Europa-Orient-Rallye Abenteuer: Blautopf-Wasser im Toten Meer

Das Auto der Rallyeteilnehmer bei Bogazkale in der Türkei. Der Ort war die Hauptstadt der Hethiter im 2. Jahrtausend vor Christus und ist heute eine bedeutende Ausgrabungsstätte.
Das Auto der Rallyeteilnehmer bei Bogazkale in der Türkei. Der Ort war die Hauptstadt der Hethiter im 2. Jahrtausend vor Christus und ist heute eine bedeutende Ausgrabungsstätte. © Foto: Reinhard Buck
Blaustein / Benjamin Merkle 22.06.2018
Zwei Blausteiner sind die Europa-Orient-Rallye 2018 gefahren - und haben tolle Bilder mitgebracht.

Wenn es nach Arthur Merz (77) geht, sind er und Reinhard Buck (38) vor drei Wochen von „einem der letzten automobilen Abenteuer der Welt“ zurückgekehrt. Anfang Mai starteten die Freunde aus Blaustein mit ihrem Audi Richtung Jordanien. Wenn die beiden begeistert von Petra, Jerusalem  und Troja erzählen, wird schnell klar, was die Faszination der Europa-Orient-Rallye ausmacht. Sie sehen das Rennen als Gegenbewegung zu Veranstaltungen wie der „Rallye-Dakar“, bei der nur noch das Geld im Vordergrund stehe.

Projekt

Die Europa-Orient Rallye ist ein gemeinnütziges Rennen. Alle Autos werden am Zielort versteigert und der Erlös wohltätigen Zwecken gespendet. Zudem füllen die Fahrer ihre Wagen mit Spenden wie Kleidung und Spielzeug, die sie auf dem langen Weg über den Balkan, durch die Türkei, bis nach Israel und Jordanien an die Bevölkerung verteilen.

„Es ist ein tolles Gefühl, den Menschen dort zu helfen. Ich bin jedes Mal erstaunt, wie sehr sie sich schon über Kleinigkeiten freuen. Das können wir in unserem deutschen Überfluss gar nicht verstehen“, beschreibt Merz.

Regeln

Für die Teilnahme müssen einige Regeln beachtet werden:  Die Autos müssen mindestens 20 Jahre alt sein oder dürfen nicht mehr als 1111 Euro gekostet haben.  

Ziel und Gewinn

Es sollen 111 Teams mit insgesamt 333 Autos nach Jordanien zu bringen. Außerdem ist es Ehrensache, kein Navi zu benutzen und sich von Autobahnen fern zu halten. Dem Gewinner der Rallye winkt zur Belohnung ein Kamel.

Aufgaben

Alle Teams bekommen ein sogenanntes Roadbook, in dem Aufgaben für die Teilnehmer stehen. So müssen zum Beispiel Fotos an bestimmten Orten geschossen, Geschenke verteilt oder Kronkorken für eine israelische Künstlerin gesammelt werden.

Bilder von der abenteuerlichen Reise

Symbolcharakter

In diesem Jahr gab es eine besondere Aufgabe: Jedes der Teams sollte Wasser aus einem heimischen Gewässer mitbringen. Denn der Jordan ist so gut wie ausgetrocknet.  Der Fluss speist das Tote Meer, dessen Wasserspiegel jedes Jahr um etwa einen Meter sinkt. Diese dramatische Wasserknappheit sollte symbolisch durch das Auffüllen mit deutschem Wasser ausgeglichen werden. Arthur Merz und Reinhard Buck hatten dafür zwei Flaschen mit Blautopf-Wasser im Gepäck.

Arthur Merz  hat schon neun Mal an der Europa-Orient Rallye teilgenommen. 2014 haben der pensionierte Polizeibeamte und sein Freund Reinhard Buck sogar ein Feuerwehrauto nach Jordanien gebracht.

Bedenken

Vor der Reise müsse man keine Angst haben. Die Menschen, denen Merz begegnet ist, hätten ihn zuvorkommender und freundlicher behandelt als so mancher Deutsche. Reinhard Buck sieht das ähnlich: „Da unten ist es auch nicht gefährlicher als hier, aber viele verbinden mit dem Nahen Osten nur Terror und Krieg. Das sieht man in den letzten Jahren auch an den sinkenden Teilnehmerzahlen.“

2019 feiert Arthur Merz ein ganz besonderes Jubiläum. Er möchte zum zehnten Mal in den Orient fahren und Gutes tun. Dass er mit Sicherheit einen Startplatz bekommt, weiß er auch. Denn als ältester Mitfahrer genießt er einige Privilegien.

Hoffnung

Von der Route erhofft er sich allerdings einiges. „Es wäre toll, wenn unsere Reise uns bald wieder durch Syrien führt. Die Menschen dort bräuchten unsere Hilfe zurzeit wohl am dringendsten.“

Europa-Orient oder Allgäu-Orient Rallye?

Gründung Ursprünglich als Allgäu-Orient Rallye gegründet, wurde das gemeinnützige Autorennen in Europa-Orient Rallye umbenannt. Schnapszahlen ziehen sich dabei wie ein roter Faden durch das gesamte Regelwerk. Denn der Initiator des Ganzen, Wilfried Gehr, kam nach einer Kneipentour auf die „Schnapsidee“. Die Anmeldung zur Europa Orient Rallye 2019 ist deshalb auch vom 07.07. an um 03:33 Uhr möglich.

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