Stunde entfällt. Ich verstehe vollkommen, dass es unangenehm ist, wenn ihr eng aneinander steht. Ein Hinweis wäre, dass ihr euch selber ein bisschen Platz verschafft, indem ihr nach dem Einsteigen ganz nach hinten lauft und die, die dann frisch einsteigen nicht ganz vorne stehen müssen, nur weil einer neben seinem besten Freund stehen will. Das nächste, nehmt eure Schultaschen vom Rücken, da habt ihr dann schon mehr Luft – nur so als Tipp.

Planen sie, größere Busse zu erwerben?

Baumann: Wir haben schon die größten Busse im Einsatz, die es gibt, das sind die langen Drei-Achser. Da würde dann lediglich ein zusätzliches Fahrzeug helfen.

Reisch: Dann gibt es noch eine Lösung, die wir nicht vergessen dürfen. Wenn es wirklich zu viel ist – das habe ich glaub auch schon zweimal erlebt – müssen Schüler draußen bleiben, weil wir sie einfach nicht mehr mitnehmen können. In dem Fall gibt es dann den Betriebsfunk. Dann kommt jemand mit einem unserer kleinen Busse und holt die restlichen Schüler ab. Dann dauert es halt ein bisschen länger, maximal eine Viertelstunde.

Was wünschen Sie sich von den Fahrgästen?

Reisch: Freundlichkeit, „Guten Morgen“ oder „Ade“, einfach Respekt. Manchmal steigt ihr ein und ich sag „Guten Morgen, Guten Morgen“ und keiner sagt etwas, nicht einmal ein Blick. Das ärgert mich am meisten. Und dann, die Monatsfahrkarte nicht automatisch zu zeigen und einfach an mir vorbei zu laufen, als ob ich nicht da wäre, das empfinde ich als respektlos.

Baumann: Ihr müsst das so verstehen, ihr seid ja nicht die Einzigen, die in dem Bus einsteigen und eure Fahrkarte nicht zeigen. Vielleicht seid ihr schlecht drauf an dem Tag oder traut euch nicht zu sagen, dass ihr eure Monatskarte vergessen habt. Das ist ja das Einfachste, reinkommen und sagen „Sorry ich hab sie vergessen.“ Da gibt es nie ein Problem, außer es passiert fünfmal hintereinander.

Klöpfer-Baumann: Und so wie ihr behandelt werden möchtet, einfach den Busfahrer auch behandeln. Dann ist alles gut!

Jährlich 300 000 Fahrgäste

Unternehmen Das Unternehmen Omnibus-Klöpfer wird von Heike Klöpfer-Baumann und ihrem Mann Norbert Baumann geleitet. Die Firma beschäftigt acht Busfahrer und besitzt insgesamt fünf Busse.

Fahrten Rund 300 000 Fahrgäste transportiert das Unternehmen jährlich. Nach Langenau fahren täglich etwa 200 Schüler und auf der Ulmer Linie etwa 350.

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