Kellmünz Ein besonderer Austausch

Kellmünz / Michael Seefelder 05.12.2018

Grenzen gibt es nicht nur zwischen Staaten, sondern auch in Köpfen. Um den Horizont zu erweitern, helfen persönliche Begegnungen, wie die von deutschen und israelischen Jugendlichen beim einwöchigen Austauschprojekt namens Crossing Borders. Beteiligt waren die Realschulen in Memmingen, Babenhausen, Augsburg, Vöhringen, Pfuhl und Füssen sowie vier Schulen aus dem Norden Israels in Shafar’am, I’billin, Akko und Mi’ilya. Den Schlusspunkt des Gegenbesuchs der israelischen Delegation bildete in Kellmünz ein Gottesdienst, ein Spaziergang durch den archäologischen Park und ein Bilanz-Gespräch im Rathaus.

Dabei waren neben Pädagogen, Vertretern der Kirche und der Politik auch die Schüler aus Babenhausen und Shefar’am, die ein straffes Besichtigungs- und Kulturprogramm absolviert hatten. „Es war so aufregend“, sagte Laila aus Shafar’am, einer Stadt mit rund 40 000 Einwohnern östlich von Haifa. Ein Höhepunkt war für sie und ihre Freunde Michael, Salwa und Christian der Besuch des Ulmer Münsters. Sany Dagher war wie einige andere zum ersten Mal in Deutschland. Er zeigte sich begeistert und machte Unterschiede bei Essen, Wetter und im Schulsystem im Vergleich zur Heimat aus. Und Geschichtslehrer Amjad Toukan erzählte, manche Schüler hätten hier zum ersten Mal Schnee gesehen.

Den Babenhauser Schülern Victoria Bolkart und David Straub fiel die Begeisterung für Handys und süße Speisen bei den Gästen auf, wie sie schmunzelnd berichteten. „Die Traditionen sind dort auch anders, Weihnachten wird mit einer großen Party eingeläutet“, sagte David Straub. Beide Schüler freuten sich, dass sie durch die vielen Gespräche ihr Englisch verbessern konnten.

Zur israelischen Gruppe gehörte auch Elias Chacour, emeritierter Erzbischof von Akko, Haifa, Nazreth und ganz Galiläa. Der 79-Jährige, der bereits für den Friedensnobelpreis nominiert war, sprach in der Kirche in Kellmünz einen bewegenden Appell für ein gewaltfreies Miteinander von Juden und Palästinensern in seinem Land: „Entweder wir sterben zusammen oder wir leben zusammen. Wir wollen zusammen leben.“ An die Besucher des Gottesdienstes gerichtet sagte er: „Mein Herz ist voll von Liebe für euch.“ Chacour ist palästinensischer Christ und wurde nach dem israelischen Unabhängigkeitskrieg (1947-1949) aus seinem Heimatort Bir’am vertrieben. Wie er gehören die meisten Schüler aus Israel, die nun zu Gast waren, der christlichen Konfession an.

Aber auch Moslems waren in der Delegation vertreten. Der Kellmünzer Bürgermeister Michael Obst, der Elias Chacour bereits dieses Jahr in Israel kennen gelernt hatte, zeigte sich beeindruckt von der Lehre des Kirchenmannes. Durch sie zeige er, „dass wir jeden Menschen als Partner sehen sollten“. Wie Obst sagte, hätten alle Beteiligten beim Abschlussgespräch im Rathaus eine durchwegs sehr gute Bilanz gezogen. „So viel Positives und Herzliches“ sei aus den Teilnehmern geradezu herausgesprudelt.

Initiiert wurde Crossing Borders von Martin Rister, Rektor der Anton-Fugger-Realschule in Babenhausen, und Michael Sell, Leiter der dortigen Jugendbildungsstätte. Sie waren über Ostern 2017 nach Israel gereist, um eine Schulpartnerschaft mit Shefar’am ins Leben zu rufen. Im Mai 2018 fand dann eine Reise einer deutschen Gruppe nach Israel statt. Rister und Sell trieben das Projekt weiter voran, an dem nun zehn Schulen beteiligt sind. Sogar ein deutsch-israelisches Schülerorchester wird gegründet. Dafür diente das Treffen als Vorbereitung. Denn im nächsten Juli ist nach einer Probenwoche ein Konzert beim Iller-Musik-Festival geplant. Im Dezember 2019 soll dann der Gegenbesuch der jungen Musiker in Israel folgen.

Auch in Vöhringen und Senden unterwegs

Programm Neben Stationen unter anderem in Memmingen, Babenhausen, Augsburg und Ulm standen in der Woche auch Programmpunkte in Senden, Vöhringen und Neu-Ulm an. In der städtischen Wirtschaftsschule in Senden gab es ein gemeinsames Frühstück, an dem auch der Bürgermeister der Stadt Mi’ilya und die Schülergruppe aus Shafar’am teilnahmen. In der Bürgermeister-Engelhart-Grundschule kam Elias Chacour zu einer Bürgerbegegnug. In Vöhringen stand unter anderem eine Besichtigung der Firma Wieland auf dem Plan.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel