Streik Eigenes Tarifmodell angestrebt

Blaubeuren. / Thomas Spanhel 07.09.2018

Eine „Tarifflucht“ im Unternehmen befürchtete die IG Metall, nachdem Spohn und Burkhardt aus Blaubeuren den Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie verlassen hat. „Überraschend“ aus Sicht der Belegschaft. Mit einem Warnstreik hatte diese vor einer Woche versucht, die Geschäftsführung „wachzurütteln“.

Geschäftsführer Markus Seifert erklärte gestern auf Nachfrage den Hintergrund des Austritts aus dem Arbeitgeberverband. Die dort ausgehandelten Tarifverträge seien vor allem auf Bedürfnisse der großen Automobilfirmen zugeschnitten, sagte Seifert: Es würden hohe Tarifabschlüsse vereinbart. Gleichzeitig werde auf die Automobilzulieferer ein „extremer“ Druck aufgebaut, die Preise für Zuliefer-Produkte würden um bis zu zwei Prozent gedrückt. Da müsse ein mittelständischer Zuliefer-Betrieb wie Spohn und Burkhardt, der Steuersysteme für Krane, Baumaschinen, Lokomotiven und landwirtschaftliche Maschinen herstellt, reagieren: „Wir müssen strategisch denken und für die Zukunft planen“, sagte der Geschäftsführer. „Dafür brauchen wir Flexibilität.“

Es gehe der Geschäftsführung nicht darum, die Löhne zu senken oder Beschäftigten etwas wegzunehmen, ergänzte Seifert. Er sei ein ausgesprochener Gegner von Zeitverträgen und Outsourcing. „Wir wollen ein eigenes Spohn- und Burkhardt-Tarifmodell erarbeiten.“ Er sieht die Firma dafür in „fruchtbaren Gesprächen“ mit der IG Metall. Grundsätzlich sei die Firma „umsatz- und ertragstechnisch“ gut aufgestellt: „Wir sind am Wachsen.“ Die Arbeiten für einen Firmen-Neubau in Blaubeuren hätten gerade begonnen.

Laut IG Metall ist in bisher drei Verhandlungsrunden noch kein Anerkennungs-Tarifvertrag zustande gekommen. IG-Metall-Sekretär Christian Velsink kritisiert, dass dabei vor allem in den unteren Lohngruppen gespart werden soll. Die nächste Runde ist für den 17. September angesetzt.

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