Zwischen Münsingen und Heroldstatt liegt Magolsheim. In dem 400-Einwohner-Dorf leben Corinna und Fabian Mayer, beide Mitte 30 und überzeugte Wwoofer: also Mitglieder einer Organisation, die weltweit freiwillige Helfer für Bio-Bauernhöfe vermittelt (siehe Info-Kasten). Vor knapp vier Jahren haben sie sich ihren Traum vom eigenen ökologischen Bauernhof erfüllt. Dort leben außerdem ihre vier Kinder Johanna (3), Matthias (6), Rebekka (8) und Emilia (10)  – und nebenan im Stall und auf der Wiese drei Pferde, Hund Nemo, 18 Hühner und vier Laufenten. Nicht zu vergessen sind die vielen Kaninchen, die sich ihre Salatblätter schmecken lassen.

Bei solch einer zwei- und vierbeinigen Großfamilie ist viel Arbeit angesagt. Nicht nur im Haus, das Stück für Stück hergerichtet wird, sondern auch im Stall und im Garten. Helfende Hände sind dem Realschullehrer Fabian Mayer und seiner Frau Corinna stets willkommen. Deshalb haben die Mayers ihren rund 3000 Quadratmeter großen Hof mit der Nummer 776 bei Wwoof Deutschland registrieren lassen. In ihrer Anzeige auf der Homepage suchen sie Hilfe „im Gemüsegarten, mit den Tieren, im Haushalt, bei der Kinderbetreuung und bei Projekten“.

„Wir haben als Wwoofer früher nur gute Erfahrungen gemacht“, erzählen die Eheleute, die vor 14 Jahren als frischverliebtes Paar, direkt nach der Schule, ohne viel Geld in der Tasche, ein Dreivierteljahr mit dem Rucksack Australien erkundeten. Damals sind sie selbst von Hof zu Hof gezogen, haben Unkraut gejätet, Holz gemacht, Schafe oder Kinder gehütet, Krebse gefangen. Geschlafen wurde im Zelt hinterm Haus, im Bauwagen nebenan, in einer Hütte ein paar Straßen weiter oder im Kinderzimmer der Gastgeber.

So halten es die Mayers heute ebenfalls. Im Haus steht ein großes Zimmer für die Gäste aus der ganzen Welt bereit, im Sommer schlafen diese auch mal im Zelt auf der großen Wiese. In den vergangenen Jahren blieben knapp zwei Dutzend Wwoofer zwischen einer und vier Wochen in Magolsheim: aus Deutschland, aber auch aus Kanada, Italien, Frankreich und aus Brasilien. Wer glaubt, wwoofen ist nur bei jüngeren Semestern beliebt, der irrt. „Wir hatten auch schon ein Rentner-Ehepaar auf dem Hof“, erzählen die Mayers und zeigen den entsprechenden Eintrag im Gästebuch. Urlaub nach dem Motto: Gummistiefel statt Flip-Flops.

Nicht nur für Paare, auch für kleine Gruppen oder Alleinreisende ist es eine beliebte Option, die Arbeit auf einem Bauernhof kennenzulernen und zudem noch seinen Geldbeutel zu schonen. Im Schnitt arbeitet man täglich, außer am Sonntag, vier bis sechs Stunden. Dafür sind Kost und Logis frei. „Das Schöne daran ist“, so die Mayers, „dass alle motiviert sind. Sie kommen aus freien Stücken und wollen mithelfen und etwas lernen.“

Fernweh unbekannt

„Wir holen die Welt ins Haus, ohne hinfahren zu müssen“, begründet Fabian Mayer das Wwoof-Engagement. Fernweh kennen er und seine bessere Hälfte deshalb nicht.

Richtig: Es ist nicht jedermanns Sache, wildfremde Menschen in den eigenen vier Wänden zu beherbergen. Gastgeber und Gäste nutzen dieselbe Toilette, waschen sich nacheinander im heimischen Bad und sitzen zum Frühstück, Mittag- und Abendessen am selben Tisch.

Was, wenn es mal doch nicht so richtig passt? „Das spürt die eine oder die andere Seite sofort, dann packt man seine Siebensachen und zieht weiter“, sagt Corinna Mayer. Und, wie sieht es bei den beiden Magolsheimern aus? Gehen sich auch mal wieder auf große Wwoof-Wanderschaft? „Klar, wenn die Kinder aus dem Haus sind, ganz bestimmt“, kommt wie aus der Pistole geschossen.

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Konzept WWOOF (World-Wide Opportunities on Organic Farms) ist ein weltweites Netzwerk aus freiwilligen Helfern, die ohne Bezahlung auf Zeit auf ökologisch bewirtschafteten Höfen mitarbeiten. Dafür haben die Helfer Kost und Logis frei. Das Konzept entstand 1971 in England. Es soll Menschen zusammenbringen, die neue Kontakt knüpfen wollen und sich für einen naturverbundenen Lebensstil interessieren. Wwoofing wird in fast 70 Ländern angeboten. Spitzenreiter sind Amerika, Australien, Neuseeland, Kanada und Frankreich. In Deutschland gibt es rund 500 Höfe, 83 davon in Baden-Württemberg. Informationen gibt es unter www.wwoof.de.