Bürgermeister Ehrenamt im Rathaus bringt Freude und Frust

Ehrenamtlicher Bürgermeister seit 2010: Paul Seybold.
Ehrenamtlicher Bürgermeister seit 2010: Paul Seybold. © Foto: Kurt Fahrner
Holzkirch / Kurt Fahrner 14.02.2018

Im Gemeinderat geht es nur gemeinsam, sagt der Holzkircher Bürgermeister Paul Seybold. Aus diesem Grund wolle er zuerst mit den Gemeinderäten über eine mögliche erneute Kandidatur sprechen. Einstweilen lässt Seybold also offen, ob er sich am 24. Juni um eine zweite Amtszeit bewerben wird. Die würde dann am 1. September beginnen.

Seybold ist seit siebeneinhalb Jahren ehrenamtlicher Bürgermeister der 260 Einwohner zählenden Gemeinde. Im nächsten Monat feiert er seinen 65. Geburtstag, im Falle einer Wahl könnte er also eine volle Amtszeit ­– diese beträgt acht Jahre – absolvieren.

Im Juni 2010 ist Seybold in Holzkirch zum Nachfolger von Gerhard Lindner gewählt worden. Obwohl einziger Kandidat, lag die Wahlbeteiligung bei mehr als 62 Prozent. 96 Prozent der Stimmen entfielen damals auf den gebürtigen Holzkircher. „Ich darf das machen“, sagt Seybold heute über das Ehrenamt. Den zeitlichen Aufwand – „im Schnitt wie eine Halbtagsbeschäftigung“ – könne er als Ruheständler bewältigen. Unterschätzt, gibt Seybold zu, habe er wieviel Zeit die Zweckverbände in Anspruch nehmen, an denen die Gemeinde beteiligt ist: für Kindergarten, Schule, Kläranlage. Auch Termine mit Abgeordneten habe er vorher nicht auch dem Schirm gehabt. Was aber nicht heißen solle, ihm bereite das Amt keine Freude, betont Seybold.

Als „manchmal frustrierend“ empfindet er dagegen, „wie die Bürokratie zugenommen hat“. Vorschriften, mit denen er als gelernter Techniker, nicht viel anfangen kann. Und gravierender: Vorschriften, die nach Ansicht des Bürgermeister die Entwicklung Holzkirchs bremsen. So wolle die Gemeinde an der Raiffeisenstraße ein neues Wohngebiet ausweisen. Etwa 20 Bauplätze könnten dort erschlossen werden. Allerdings blockiere ein Stall das Vorhaben.

Dieses Stallgebäude befindet sich Seybold zufolge außerhalb des geplanten Wohngebiets und stehe seit mindestens 20 Jahren leer. Trotzdem genieße der Stall als solcher Bestandsschutz, und damit gilt auch die Geruchsimmissions-Richtlinie. Daraus wiederum ergibt sich, dass innerhalb eines bestimmten Radius um den Stall keine Wohnhäuser gebaut werden dürfen. Zwar hat die grün-schwarze Landesregierung angekündigt, den Bestandsschutz nicht mehr genutzter Ställe im Innenbereich neu zu regeln. Aber noch ist es bei der Ankündigung geblieben. Gleichwohl ist der Bürgermeister mit den Fachbehörden im Gespräch, mit dem Ziel, das Wohngebiet doch noch zu verwirklichen.

Gerade für eine kleine Gemeinde wie Holzkirch mit einem hohen Altersdurchschnitt sei eine solche Entwicklungsmöglichkeit notwendig. Und dann auch noch innerorts, wie von der Politik gewollt, sagt der ehrenamtliche Bürgermeister.

Bekanntgabe in der nächsten Sitzung

Regularien In der Sitzung Anfang März wird der Gemeinderat die weiteren Regularien zur Bürgermeisterwahl am 24. Juni festlegen: Gemeindewahlausschuss, Stellenausschreibung, Termin einer möglichen Neuwahl. Dann wil Paul Seybold auch bekanntgeben, ob er erneut kandidiert.